zum Inhalt

Pflegekräfte und Piloten

Michèle Müller, Pflegefachfrau

Inhaltsverzeichnis

Es gibt zwei Berufsgruppen, deren Angehörige oft schon als Kinder wissen, was sie einmal werden wollen: Pflegefachkräfte und Piloten. Das besagt eine Volksweisheit. Im Fall von Michèle Müller, die lacht, als sie das hört, stimmt sie: «Ich wusste das früh.» Die Teamarbeit reizte sie, der Umgang mit Patienten, die dafür nötige Hilfsbereitschaft. Heute ist sie diplomierte Pflegefachfrau und ausserdem als Berufsbildnerin zuständig für den Nachwuchs. Das «St. Anna» ist eines der bekannteren Ausbildungsspitäler der Schweiz: über 100 angehende Pflegefachkräfte lernen hier; wer einen Platz will, überzeugt idealerweise bereits als Schüler in einem Selektionspraktikum.

Müller und ihr Team begleiten ihre Patienten durch Spitaleintritt und Anamnese, besprechen mit ihnen Eingriffe, erstellen einen Pflegeplan, definieren mit den Patienten ihre Ressourcen, helfen und fördern, führen das Austrittsgespräch. Oft trägt Müller als erfahrene Diplomierte die Tagesverantwortung; oft führt sie als Bezugsperson eine Auszubildende durch den Tag. Der beginnt meist um 6.45 Uhr, mit einem Blick in die Akten der erwarteten Patienten. Üblicherweise, sagt Müller, betreue sie täglich rund 10 Patienten. Ja, das seien tendenziell mehr als früher, sagt sie auf meine Frage hin. «Der Druck in der Pflege hat zugenommen, das ist überall so.» Das Wichtigste sei und bleibe aber der Patient, sagt Müller. Für sie und ihre Kollegen bedeute das, noch besser Prioritäten zu setzen – und sich noch mehr gegenseitig zur Hand zu gehen. «Teamarbeit ist in diesem Beruf essenziell.»

Mir fällt auf, dass ich in Gegenwart dieser ruhigen jungen Frau selber ruhig werde. Gelassener nach diesem langen, aufregenden Tag, fast still. Was für ein Glück!


Olivia Kühni
ist stv. Chefredaktorin des «Schweizer Monats».

Unterstützen Sie uns!

Dieser Artikel war frei zugänglich – ermöglichen Sie mit einer Spende den freien Zugang für alle.

Jetzt spenden

Aktuelles

Krankheit lohnt sich

Krankheit lohnt sich

Prävention wird kaum honoriert, Krankheit dagegen zuverlässig finanziert. Die Pflege-Unternehmerin Alessia Schrepfer erklärt, warum diese Fehlanreize Patienten und Pflegekräfte belasten – und weshalb das System von Grund auf neu gedacht werden muss.