Ausgabe 949 - Oktober 2006
Worst Case: Zwischen Angst, Alarm und Gelassenheit
In dieser Ausgabe
Dossier
(8) Sakralisierte Katastrophen
Der Ursprung der Kultur liegt in einem Akt der Gewalt. Diese provozierende These Freuds ist in der Psychoanalyse der Ausgangspunkt für eine Kulturtheorie, die pessimistisch fragt, wie überhaupt Friede gelingen kann.
(7) Nach der Sintflut
Sintflut und apokalyptische Zustände sind Desaster, die in der Bibel beschrieben werden. Sie bilden den Hintergrund, vor dem die Rettung inszeniert wird: das Wunder der Schöpfung kann so ein weiteres Mal mit grosser Dramatik vor Augen geführt werden.
(6) Totales Glück, totaler Schrecken
Die Dystopie – der negative Gesellschaftsentwurf – hat im letzten Jahrhundert die klassische Utopie endgültig abgelöst. Doch so schwarz sie auch die Entwicklung der Gesellschaft zeichnet, die Hoffnung gibt sie nicht auf.
(5) Worst Case ist nicht gleich Worst Case
Was kann schlimmstenfalls passieren, und wie kann es verhindert werden? Die Antworten hängen von vielen kulturellen Parametern ab. Über die unterschiedliche Risikobewertung zwischen Amerikanern, Europäern und Chinesen.
(4) Man kann gar nicht verrückt genug denken
Ein Interview von Mark Obert mit Friedhelm Jungbluth Friedhelm Jungbluth, 48, ist Notfall-Manager des Frankfurter Flughafens. Im Interview mit Mark Obert spricht er über inszenierte und tatsächliche Worst-Case-Szenarien.
(3) Worst Case als Planungsgrösse
Das Labor Spiez, Schweiz' Institut für ABC-Schutz, konzentriert sich weniger auf Atomkrieg oder Kernkraftwerk-Unfälle. Stattdessen bereitet es die Bevölkerung primär auf terroristische Anschläge mit atomaren, biologischen oder chemischen Waffen vor.
(2) Worst Case als Show
Ökokatastrophe, Globalisierungsverlierer, Vergreisung der Gesellschaft: hinter der Beschwörung von Worst-Case-Szenarien können handfeste Interessen stehen. Bewahrung und bestenfalls Anpassung des Bestehenden sind die Folge, auf Kosten von Kreativität und der Suche nach neuen Lösungen.
(1) Die Verletzlichkeit postheroischer Gesellschaften
Heroische Gesellschaften halten durch Ehre und Opfer zusammen und sind in Konflikten erfolgreicher als postheroische Gesellschaften, die auf Recht, Wohlstand und Frieden setzen. Das bedroht friedliche Zivilgesellschaften fundamental.
Aktuelle Debatten
«Ihr glücklichen Schweizer!»
Russland und die Schweiz – in einem seit Jahrhunderten währenden Kulturaustausch haben sich beide Länder gegenseitig stärker beeinflusst, als gemeinhin angenommen wird.
Privatwirtschaft und Umweltschutz
Die Industrie bringt ihre Erfahrung in internationalen Umweltverhandlungen zu wenig ein. Um effiziente Mitsprache zu erlangen, muss sie ihre Kompetenz ausbauen. Nur so lässt sich der Gegensatz zwischen Wirtschaft und Umweltschutz überwinden.
Hisbollah trotzt Israel
Dank einer ausgeklügelten Raumverteidigung konnten die Hisbollahkämpfer den Krieg politisch für sich entscheiden
Produktion von Sicherheit
Die Auseinandersetzung mit Katastrophen, Notlagen und Worst-Case-Szenarien gehört zum Wesenskern meiner Aufgabe. Obwohl mein Arbeitsalltag – die Führung eines Amtes mit rund 300 Mitarbeitern – oft von anderem dominiert wird. Die Zeit ist ausgefüllt mit Sitzungen und Besprechungen; Berichte und Protokolle müssen gelesen, Entscheidungen über strategische Ziele gefällt, Budgetvorgaben umgesetzt
Weitere Beiträge
Eine weltoffene Schweiz braucht die EU
Leserzuschrift zur Ausgabe «City-State: Von der Staatenwelt zum Städtenetzwerk», Juli/August 2006
Reinhard Wittmann: Der Carl Hanser Verlag 1928–2003. Eine Verlagsgeschichte.
München, Wien: Hanser 2005
Ronald Clapham und Gerhard Schwarz (Hrsg.): Die Fortschrittsidee und die Marktwirtschaft.
Zürich: NZZ-Verlag, 2006
Du könntest ein paar Federn hinzufügen
Eine leidenschaftliche Liebe, avantgardistische Kunst, Happenings, Glamour. Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely, «Bonnie and Clyde in Arts», sind eines der berühmtesten und erfolgreichsten Künstlerpaare. Das Museum Tinguely in Basel würdigt derzeit erstmals ihr gemeinsames Leben und Arbeiten.
Wanderer in lesbaren Welten
Goethe, Leigh Fermor und Kerkeling – gemeinsam ist ihnen, dass sie wanderten und darüber schrieben. Wer selbst im Sessel sitzen bleiben mag, dem sei hier empfohlen: Lesen!
Editorial
Man soll zwar das Beste hoffen, aber auf das Schlimmste gefasst sein, so lautet eine angelsächsische Lebensweisheit. Aus demselben Kulturkreis stammt die Formel «No risk, no fun», bei Jugendlichen beliebt, aber als Lebensmotto und Unternehmensphilosophie nicht ganz ungefährlich. In der Militärstrategie gilt es als Kunstfehler, sich ausschliesslich auf die wahrscheinlichsten