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Kleiner Platz, grosse Wirkung: Der Finanzsektor als Unternehmer

Wie ein Fürstentum mit knapp 40 000 Einwohnern zu einem der stabilsten Finanzplätze der Welt wurde – und wie das mit Unternehmertum zusammenhängt.

Die LGT ist seit rund hundert Jahren vollständig im Besitz der Fürst-von-Liechtenstein-Stiftung. Geführt wird die grösste Bank des Landes von Mitgliedern der Fürstenfamilie. Bild: Julian Salinas, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons.

Unternehmertum ist kein Selbstzweck, sondern der Motor einer Gesellschaft für Innovation, Fortschritt und Wohlstand. Das ist nicht nur eine Wirtschaftsweisheit aus dem Lehrbuch, sondern lässt sich am liechtensteinischen Finanzsektor ablesen. Als Teil dieser Dynamik sind Banken oder Treuhänder für das Fürstentum keine abgekoppelte Geldmaschine, sondern Grundlage für die Risikobereitschaft anderer Unternehmer.

Insgesamt macht der Finanzsektor rund 19 Prozent aller Beschäftigten in Liechtenstein aus und liefert über die Hälfte der Ertragssteuereinnahmen. Liechtenstein zahlt mit dem Schweizer Franken, ist aber Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums – eine Konstellation, die es sonst nirgendwo gibt. Geldpolitisch blickt man nach Bern, regulatorisch nach Brüssel. Was auf dem Papier wie ein institutioneller Kompromiss aussieht, hat sich in der Praxis als Standortvorteil erwiesen: Liechtensteiner Finanzdienstleister bieten europäischen Marktzugang mit der Währungsstabilität und dem AAA-Rating, das man sonst mit der Schweiz verbindet.

Das ist kein Zufall, sondern das Resultat einer unbequemen Entscheidung: des Übergangs zur sogenannten Weissgeldstrategie nach der Finanzkrise von 2008, als der Finanzplatz sein Geschäftsmodell von Diskretion auf Transparenz und Compliance umstellte. Das war der Wendepunkt, von dem aus sich die heutige Reputation als regulierter, geprüfter und international vernetzter Standort entwickeln konnte.

Vorreiter der digitalen Finanzwelt

Kaum ein Finanzplatz hat sein Image so gründlich neu geschrieben wie Liechtenstein. Das Land ist zum globalen Vorreiter der Token-Ökonomie geworden. Auch hier war die Kleinheit des Finanzplatzes ein Vorteil: kurze Entscheidungswege, persönliche Kenntnis der Akteure, ein Parlament, das schneller reagieren kann als ein Vielvölkerstaat mit föderalen Reibungsverlusten. Regulator, Bankenverband und Unternehmer kennen sich in Liechtenstein persönlich und können Gesetze verhandeln, für die anderswo Jahre der Vernehmlassung nötig sind.

«Die fürstliche Handschrift ist damit weniger folkloristisches Beiwerk als struktureller Stabilitätsfaktor – ein Fall, in dem unternehmerisches Eigentum und staatliche Verantwortung sich gegenseitig disziplinieren.»

Ein Element bleibt dabei einzigartig: Die grösste Bank des Landes, die LGT, befindet sich seit rund einem Jahrhundert vollständig im Besitz der Fürst-von-Liechtenstein-Stiftung und wird von Mitgliedern der Fürstenfamilie selbst geführt. Das Staatsoberhaupt und der grösste private Vermögensverwalter des Landes sind also über dieselbe Familie verbunden – eine Konstellation, die in keinem anderen Finanzzentrum der Welt existiert. Die fürstliche Handschrift ist damit weniger folkloristisches Beiwerk als struktureller Stabilitätsfaktor – ein Fall, in dem unternehmerisches Eigentum und staatliche Verantwortung sich gegenseitig disziplinieren, statt sich zu widersprechen oder sich durch Interessenkonflikte gegenseitig zu blockieren.

Blick nach vorn: Fachkräfte und Unternehmertum

Die eigentliche Herausforderung, über die zumindest im Ausland selten gesprochen wird, liegt für das Ländle anderswo: Ein Finanzplatz dieser Qualität und Internationalität ist auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Schon heute pendelt ein erheblicher Teil der Beschäftigten aus Österreich und der Schweiz. Wer über die Zukunft des Finanzplatzes spricht, muss deshalb über Bildung sprechen, und über die Frage, wie ein Kleinstaat hochspezialisiertes Wissen importieren und auch selbst heranbilden kann.

Am Ende führt das zurück zum Ausgangspunkt. Erfolgreich lässt sich diese Zukunft nur mit unternehmerischem Denken gestalten. Dafür hat der Finanzplatz Liechtenstein beste Voraussetzungen: klein im Format, erstaunlich innovativ, international vernetzt und handlungsfähig – dank einer Kultur, die Unternehmertum als Staatsprinzip begreift.

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13 Fragen zum Finanzplatz

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1. Die EFG ist in Liechtenstein tätig und Teil einer international aufgestellten Bankengruppe. Welcher Aspekt zu Liechtenstein überrascht Ihre internationale Kundschaft am meisten?  «Dass Liechtenstein so international und innovativ ist. Viele rechnen mit einem eher lokalen Finanzplatz und erleben eine weltweit vernetzte Bank mit über 40 Standorten mit vollem Zugang