Zwischen der Realität und ihrer Darstellung klafft ein immer grösserer Graben –neudeutsch: ein immer tieferer Gap. Während die meisten Medien über den ungezügelten Markt herziehen und Sozialabbau beklagen, nehmen marktwirtschaftliche Freiräume laufend ab und wächst der Wohlfahrtsstaat in einem fort, Jahr für Jahr. Der kritische Zeitgenosse ist geneigt zu fragen: Wo bitte geht’s zum Markt?Viele spüren die Enge. Dennoch hat, wer den Verlust an Eigenständigkeit und Selbstbestimmung fassen will, erst einmal wenig Referenzen zur Hand. Und er muss den Mut haben, sich den kursierenden Narrativen zu entziehen bzw. entgegenzustellen.Peter Sloterdijk hat für Staaten, deren Fiskalquote die Marke von 50 Prozent des Bruttoinlands-produkts erreicht, den Ausdruck von «steuerstaatlich zugreifendem Semisozialismus auf eigentumswirtschaftlicher Grundlage» geprägt. Der Ausdruck passt längst auch für die helvetischen Verhältnisse. Die Formulierung ist weniger polemisch als präzise: Individuelle Entscheide von Menschen werden durch politische Beschlüsse ersetzt, die Verfügung über das Eigene – Eigentum – relativiert. An die Stelle einer offenen Verstaatlichung privater und privatwirtschaftlicher Aktivität tritt eine schleichende Kollektivierung der Entscheide über das wirtschaftliche und das gesellschaftliche Leben. Worte wie Eigeninitiative und Eigenverantwortung klingen zunehmend hohler, jene wie (Zwangs-)Solidarität gehören derweil zum Vokabular jedes ambitionierten Menschen, der im öffentlichen Diskurs bestehen will.Darum die Frage – wo leben wir eigentlich? Und wie?Ein Ordensbruder, drei Ökonomen, ein Unternehmer und ein Historiker haben sich auf die Suche nach Zahlen, Gedanken und neuen Narrativen gemacht.Das Resultat ihrer Analysen und Selbstbeobachtungen finden Sie auf den folgenden Seiten.
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