Irren ist menschlich, und Journalisten sind auch nur Menschen. Dennoch erstaunt, wie regelmässig man in den Medien auf die gleichen Fehler stösst. Etwa bei Grössenordnungen: Wenn das Schweizer Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur noch 700 Millionen Franken gross ist oder die Menschen hierzulande im Durchschnitt nur noch 2000 Kalorien pro Tag zu sich nehmen, ist Skepsis angebracht. Das Schweizer BIP beträgt zurzeit rund 700 Milliarden Franken pro Jahr – und nicht 700 Millionen, wie man zuweilen liest. Das macht schon eine kurze Überschlagsrechnung klar: 700 Millionen Franken geteilt durch mehr als 8 Millionen Einwohner gäbe weniger als 100 Franken pro Person – das würde wenigstens den tiefen Kalorienverbrauch erklären. Was diesen betrifft: Der Mensch braucht pro Tag ungefähr 2000 Kilokalorien. Wer von 2000 Kalorien spricht, vertut sich also auch hier um den Faktor Tausend. Aber Vorsicht: In den USA gibt es neben der Einheit cal für Kalorien auch das Cal für Kilokalorien. Dort sind 2000 Cal in der Tat 2000 Kilokalorien bei uns. Eine Tafel Schokolade hat etwa 500 Kilokalorien, deckt also einen Viertel des täglichen Kalorienbedarfs. Zur Einordnung: Um das wieder loszuwerden, müssen Sie eine volle Stunde Fussballspielen. Und um die Frage, die Sie sich jetzt stellen, zu beantworten: Der Energieverbrauch dieser Tätigkeit ist leider relativ gering. Nebenbei: Die Einheit Kalorie ist veraltet. Heute rechnet man mit Joule (J). 1 Kalorie ist die Energie, die benötigt wird, um 1 Gramm Wasser um 1 Grad zu erwärmen. Darunter kann man sich zugegebenermassen wenig vorstellen, wenn es um den Energiegehalt von Lebensmitteln geht, was wohl erklärt, dass Journalisten hier immer wieder danebenhauen. Eine andere Quelle von Fehlern, wenn es um Grössenordnungen geht, sind Übersetzungen aus dem Englischen. Im Deutschen ist der Fall klar: Wenn wir von Million zu Milliarde, Billion, Billiarde und Trillion springen, dann rechnen wir immer mal 1000. Bei den Amerikanern und Briten hingegen ist eine «billion» gleich unserer Milliarde und eine «trillion» entspricht unserer Billion. Das erklärt beispielsweise, warum Medien zuweilen erstaunt berichten, Google sei 400 Billionen Dollar wert.
Grössenordnungen sind Glückssache
Besonders wenn Übersetzungen im Spiel sind.
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