Ausgabe 930 - Dezember 2003
Demokratie - Staatsform der Zukunft?: Graphiken Robert Müller (1920-2003)
In dieser Ausgabe
Dossier
Gibt es eine Alternative zur Konkordanz?
Das Mehrparteiensystem im Problemstau Das Schweizerische Konkordanzprinzip wurde im Podiumsgespräch mit unterschied- lichen Argumenten als zwingendes Pendant zur Referendumsdemokratie verteidigt. In der Plenardiskussion gab es allerdings bedenkenswerte Einwände.
Wirtschaftsdemokratie
Selbstbestimmung geht vor Mitbestimmung. Politische Eingriffe in die Wirtschaft folgen dem Prinzip «one person – one vote». Wirtschaftliche Entscheidungen sollten jedoch auf Risikoübernahme statt auf Mehrheit basieren.
Demokratie und Kultur
Wie geeignet ist Demokratie für Entwicklungsländer? Die europäisch geprägten Vorstellungen über Demokratie lassen sich nicht unbesehen auf der ganzen Welt umsetzen. Unterschiedliche Demokratieverständnisse können jedoch auch ein positives Phänomen darstellen, das allseitige Lernprozesse ermöglicht.
Demokratie entgrenzen?
Die Globalisierung als Herausforderung der Demokratie Globalisierung als Resultat einer fortschreitenden Liberalisierung des Welthandels stellt die Grundfrage nach dem Verhältnis von Wirtschaft und Politik und bleibt daher im Spannungsfeld von Markt und Demokratie kontrovers.
Unterwegs zur Mediokratie
Vom Staatsbürger zum Medienkonsumenten Einig war man sich in der Forderung nach einer Reregulierung des Verhältnisses zwischen Politik, Medien und Ökonomie. Diese soll mehr Transparenz, Anreize zur Selbstreflexion und Selbstregulierung sowie zur Qualitätssteigerung zum Ziel haben.
Innovationen im politischen Prozess
Neue Formen demokratischer Beteiligung Zwei Reformvorschläge lösten starke Kontroversen aus: Die Ersetzung der Konkordanz durch Alternanz auf Regierungsebene und die Deregulierung der Politik durch offene Märkte für politische Mandatsträger.
Demokratie und interkulturelles Lernen
Probleme und Lösungsansätze in Afrika Demokratie als etwas historisch Gewachsenes kann nicht unbesehen auf andere Strukturen übertragen werden. In den Kulturen Afrikas gibt es gute Ansätze zur Mitbeteiligung, die bisher noch zu wenig Beachtung gefunden haben.
Aus den Erfahrungen eines Zeitzeugen
Von der kommunistischen Diktatur zur modernen Demokratie Die Erfahrungen aus der kommunistischen Zeit sind für die politische Entwicklung Polens nach 1989 wesentlich. Erst der Nato- und EU-Beitritt vermitteln jenes Gefühl der Sicherheit und Normalität, das die Basis einer Demokratie bildet.
Aktuelle Herausforderung der Demokratie
Schwindendes Systemvertrauen Jede Demokratie steht im Spannungsfeld von Ideal und Wirklichkeit. Prozesse wie Inter- nationalisierung, Individualisierung und Anspruchsinflation führen zu Polarisierungstendenzen und fordern die Zivilgesellschaft heraus, einen neuen Konsens zu finden.
Demokratie – Staatsform der Zukunft?
Berichte über ein Kolloquium des Vereins Zivilgesellschaft
Demokratie – kein Dogma
«Demokratie, das ist, wenn zwei Wölfe und ein Schaf über die nächste Mahlzeit abstimmen. Freiheit, das ist, wenn das Schaf bewaffnet ist und die Abstimmung anficht.» Dieser Aphorismus stammt von Benjamin Franklin, der gewiss kein Antidemokrat war, aber ein Freund der Freiheit mit viel Menschenkenntnis und mit grosser politischer Erfahrung
Aktuelle Debatten
Die Post im Würgegriff des Service Public
Von links bis rechts wird der Liberalisierung die Luft abgedrückt
Die «Genfer Erklärung» zu Israel und Palästina
Medienspektakel oder Weg aus der Sackgasse? Die medienwirksame Präsentation der sogenannten «Genfer Erklärung» durch die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey kann nicht darüber hinweg täuschen, dass das Dokument relativ wenig zur Problemlösung beiträgt.
Produktivität und Arbeitsteilung
Anpassen, investieren oder untergehen Der Markt kennt keine Richtlinien für sinnvolle oder weniger sinnvolle Verrichtungen und Produkte. Dementsprechend unvoreingenommen müssen auch Betrachtungen über die Produktivität und deren Wachstum sein.
Sichere Renten: List, Lüge, Täuschung
Das Geschäft mit populären Illusionen List, Lüge oder Täuschung sind als Rechtsbruch kaum je dingfest zu machen. Übertreibung und Fehlwahrnehmung gehören zum Wesen der Politik, die mit dem Ungewissen ringt und in einer Demokratie auf die Zustimmung durch Mehrheiten angewiesen ist.
Konstanten der Schweizer Politik
Wer heute beispielsweise ein Berufsparlament postuliert, ein System «von Regierung und Opposition» anstrebt, oder die Direkte Demokratie als Störfaktor einer sogenannten «zielstrebigen Staatsführung» anficht, tut dies in Missachtung von vier Konstanten, die die Identität unseres Regierungssystems bestimmen. Das Milizprinzip geht davon aus, dass die Mitglieder der Eidgenössischen Räte neben der
Weitere Beiträge
Philosophische Grundbegriffe 2
Auch bei der Philosophie, die gerne als Orientierungswissenschaft verstanden wird, besteht Bedarf nach Auskunft. In seinem vor zehn Jahren erstmals erschienenen Buch «Philosophische Grundbegriffe» unternimmt es Rafael Ferber, «Studierenden und interessierten Laien» nahe zu bringen, womit sich die Philosophie beschäftigt und welches ihre Methoden sind. Seine Einführung in sechs zentrale
Späte Annäherung des europäischen Blicks
Georgia O’Keeffe im Kunsthaus Zürich Europa tat sich lange Zeit schwer mit Georgia O´Keeffe. Man hatte vor allem Poster mit dekorativen Blumenmotiven und plakativen sexuellen Anspielungen vor Augen. Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich gibt eine lang vermisste Chance für einen neuen Blick.
Sprachenvielfalt in der «Svizzera italiana»
Offenheit und Abgrenzung vom Mittelalter bis heute In der viersprachigen Schweiz gibt es auch innerhalb der Sprachgebiete eine Vielfalt von Dialektvarianten. Der Autor fasst die wichtigsten Erkenntnisse einer Monographie über die Geschichte und den aktuellen Stand der Entwicklung zusammen.
Die parasitäre Dichtung J.M. Coetzees
Coetzee erzählt Geschichten über bereits erzählte Geschichten statt die Realität nachzuahmen. Damit gelingt es ihm, die menschliche Teilhaftigkeit an der Vielfalt des Daseins in überrumpelnder Weise zu porträtieren, so die Schwedische Akademie.
Zwischen Eros und Kultur
Zum Tod des Künstlers Robert Müller Im Oktober dieses Jahres starb Robert Müller, Plastiker, Zeichner und Bildhauer von europäischem Rang. Sein künstlerisches Werk wurde von freudiger Zügellosigkeit inspiriert: die Fortsetzung des Liebesakts mit «zarten Messern».
Andere Filme anders zeigen
Ein Interview mit Andreas Furler und Martin Girod. Das 1948 von Bauhausschüler Roman Clemens erbaute «Studio 4» in Zürich gilt als architektonisch bedeutendstes Kino seiner Zeit. Nach Renovierung feierte es Dezember 2003 Wiedereröffnung. Wir sprachen mit den Leitern des städtischen «Filmpodiums».