Ausgabe 943 - Oktober 2005
Die Angst der Deutschen vor dem Aufbruch: Photographien von Jörn Vanhöfen
In dieser Ausgabe
Dossier
(9) «Italiener müssen wir werden!»
Nicht etwa, dass Italien alles besser machte als Deutschland, schon gar nicht in der Politik. Dort indes, wo es um die Einstellung der Menschen zum Staat und zur Regierung geht, könnten die Deutschen von ihren Freunden im Süden vielleicht doch etwas lernen.
(8) Kein Machtwechsel ohne Mentalitätswandel
Deutschlands Reformunwilligkeit hat tiefe mentalitätsgeschichtliche Wurzeln. Seit Bismarck prägt das Vertrauen in staatliche Allmacht die Kultur. Weimar und der Nationalsozialismus verstärkten diesen Trend fortlaufend.
(7) Die Illusion der Generationengerechtigkeit
Seit Jahrzehnten lebt Deutschland über seine Verhältnisse – und schränkt damit den Handlungsspielraum nachfolgender Generationen auf eine Weise ein, die heute vermehrt auf Widerstand stösst.
(6) Die deutsche Seele und die Ökonomie
Deutsche Wähler setzten auf Kontinuität, obwohl «Weiter so» selbstzerstörerisch wirkt. Drei Gründe erklären dies: Deutschlands fehlende Tradition einer echten Freiheitspartei, die starke Sozialstaattradition und die demografischen Verhältnisse.
(5) Abbau der Bürokratie – eine Chimäre?
Auch die Bürokratie bremst den Reformprozess. Entbürokratisierung kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Menschen mehr Mut zur Eigeninitiative aufbringen und sich selbst mehr zutrauen.
(4) Föderalismus als Hindernis
Deutschlands Erfahrungen mit dem Föderalismus unterscheiden sich deutlich von jenen der Schweiz. Ein wichtiger Grund dafür liegt in der konkreten institutionellen Ausgestaltung, aber auch in der Einbettung im Ganzen des politischen Systems.
(3) Den Arbeitsmarkt endlich entfesseln
Eine zukunftweisende Arbeitsmarktpolitik muss dafür sorgen, dass die Arbeit durch individuelle Verträge und der Lohn nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage vereinbart werden und die Sozialpolitik vom Arbeitsverhältnis abgekoppelt wird.
(2) Deutschland im Wahljahr: Angst vor der Wahrheit?
Steckt Deutschland wirklich in der Krise? Wenn ja, wie müsste Deutschland reagieren? Sind für unbequeme Programme und Reformen überhaupt politische Mehrheiten zu finden? – Fragen und Antworten aus der Feder eines erfahrenen Politikers.
(1) Das missverstandene Erbe der Sozialen Marktwirtschaft
Die Deutschen sind bereit zur Veränderung, aber sie wissen nicht, in welche Richtung der Wandel gehen soll. Das Wahlergebnis vom 18. September spiegelt eine tiefe Unsicherheit über die Zukunft des deutschen Wirtschaftsmodells.
(0) Die Angst der Deutschen vor dem Aufbruch
In Peter Handkes Erzählung «Die Angst des Tormanns vor dem Elfmeter» steht der Schlüsselsatz «Alles, was er sah, störte ihn; er versuchte, möglichst wenig wahrzunehmen.» Die Beiträge zum Thema «Die Angst der Deutschen vor dem Aufbruch» halten sich an den ersten Teil der Aussage, versuchen aber bei der Wahrnehmung die
Aktuelle Debatten
Irrungen, Wirrungen: Deutsche Aussenpolitik nach Kanzler Kohl
In seinen Beziehungen nach aussen hat Deutschland in sieben Jahren rot-grüner Koalition nicht nur jede klare Ausrichtung und Verankerung verloren, sondern vor allen Dingen – Glaubwürdigkeit.
Kein neues Wunder in Deutschland
Im Gegensatz zu früheren, besseren Zeiten ist heute in Asien ein Deutschlandbild verbreitet, das politisch wie intellektuell allen Glanz verloren hat. Man sieht hier eine Nation, die sich der Zukunft fast schon willentlich verschliesst.
Die Koalition der grossen Ohnmacht
Die grosse Koalition startet unter schwierigen Bedingungen. Sie schafft den Durchbruch zum mentalen Paradigmenwechsel nur, wenn sie auf schönfärberische Beschwichtigungen verzichtet und den Mut zum Abschied von altvertrauten, aber überholten interventionistischen Gepflogenheiten aufbringt.
Bildung ja – aber welche?
Zu keiner Zeit wurde im «alten Europa» so einvernehmlich über die Notwendigkeit von Investitionen in die Bildung gesprochen wie in den vergangenen Jahren schwachen wirtschaftlichen Wachstums. Die Pisa-Studien und die ihnen gewährte Aufmerksamkeit sind der sichtbare Ausdruck dieser Überzeugung: Wenn koreanische Kinder besser lesen könnten als unsere Kinder, dann
Weitere Beiträge
Raunen, Murmeln
Meinen Kranken fand ich im Westtrakt in einem Einbettzimmer, ich stand links neben dem Bett, links von mir das Fenster mit so viel Licht, dass der Kranke bleich aussah, an den Wänden gab es keine Bilder, das Stahlbett und die übrigen Möbelstücke waren rollbar, es war heiss draussen, mittagshell, und
Alfred C. Mierzejewski: «Ludwig Erhard. Der Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft»
Alfred C. Mierzejewski: «Ludwig Erhard. Der Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft», München: Siedler Verlag, 2005
Hans-Peter Schwarz: «Republik ohne Kompass» und Hans-Werner Sinn: «Ist Deutschland noch zu retten?»
Hans-Peter Schwarz: «Republik ohne Kompass: Anmerkungen zur deutschen Aussenpolitik», Berlin: Propyläen Verlag, 2005 Hans-Werner Sinn: «Ist Deutschland noch zu retten?», München: Econ Verlag, 2003
Sind die Deutschen noch deutsch?
Mit Spürsinn und Gelehrsamkeit geht Hans-Dieter Gelfert in seinem neuesten Buch der Frage nach, was die Mentalität der Deutschen heute sei – und wie sie sich im Lauf der Zeit verändert habe.
Die Wiederkehr der «Konservativen Revolution»
Lange ist sie vorhergesagt worden. Jetzt hält die neue Ernsthaftigkeit in Romanen von Uwe Tellkamp und Matthias Politycki Einzug in die deutsche Gegenwartsliteratur.
Der Pressesprecher
Von der Tür aus ging ich schnell auf die vier Mikrophone zu, die mitten im Raum aufgestellt waren. Ich mag Mikro-phone, es ist schön, auf sie zugehen zu können und, noch bevor man stehenbleibt, zu reden zu beginnen. Ich sagte: Natürlich bin ich über einige Entwicklungen erstaunt, und in
Zsuzsannas Fenster
Zsuzsanna Gahse wurde auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse als Preisträgerin des Chamisso-Preises 2006 erkoren. Nach einer Einführung von György Dalos drucken wir in der sechsten Folge unseres Fokus «Chamisso-Preis» zwei bisher unveröffentlichte Texte der Autorin.
Die Schweizer – ein Volk von Zugezogenen
Wenn in Schillers «Tell» geschrieben steht, dass die Schweizer nicht immer schon ansässig, sondern Nachkommen armer Einwanderer waren, dann böte sich hier die konstruktive Grundlage einer Fortentwicklung urschweizerischer Identität.
Ludwig Erhard – Staatsmann und klassisch-liberaler Denker
Ludwig Erhard gehört zum kleinen Kreis jener klassisch liberalen Denker, die nach dem Zweiten Weltkrieg einflussreiche Stellungen in westeuropäischen Volkswirtschaften innehatten. Wenn der Übergang von zentral verwalteter Planwirtschaft zu den Regeln und Mechanismen des Marktes damals manchem Nationalstaat gelang, wenn es im Zuge dieser Transformation auch zu einer bemerkenswerten Wiederbelebung
Editorial
Es geht in diesem Heft zur Situation in Deutschland nach den Wahlen nicht nur im engeren Sinn um ökonomische und politische Probleme, sondern um Mentalitäten, die tiefe historische, kulturelle und psychologische Wurzeln haben. Ebenso tief sitzt die Angst vor der Freiheit und vor dem Wettbewerb. Ein offener Produkte-, Finanz- und