Ausgabe 1100 - Oktober 2022
Die Überempfindlichen: John Cleese trotzt der neuen Humorlosigkeit.
In dieser Ausgabe
Schwerpunkt
Strategien, um 2023 zu gewinnen
Die Schweizer Parlamentswahlen sind noch ein Jahr entfernt. Also wird es für die Parteien Zeit, Kampagnen vorzubereiten, um ihren Wähleranteil zu vergrössern. Wie das gelingen könnte.
Die Schweiz wirkt polarisierter, als sie ist
Die direkte Demokratie legt gesellschaftliche Konflikte offen. Gleichzeitig wirkt sie integrativ, weil sich bei Sachfragen wechselnde Mehrheiten bilden.
Langsamer Abschied vom Sonderfall
Die Schweizer Volksrechte sind die radikalste Form der Demokratie und haben uns das langweiligste Regierungssystem der Welt beschert. Das auf Konsens ausgerichtete Modell stösst jedoch an Grenzen.
Dossier
Die Explosion der Möglichkeiten
Seit dem 19. Jahrhundert haben uns Verkehrsmittel immer grössere Räume zugänglich gemacht. Das brachte den Menschen mehr Autonomie, aber auch neue Zwänge.
Wie werden Fahrzeuge in Zukunft angetrieben?
Elektroautos, Hybride, Fahrzeuge mit Brennstoffzellen oder Verbrenner mit synthetischen Treibstoffen haben spezifische Vor- und Nachteile. Im Transportsystem der Zukunft könnten die unterschiedlichen Antriebe gewinnbringend zusammenspielen.
Europa muss bessere Batterien bauen
Batterien trüben die Umweltbilanz der Elektroautos. Die europäische Industrie sollte auf die Überholspur wechseln – auch aus geopolitischen Überlegungen.
Auch bei der Mobilität sollte das Verursacherprinzip gelten
Transport Pricing kann das Verkehrsproblem lösen. Das Individuum entscheidet weiterhin, neu aber aufgrund vom Staat korrigierter Preise. Die Umsetzung ist allerdings nicht trivial.
«Strassen sind die Adern der Wirtschaft»
Albert Rösti, Nationalrat und Präsident von Auto-Schweiz, kämpft für Technologieoffenheit und gegen ein Verbot von Verbrennungsmotoren. Dass Städte für die Autos zugänglich bleiben, sei wichtig für die Kohäsion der Schweiz.
Vermisst: Eine offensive urbane Verkehrspolitik der Bürgerlichen
Nur Parkplätze verteidigen reicht nicht: Die bürgerlichen Parteien müssen in der städtischen Verkehrspolitik auf Innovationen setzen – zum Beispiel Park&Ride-Angebote oder Private-Public-Partnerships bei Grossprojekten.
Der Strommangel versperrt den E-Autos den Weg
Wird der Stromengpass nicht entschärft, kann der Individualverkehr nicht auf Elektro umsteigen. Die Schweiz muss wieder über Atomenergie diskutieren.
Der Verkehr verlagert sich auf die Datenautobahn
Die Verkehrsinfrastruktur wird immer stärker von der Kommunikationsinfrastruktur entlastet. Die Mobilität der Zukunft wird von Software beherrscht und angetrieben werden.
Verantwortung gehört zum Freiheitsgefühl
Autofahren ermöglicht Selbstbestimmung, Komfort und Lebensqualität. Fahrer müssen allerdings bewusst steuern, denn Fahrzeuge können auch gefährlich sein.
Aktuelle Debatten
«Die BBC hat sich völlig verrannt»
Die Standards der Hypersensitiven allen anderen aufzuzwingen, sei lächerlich, sagt John Cleese. Die Monty-Python-Legende erklärt, warum er um seinen Job fürchtet und weshalb die Briten den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben.
«I’m all for diversity, but not at the expense of talent»
Letting the hypersensitive impose their standards on everyone else is ridiculous, says John Cleese. The comedian explains why the British won World War II and why the BBC has lost its way.
Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung
Unsere Spezies hält sich für fürchterlich wichtig. Naturwissenschaftlich sind wir jedoch nicht annähernd so bedeutend, wie wir es uns einreden.
«Die Umsetzung schlechter Wissenschaft hat enorme Konsequenzen»
Ökonomen sollten weniger wie Physiker und mehr wie Handwerker arbeiten, sagt der Nobelpreisträger Abhijit Banerjee. Sie könnten zur Lösung der globalen Probleme beitragen – allerdings müssten sie zunächst das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückgewinnen.
Das 51. Gremium soll es richten? Die im Nachgang der Pandemie vorgeschlagenen Föderalismusreformen sind der falsche Weg
In der Coronakrise harzte die Koordination zwischen Bund und Kantonen zuweilen. Deshalb ein neues Exekutivgremium zu schaffen, ist allerdings eine schlechte Idee.
Weitere Beiträge
Blattkritik über die Oktober-Ausgabe
Die Oktober-Ausgabe des «Schweizer Monat» wird von Gioia Porlezza beurteilt.
Editorial
«Selbst ein einziges Individuum kann absolut und total nur beherrscht werden, wenn die gesamte Erde unter totalitärer Herrschaft steht.» Hannah Arendt, in «Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft», S. 821 Eine Welt, wie sie George Orwell in «1984» ausgemalt hat, ist also noch weit weg. Hat man jedoch das Pech, auf
«Ich denke, dass Wissen und Wahrheit das Ziel universitärer Forschung sind und bleiben sollten»
Die Philosophin Sally Haslanger arbeitet zu Konzepten, die auch in identitätspolitischen Debatten eine grosse Rolle spielen. Die MIT-Professorin ordnet deren unkritischen Gebrauch ein, findet aber nicht, dass das gesamte postmoderne Denken über Bord geworfen werden sollte.
Free unteres Kleinbasel!
In freiheitlichen Staaten sollten demokratisch gut abgestützte Sezessionen grundsätzlich möglich sein.
Nation der Zeigefinger
Es scheint zum Volkssport zu werden, moralische Verfehlungen anzuprangern.
Zahl des Monats
39 Prozentpunkte wahrscheinlicher war in einem beliebigen Jahr vom 15. bis ins 20. Jahrhundert die Beteiligung eines Landes an einer kriegerischen Auseinandersetzung, wenn im jeweiligen Jahr eine Königin das Land führte und nicht ein König. Zu diesem Ergebnis kommt ein im Jahr 2020 erschienener Artikel in der renommierten Fachzeitschrift
Die «Entlastung» der Bürger ist ein Taschenspielertrick
Regierungen ködern die Bevölkerung mit Milliardenausgaben – und verschweigen, wer dafür bezahlen wird.
Einheitsmeinung bei SRF
Martin Hasler: Im Hexenkessel der Bundeshaus-Medien. Tagebuch eines Insiders.
Gutscheine gegen Lehrermangel
Staatlich gelenkte Märkte kommen leicht aus dem Gleichgewicht.
Die unmögliche Frisur
Wie Sie erreichen, dass der Coiffeur nie wieder ein Gespräch mit Ihnen führen will.
The End of… Graubereich
In den westlichen Gesellschaften nimmt eine ungute Entwicklung Fahrt auf: das Verschwinden des Graubereiches. Die liberale Demokratie ist das einzige politische Modell, das auf Graubereiche angewiesen ist. Denn einer der Grundpfeiler des Liberalismus ist die Eigenverantwortung und damit die Idee, dass nicht alles geregelt und bestimmt werden muss. Vielmehr sollen