Ausgabe 1089 - September 2021
Wir brauchen die Liebe zur Freiheit: Und die Grosszügigkeit, sie dem anderen zuzugestehen. Ein Gespräch mit Christian Lindner. Niall Ferguson: Was von Corona bleibt.
In dieser Ausgabe
Schwerpunkt
Die Pandemie des Protektionismus
Der multilaterale, offene Welthandel steht unter Druck. Die Vorteile des Freihandels überwiegen jedoch gerade auch in der Coronakrise.
«Der Freihandel hat nicht versagt, im Gegenteil»
In der Pandemie konnte die Weltwirtschaft ihre Stärken ausspielen, sagt der Zürcher Ökonom. Doch die Globalisierung schafft auch Nettoverlierer.
Der Kampf um die Zollbefreiung des Bonsais
Freihandelsabkommen bringen für sich allein noch nichts. Die Wettbewerbsvorteile müssen von den Unternehmen auch genutzt werden.
Ohne Umwelt kein Freihandel
Das hauchdünne Ja des Schweizer Stimmvolks zum Abkommen mit Indonesien deutet auf eine wachsende Skepsis gegenüber dem Freihandel hin. Bei der Aushandlung neuer Verträge müssen ökologische Bedenken berücksichtigt werden.
Dossier
Der Preis der Nachhaltigkeit
In der Theorie funktioniert die Einpreisung externer Effekte wunderbar. Ihre praktische Umsetzung stösst jedoch oft auf Widerstand.
Die Ich-Du-Er-Sie-Es-Wir-Gruppe
Im Laufe der Geschichte der Menschheit haben sich die Solidaritätsgruppen stetig ausgeweitet. Nur so wurde die Verantwortlichkeit für eine erweiterte Umwelt zum Thema.
Armut beseitigen, Umwelt schützen
Reiche Nationen sollten die Industrialisierung armer Nationen vorantreiben. Denn Leben in Armut ist nicht nachhaltig, sondern umweltschädigend.
Wie eine liberale Klimapolitik aussieht
Das gescheiterte CO2-Gesetz hat marktwirtschaftliche Grundsätze zu wenig berücksichtigt. Ein neuer Vorschlag muss auf Effizienz, internationale Kooperation und Technologieoffenheit setzen.
Wirtschaften für die nächste Generation
Seit Jahrhunderten nutzen in der Schweiz lokale Organisationen kollektive Ressourcen wie Wälder und Alpweiden. Deren Erhalt ist ein ständiger Balanceakt zwischen Natur, Gesellschaft und Ökonomie.
«Der Aufruf zu Verzicht ist falsch»
Bei einem Mittagessen erklärt Agrarökonomin Priska Baur, was Nachhaltigkeit bei der Ernährung heisst. Und räumt dabei mit einigen Mythen auf.
Jenseits von Ballenberg
Mit Bioanbau lassen sich umweltfreundliche Lebensmittel produzieren. Um eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, darf sich eine ökologische Landwirtschaft jedoch technologischer Innovation bei Indoor-Produktion und Gen-Editierung nicht verschliessen.
Das Bauen der Zukunft ist zirkulär
Gebäude verbrauchen unnötig viele Ressourcen. Das lässt sich verhindern, wenn wir unsere Sicht auf Bauprozess und -materialien radikal ändern.
Aktuelle Debatten
«Das Streben nach absoluter Sicherheit bedeutet minimale Freiheit»
Die Pandemie droht das etatistische Denken weiter zu befördern, sagt der Chef der deutschen FDP. Trotzdem sieht er die Aussichten für eine bürgerlich geprägte Regierung besser als vor vier Jahren.
Corona fordert seinen Tribut
Wie eine mittelschwere Katastrophe unser Leben umfassend und dauerhaft verändern könnte.
Die christliche Ehe darf dem Staat egal sein
Nicht erst seit der Debatte um die «Ehe für alle» wirkt die Verbindung zwischen kirchlicher und ziviler Ehe in der säkularisierten Gesellschaft zunehmend anachronistisch. Zeit, sie aufzulösen.
«Mein Körper gehört mir!» gilt nicht mehr
Mit mehr Freiheit für Geimpfte und dem Appell an gesellschaftliche Solidarität wird das Recht auf Selbstbestimmung beim Corona-Impfentscheid ausgehebelt.
Schwyz ist mehr als «Bauern» und «Bonzen»
Im Kanton Schwyz leben nicht nur abgehobene Reiche und rückständige Ureinwohner, sondern eine gut durchmischte, moderne Bevölkerung. Auch gibt es keine Schwyzer Lebenslüge, wie kürzlich im «Schweizer Monat» klischeehaft behauptet wurde.
Sagen Sie Ja, damit ich Ja sagen kann
Für die meisten Menschen ist das Heiraten eine Selbstverständlichkeit. Nicht aber für homosexuelle Paare. Sie sind von der Ehe ausgeschlossen. Am 26. September könnte sich das an der Urne ändern.
Weitere Beiträge
«Wer jedes Risiko ausschliesst, dementiert auch jede Chance»
Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP, plädiert vor der Bundestagswahl 2021 für mehr Freude am Erfinden statt am Verbieten. Zum gescheiterten Rahmenvertrag mit der Schweiz sagt er: Brüssel sollte nicht nachtreten.
Editorial
«Paul?» «Mama!» «Ich glaube, dein Besuch möchte sich verabschieden.» Aus dem Film «Ödipussi» von Loriot (1988). Der Staat verhält sich mehr und mehr wie die überfürsorgliche Mutter eines kerngesunden Teenagers. Obwohl dieser von Coronaviren nachweislich kaum betroffen ist, will sie ihn zu Hause einsperren, lässt ihn nicht tanzen gehen, verbietet
Feindbild Minderheiten
Wie mit der «99-Prozent-Initiative» der Jungsozialisten der Minderheit geschadet anstatt der Mehrheit genützt wird.
Tausendsassa der Moderne
Sophie Taeuber-Arp zierte lange die 50-Franken-Note. Die Alleskönnerin malte, zeichnete, gestaltete, lehrte, gründete eine Avantgarde-Zeitschrift, entwarf mit Leichtigkeit Häuser wie Bekleidung – und noch viel mehr.
Aufgetaute Mammuts
Die Wirtschaft einzufrieren und nach der Coronakrise wieder aufzutauen funktioniert nicht.
Weit mehr als die drei Schlüssel
Warja Lavater, die international geschätzte Grafikerin, prägte mit ihren Werken US-Verlage und französische Schulen. Ihre Schlüssel zieren das UBS-Logo. Im Alter überraschte sie durch die Trennung von ihrem Künstler-Ehemann Gottfried Honegger. Nun wird sie wiederentdeckt.
Die solitäre Kreative
Innovativ, vorwärtsgewandt und eklektisch: Erna Yoshida Blenk erarbeitete zwischen Zürich und Tokio ein malerisches und gestalterisches Werk. Ihre damals völlig neuartigen Anleihen an ostasiatischen Stilen machten sie zu einer Ausnahmeerscheinung, die Kategorien sprengte.
The End of… Downtown Switzerland
Wenn sich der «Stadt-Land-Graben» weiter vertieft, wenn Fakten im «postfaktischen Zeitalter» noch stärker entwertet werden und wenn die Staatsquote der Schweiz weiter anwächst, dann wird Zürich keinen Sinn mehr sehen in einer Mitgliedschaft innerhalb einer stagnierenden Eidgenossenschaft, einer Schweiz voller staatsnaher Betriebe, Wissenschaftsskeptikern und Wenigverdienern. Der Kanton, der
Der kleine Gauss lässt einem keine Ruhe
Das mathematische Genie von Carl Friedrich Gauss offenbarte sich bereits in seiner Schulzeit.