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Warum Liechtenstein bei Vereinen, Freiwilligenarbeit und Philanthropie zur Weltspitze gehört

Zwei von drei Liechtensteinern engagieren sich ehrenamtlich und bei den Bedingungen für Philanthropie steht das Fürstentum weltweit an der Spitze. Doch Nachwuchssorgen und Finanzierungsprobleme zeigen, dass auch eine starke Tradition immer wieder erneuert werden muss.

Vereine sind in Liechtenstein sowohl institutionell als auch gesellschaftlich fest verankert und tragen zum sozialen Zusammenhalt und zu einer hohen Lebensqualität bei. Bild: Liechtenstein Marketing.

Müsste man ein Land küren, das gemeinnütziges Engagement besonders wertschätzt, das stark von Freiwilligenarbeit und Ehrenamt geprägt ist, in dem es besonders viele Vereine gibt und wo das Stiftungswesen floriert – die Wahl könnte auf Liechtenstein fallen. Das Fürstentum hat eine stolze Tradition von Freiwilligendienst, Ehrenamt und Stiftungswesen; die Politik hat die Rahmenbedingungen für Philanthropie im Auge; Werte wie Hilfsbereitschaft, gesellschaftliches Miteinander und schlicht Mitmenschlichkeit geniessen einen hohen Stellenwert. Man spürt diese gelebte Tradition im Alltag. Sie ist authentisch und wird auch jenseits der Grenzen, ja sogar ausserhalb Europas registriert.

Denn auch zahlreiche Daten dokumentieren Liechtensteins besondere Stellung als Land mit tief verwurzelter Gemeinwohlorientierung. So belegte das Fürstentum 2025 bereits zum zweiten Mal in Folge Platz 1 im «Global Philanthropy Environment Index» (GPEI), der von der Lilly Family School of Philanthropy herausgegeben wird, einer führenden Forschungseinrichtung an der US-amerikanischen Indiana University. Das internationale Ranking erhebt für knapp 100 Nationen auf allen Kontinenten systematisch die Bedingungen für philanthropische Arbeit. Unter anderem wird untersucht, ob es in einem Land günstige operative, rechtliche und wirtschaftliche Möglichkeiten für gemeinnützige Organisationen gibt, sich anzusiedeln und weiterzuentwickeln, welche Anreize für privates Engagement existieren und wie es um die Offenheit auch für grenzüberschreitende Philanthropie bestellt ist. Besonders wichtig ist zudem das soziokulturelle Umfeld, das der Lilly-Index ebenfalls in den Blick nimmt: Welchen gesellschaftlichen Stellenwert geniesst gemeinwohlorientiertes Handeln in einem Land, und wie tief ist es mit der Mentalität verwoben?

Das Land der Vereine

In keiner der insgesamt sechs Kategorien des GPEI braucht Liechtenstein den Vergleich mit anderen Nationen zu scheuen, wie auch der Philanthropiereport 2025 des Centers für Philanthropie an der Universität Liechtenstein dokumentiert. Auch wenn es einzelne Bewährungsproben etwa für die Zukunft der Vereinsarbeit gibt, ist gemeinnütziges Handeln sowohl institutionell als auch gesellschaftlich fest verankert und dürfte so zum sozialen Zusammenhalt und zu einer hohen Lebensqualität beitragen. Zwei von drei Personen in Liechtenstein waren schon einmal ehrenamtlich tätig oder sind es aktuell. Die Freiwilligen engagieren sich im Naturschutz, in der Hausaufgabenhilfe, der Brauchtumspflege und zahlreichen anderen Bereichen. Knapp jeder zehnte Liechtensteiner investiert mehr als 20 Stunden monatlich in Freiwilligenarbeit.

Hinzu kommt die grösste Dichte an Vereinen im DACH-Raum, wie eine weitere Erhebung des Centers für Philanthropie 2024 ergab – 15,6 Vereine auf 1000 Einwohner. Zum Vergleich: In Österreich lag die Quote bei etwa 14, in der Schweiz bei 11,5 und in Deutschland bei 7,3. Von den fast 900 aktiven Vereinen im Fürstentum verfolgen dabei drei Viertel gemeinnützige Ziele, vor allem in den Bereichen Kultur und Musik, Sport, Freizeit und Geselligkeit sowie Soziales. Hinter den statistischen Zahlen verbirgt sich also das pralle Leben. Natürlich dienen Vereine in erster Linie der gemeinsamen Freizeitgestaltung. Doch ihre Bedeutung reicht deutlich weiter: Sie fördern soziale Integration und bürgerschaftliches Engagement und ermöglichen kulturelle Teilhabe.

«Gemeinsinn ist kein Selbstläufer»

Hinter den Statistiken und nackten Zahlen, die für die Wissenschaft vor allem von Interesse sind, verbergen sich unzählige Geschichten von Bürgerinnen und Bürgern, Stiftungen und gemeinnützigen Organisationen, die ihre Zeit, ihr Know-how, Mittel und weitere Ressourcen für das Wohl anderer, aber ebenso für Tiere, Natur und Umwelt einbringen – häufig ohne grosse Sichtbarkeit, doch dafür mit grosser Wirkung. Die Leidenschaft für philanthropische Ziele, die die rein persönlichen weit übersteigen, ist in Liechtenstein immer wieder ganz direkt im Alltag spürbar – und wirkt anziehend.

Dank seiner ökonomischen Stärke, verlässlichen Institutionen und einer gelebten Kultur des Gebens ist Liechtenstein trotz seiner geringen Grösse und Bevölkerungszahl seit Jahrzehnten ein attraktiver Standort für philanthropisch aktive Menschen aus aller Welt. Was sich wiederum messen lässt: In der Kategorie «Grenzüberschreitende Philanthropie» des Lilly-Index, die wiedergibt, wie attraktiv ein Land beispielsweise auch für Stifterinnen und Stifter aus dem Ausland ist, schneidet Liechtenstein ebenfalls sehr gut ab. Gemittelt über alle sechs Kategorien kommt es in der neuesten GPEI-Ausgabe als globaler Spitzenreiter auf einen Gesamtscore von 4,92 bei einem maximal erreichbaren Wert von 5,00. Liechtenstein kommt damit dem theoretischen Idealwert so nahe wie kein anderes untersuchtes Land.

Wer macht morgen weiter?

Dabei gibt es aber auch Herausforderungen: Eine Befragung unter Liechtensteiner Vereinsvorständen, die das Center für Philanthropie aktuell zur Publikation vorbereitet, zeigt, dass die Verantwortung für die Vereinsgeschicke mitunter auf nur sehr wenigen Schultern lastet. Nachfolgeregelungen und anstehende Neubesetzungen werden teils als schwierige Zukunftsaufgaben wahrgenommen, ebenso wie die Gewinnung neuer und vor allem jüngerer Mitglieder. Ausserdem leben manche Vereine quasi von der Hand in den Mund, Mittel müssen immer wieder neu akquiriert werden, eine langfristige Finanzierung fehlt mitunter. Diese zentralen Zukunftsprobleme betreffen auch Vereine, die bereits seit vielen Jahrzehnten und länger bestehen. Entscheiden dürften sie sich nicht zuletzt über Fragen der Sichtbarkeit und der Kommunikation sowie der Qualität der Zielgruppenansprache. Ein grosses Entwicklungsfeld für die Institutionen stellen hier die sozialen Medien dar, zumal sich dort längst nicht mehr nur die jüngeren Jahrgänge tummeln und ihre Informationsbedürfnisse stillen.

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