Ausgabe 1121 – März 2026
Vertrauen: Unsichtbar und unverzichtbar
Vertrauen: Unsichtbar und unverzichtbar
In dieser Ausgabe
Schwerpunkt
Vertrauen ist riskant – aber unverzichtbar für die Freiheit
Vertrauen entsteht durch Vertrautheit. Eine Gesellschaft kann auch ohne Vertrauen bestehen – die Frage ist, ob es eine lebenswerte Gesellschaft ist.
Die Opferhaltung ist eine falsche Freundin
Viele glauben, auf ideale Mitmenschen angewiesen zu sein, um vertrauen zu können. Doch vertrauen kann nur, wer sich traut.
Vertrauen ist ein Naturgesetz
Von der Zelle über das Organ bis zum Menschen und zu Institutionen: Sie alle treffen Vorhersagen, um am Leben zu bleiben; das ist Leben. Wenn eine Vorhersage verlässlich ist, entsteht Vertrauen. Zu leben heisst, auf Vorhersagen zu vertrauen, die über Milliarden Jahre verfeinert wurden.
Misstrauen ist rational
Dass immer weniger Menschen den Medien und der Politik glauben, ist hausgemacht. Statt selbstkritisch über die Bücher zu gehen, werden Andersdenkende diffamiert. Zeit für einen Kurswechsel.
Ich vertraue, also bin ich
Dem Gerede um eine angebliche Vertrauenskrise zum Trotz: Nur die wenigsten Menschen mutieren zu hoffnungslosen Zynikern. Und dafür gibt es gute Gründe.
Der Westen in der Vertrauensmisere
Die aktuellen Erhebungen des Edelman Trust Barometer zeichnen ein ernüchterndes Bild: In vielen Ländern verlieren zentrale Institutionen spürbar an Vertrauen.
Eine Welle digitalen Misstrauens erfasst die repräsentative Demokratie
Politische und gesellschaftliche Eliten haben das Vertrauen ihrer Bevölkerung verspielt. Wollen sie es zurückgewinnen, müssen sie ihr bisheriges Betriebsmodell grundlegend überdenken.
Willkommen im sanften Despotismus des Nanny State
Wenn sich immer weniger Menschen zuständig fühlen, gerät das Verhältnis zwischen Bürger, Gesellschaft und Staat in Bewegung – mit spürbaren Folgen für Vertrauen, Gemeinsinn und die staatliche Ordnung.
Es lohnt sich, den Bürgern etwas zuzutrauen – sie danken es mit Vertrauen
Die direkte Demokratie ist ein Instrument des Misstrauens, das Vertrauen fördert. Doch das ist nicht in Stein gemeisselt. Das Verhältnis zwischen Bürgern und dem politischen Establishment ist auch in der Schweiz getrübt.
Der Journalismus muss raus aus der Echokammer
Etablierte Medien stecken in einer Vertrauenskrise. Wer dafür den «Fake News» im Internet die Schuld gibt, macht es sich zu einfach.
«Wer offiziellen Quellen misstraut, ist noch kein Verschwörungstheoretiker»
Leitmedien manipulieren ihr Publikum durch gezieltes Weglassen, sagt YouTuber Daniel Stricker. Sozialwissenschafter Marko Kovic hält dagegen: Misstrauen wird auch bewusst geschürt. Im Gespräch ringen sie um die Frage, worauf wir überhaupt noch vertrauen können.
Alle Wissenschaft ist vorläufig – und doch wertvoller als Aberglaube
Erkenntnis und Fortschritt basieren auf institutionalisiertem Misstrauen. Die Wissenschaft ist keine Wahrheitsinstanz, sondern eine Institution, in welcher der Konkurrenzgeist lebt.
Die Menschen verlieren Hab und Gut, die Korrupten werden reich: Was die Hyperinflation mit einer Gesellschaft macht
Ich habe die Hyperinflation in Venezuela überlebt. Wenn Geld seine Funktion verliert, verarmen die Menschen nicht nur materiell.
Vertrauen ist keine Belohnung, sondern Voraussetzung für Leistung
Viele Chefs sprechen von Vertrauen, wollen aber alles kontrollieren. Sie vergessen, dass Angestellte mehr sind als Rädchen in einer Maschine: Sie brauchen Freiräume – dann übernehmen sie auch Verantwortung.
Die Digitalisierung pervertiert das menschliche Vertrauen
Die künstliche Intelligenz schadet unserer Psyche und zerstört das Fundament unserer Gesellschaft.
Kostenlos – aber nicht umsonst
Was Google gratis anbietet, bezahlen wir mit Autonomie. Statt den Tech-Giganten blind zu vertrauen, sollten wir ihre Macht einhegen.
Gustav Hasler vertraute seinen Mitarbeitern wie seinen Kletterpartnern – und wurde dafür belohnt
Sowohl beim Klettern als auch im Wirtschaftsleben ist Vertrauen grundlegend. Der Unternehmer Gustav Hasler erbrachte in beiden Bereichen Höchstleistungen.
Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern Verantwortung geben – gerade in Zeiten künstlicher Intelligenz
Viele Firmen sehen KI vor allem als Mittel zur Effizienzsteigerung. Damit untergraben sie das Vertrauen ihrer Angestellten, statt ihr Potenzial zu nutzen.
Es braucht auch heute Gottvertrauen!
Gott ist in unseren stetig säkularer werdenden Gesellschaften «out». Religion erscheint als Relikt längst vergangener Zeiten. Die Zahl der Kirchenmitglieder dezimiert sich rapide – in Deutschland ebenso wie in der Schweiz. Vertraut wird in Selbstoptimierung, vielleicht in politisch Verantwortliche, in Institutionen oder auch in die Kraft von Demokratie und Kultur. Manche
Trust is a Law of Nature
Before trust became a civic virtue, it was a biological need. Every living thing survives by betting that the world will behave in intelligible ways.
A Wave of Digital Distrust Is Sweeping Representative Democracy
Elites have lost the trust of the public. To regain it, they need to change their operating model.
Large Lying Models: How Digitalization Weakens Trust
Artificial intelligence is harming our mental health and is eroding the foundations of our societies. These outcomes are not inevitable – they are shaped by incentives. It’s time to change them.
Dossier
Wer versteht, hasst nicht, denn Hass entsteht durch Unwissen
Hass hat es schon immer gegeben. Fortschritt hingegen gab es erst, als die Rede frei wurde. Kränkungen zum rechtlichen Massstab zu erheben, ist intellektueller Protektionismus.
Lob der Andersdenkenden
Meinungsfreiheit ist Voraussetzung für Erkenntnisfortschritt. Inzwischen ist sie jedoch selbst zum ideologischen Schwert in der Streitarena geworden.
«Wenn man keine Angst vor dem hat, was man sagt, sagt man wahrscheinlich nichts wirklich Wichtiges»
Michael Shellenberger prangert immer wieder die Zensur in den USA an. Noch grössere Sorgen bereitet ihm die Entwicklung in der EU.
Die Sprachpolizei hilft Minderheiten nicht – im Gegenteil
Einschränkungen der Meinungsfreiheit werden oft mit den Empfindlichkeiten bestimmter Gruppen gerechtfertigt. Das verengt den öffentlichen Diskurs – und schadet am Ende gerade jenen, die geschützt werden sollen.
Das Jüngste Gericht ist beim Staat schlecht aufgehoben
Die Geschichte zeigt: Wenn Religion und Staatsmacht sich verbünden, ist die Meinungsfreiheit in Gefahr. Das sollten wir uns heute in Erinnerung rufen, da wieder «Irrtümer» mit gesetzlichen Mitteln bekämpft werden.
Die Meinungsfreiheit ist der Schutzschild der Bürger gegen die Mächtigen – doch diese werden immer dünnhäutiger
In Deutschland kann jeder sagen, was er will – bis die Polizei morgens um sechs an der Tür klingelt. Politiker schüchtern Bürger ein, die ihre Meinung sagen – und spannen ganze Armeen von NGO für ihre Zwecke ein.
Freie Rede ist nichts für Weicheier
Niemand habe das Recht zu gehorchen, formulierte einst die grosse Hannah Arendt. Es ist viel einfacher, zu schweigen und nicht aufzufallen im Meer der Konformisten des amtierenden Zeitgeistes. Zuerst stirbt immer der Mut und dann die Freiheit.
Die Nacht der weissen Blätter
In China herrscht formell Meinungsfreiheit – allerdings nur, solange sie die Macht der Kommunistischen Partei nicht in Frage stellt. Kritik dient vor allem dazu, der Führung zu signalisieren, wo Handlungsbedarf besteht.
Widerspruch statt Zensur – mit Gegenrede digitalen Hass bekämpfen
Hassrede im Internet durch das Löschen von Inhalten und Ausschliessen von Personen zu bekämpfen, ist ineffektiv. Besser und liberaler ist es, Hass direkt zu konfrontieren.
Aktuelle Debatten
Im Paradies für Querulanten
Ohne Lehrerdiplom stand ich vor Problemklassen. Ich meisterte die Aufgabe dank gesundem Menschenverstand, Wohlwollen – und meiner Grenadierausbildung.
«Die Behauptung, der Liberalismus untergrabe seine eigenen Voraussetzungen, ist ein Märchen»
Antiliberale Bewegungen gewinnen an Kraft, auch in offenen Gesellschaften. «Der Liberalismus muss seine Prinzipien in jeder Generation neu erklären – sonst verliert er seine Anziehungskraft», sagt Cass Sunstein.
Barbaren schlagen die Notenbanker
Die Goldwährung Tremissis trotzte dem Untergang des Römischen Reiches und war vierhundert Jahre lang ein Anker der Stabilität. Dagegen wirken heutige Geldpolitiker wie Falschmünzer.
Das Parlament sollte die EU-Verträge dem Ständemehr unterstellen
Das Vertragspaket hat massive Auswirkungen auf die schweizerische Demokratie. Daher ist das obligatorische Referendum nicht nur möglich – es ist gemäss bisheriger Praxis sogar angezeigt.
Der Jura als Ideenlabor für die Schweiz
Dank Sonderzonen erhalten Gebiete mehr Selbstbestimmung und können mit neuen Lösungen experimentieren. Dieses Modell eignet sich nicht nur für Entwicklungsländer, sondern auch – und gerade – für die Schweiz.
The Betrayal of Trust: Why Gmail is Not a Public Service
We trust email providers like postal services, but Google scans, stores, analyzes, and manipulates our messages. In an age of invisible algorithms, how do we rebuild a digital world where "free" doesn't mean surrendering our privacy?
“To say that liberalism eats at tradition is a fairy tale”
Anti-liberal movements are gaining strength, including within open societies. Cass Sunstein explains why liberalism must be more than an ideology, why freedom requires “freedom from fear,” and where its greatest dangers now lie.
Cómo sobreviví a la hiperinflación de Venezuela
Viví el derrumbe de una moneda y con ella el de una sociedad entera. Cuando el dinero deja de cumplir su función, no solo se empobrecen los bolsillos, también se erosiona el carácter y la convivencia.