Ausgabe 929 - November 2003
Fehlkonzept Rechtschreibreform
In dieser Ausgabe
Dossier
Die Schule braucht verbindliche Regeln
Ein Interview mit Hans Ulrich Stöckling Robert Nef und Stefan Stirnemann konfrontieren den Vorsitzenden der Schweizer Delegation mit den Schwächen der Reform und stellen die Frage nach dem weiteren Vorgehen in der Schweiz.
Der Höcker der Rechtschreibreform
Wer einmal versucht hat, seinem PC die kleine Wortgruppe «Agnus Dei» einzutippen, erfährt, wozu ein Rechtschreibprogramm (nicht) fähig ist. «Agnus Die» muß der Satz der katholischen Messe heißen. Da ich den Knopfdruck nicht beherrsche, mit dem man dem Gerät zumuten kann, auch vermeintlichen Unsinn stehen zu lassen, muß ich es
Wirtschaftsethik – erzwungen oder selbstreguliert?
Von der Gefahr, alles regeln zu wollen Wer alles regeln will, zahlt einen hohen Preis. Der Preis für eine rechtlich verordnete Ethik ist letztlich eine totalitäre Gesellschaft, die durch eine lückenlose Kontrolle und harte Sanktionenihr ganzes Zwangsgebäude zu schützen versucht.
Die Fehler der Rechtschreibreform
Eine Kommission ohne Fachkompetenz, Geheimhaltung, übereilte Einführung und unzureichende Finanzierung kennzeichnen die Verfahrensfehler. Dazu kommt die Missachtung von Sprachgeschichte und Sprachgebrauch bei der Rechtschreibreform.
Die Sprachgemeinschaft, nicht die Politik
Die Frage der Zuständigkeit Orthographie ist historisch gewachsen. Die von Wissenschaftern ohne Not und gegen den Sprachgebrauch konstruierte Reform ist inkonsistent und wurde von Politikern ohne Sachkunde überstürzt eingeführt. Noch ist es nicht zu spät für einen Verzicht.
Sprache als Biotop
Ein Interview mit Daniel Thürer Robert Nef und Stefan Stirnemann stellen Fragen zum staats- und völkerrechtlichen Stellenwert der Reform im Vergleich mit Deutschland und zum Nebeneinander verschiedener Schreibweisen in der Schweiz.
Ralf Dahrendorf, «Auf der Suche nach einer neuen Ordnung»
Vorlesungen zur Politik der Freiheit im 21. Jahrhundert
Die erfolgreich depolitisierte Rechtschreibreform
Die Diskussion muss wieder politisch werden
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Reform
Die neuen Regeln: für Zeitungsleser eine Tortur
Die durchtrennte Ligatur
Die Schweiz verzichtete vor dem Zweiten Weltkrieg auf das ss in der Rechtschreibung. Bei der späteren fragwürdigen Rechtschreibreform zeigten offizielle Stellen wenig Widerstand, obwohl über 90 Prozent der Deutschschweizer dagegen waren.
Es sei denn mit Macht, die keine Argumente kennt
Die Reformbefürworter disqualifizieren Kritiker, statt fundierte Argumente zu liefern. Besorgte Lehrerinnen und Lehrer, die keine Erleichterung durch die Reform spüren, werden nicht überzeugend beruhigt.
Die Rechtschreibkrise und ihre Lösung
Die Rechtschreibreform kann weder beibehalten noch gerettet werden. Eine Rückkehr zum alten Duden ist nicht empfehlenswert. Der Autor gibt Tipps für einen Weg nach vorne.
Freiheit statt knechtende Sprachmeisterei
Eduard Engel, zitiert aus: «Deutsche Stilkunst», Dreissigste, umgearbeitete und vermehrte Auflage 1922, S. 97 f.
Weitere Beiträge
Was heisst: Etwas ist gegeben?
Jean-Luc Marions Philosophie, im deutschsprachigen Raum noch unbekannt, untersucht Erscheinungen an sich. Im Gegensatz zu Naturwissenschaften fokussiert Marion auf das Erleben von Erscheinungen und betont die passive, empfangende Rolle des erkennenden Individuums.
Und wir verloren die Sprache…
Schriftsteller im Exil Die Sprache ist Bestandteil der kulturellen Identität. Autoren im Exil wird dies oft schmerzlich bewusst. Das Erlebnis des Fremdseins kann die Produktivität lähmen oder anregen. Nur bei Wenigen hat es auch zu einer Neudefinition der Identität geführt.
Wider die Enteignung der Sprache
Ob man jetzt «Gemse» oder «Gämse», «rau» oder «rauh» schreibt, ist auf den ersten Blick wirklich keine weltbewegende Entscheidung. Die Frage, ob es einen Sinn habe, überlieferte Schreibkonventionen durch ungewohnte Neuerungen zu ersetzen, ist aber bereits ziemlich grundsätzlicher Art. Noch zentraler ist die Frage, ob es denn Aufgabe des Staates