Ausgabe Q 1116 – Dezember 2024
Demografie: Jung bleiben in einer alternden Welt
In dieser Ausgabe
Schwerpunkt
Warum wir weniger Kinder kriegen
Der massive Rückgang der Fruchtbarkeit hat auch mit der Evolution zu tun. Eine grosse Familie ist kein Statussymbol mehr.
«Länger arbeiten bringt mehr als Einwanderung»
Westliche Länder sind schlecht auf den demografischen Wandel vorbereitet, warnt Bevölkerungsforscherin Jennifer Sciubba. Dennoch zieht sie es vor, in einer älteren Gesellschaft zu leben.
Überalterung könnte die nächste Finanzkrise auslösen
Alternde Gesellschaften erwarten mehr vom Staat und verlangen immer höhere Ausgaben. Steuern und Schulden steigen ungebremst. Und dieses Mal könnten sogar die Zentralbanken machtlos sein.
Das Beste, was der Staat tun kann, ist aus dem Weg gehen
Überalterte Gesellschaften sind innovationsschwach und staatsgläubig. Gerade freiheitlich Gesinnte sollten sich daher mehr Kinder wünschen. Plädoyer für einen liberalen Pronatalismus.
Wir brauchen weniger Privatjets, nicht weniger Kinder
Dem Klima zuliebe auf Nachwuchs verzichten ist der falsche Weg. Wir sollten Privatjets verbieten und die umweltschädigenden Investitionen des Schweizer Finanzsektors begrenzen.
Boomer bremsen die Jungen aus
Noch nie war eine Generation so privilegiert wie meine. Doch was haben wir daraus gemacht? Wir hinterlassen den Jungen ungedeckte Kosten und Schulden.
Vor zehn Jahren beschloss ich, 120 Jahre alt zu werden – aber erst heute weiss ich, warum
Um möglichst lange gesund und glücklich zu leben, habe ich meinen Alltag umgekrempelt. Der grösste Nutzen fällt dabei schon heute an.
Ab jetzt geht es abwärts: Eine schrumpfende Arbeitsbevölkerung stellt die Schweiz vor neue Herausforderungen
Um die Folgen des demografischen Wandels zu kompensieren, muss die Schweizer Wirtschaft produktiver werden. Doch bis jetzt hinkt sie anderen Ländern hinterher. Höchste Zeit für neue Ansätze.
Der 100. Geburtstag ist bald nichts Besonderes mehr
In der Schweiz leben so viele über Hundertjährige wie noch nie – und ihre Zahl steigt weiter rapide an. Die meisten blicken optimistisch in die Zukunft.
Alt und arbeitswillig
Immer mehr Pensionierte bleiben beruflich aktiv. Viele tun dies freiwillig, aber manche auch aus finanziellen Gründen. Die Politik sollte die Bedürfnisse beider Gruppen besser berücksichtigen.
Drei Säulen sind nicht (mehr) genug
Eine neue Sozialversicherung für die Langzeitpflege würde die Eigenverantwortung und die Generationengerechtigkeit stärken.
Die Jugend ist Afrikas Trumpf
Die junge Bevölkerung ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Um ihn zu nutzen, braucht Afrika ein neues Selbstverständnis – weg vom Opfer- hin zum Chancenkontinent.
Japan ist Warnung und Vorbild für Europa
Seit Jahren kämpft das Land mit einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung. Die Auswirkungen sind in ländlichen Gebieten ebenso sichtbar wie in Tokio.
Ihr Kinderlein kommet doch endlich!
Weltweit sinken die Fertilitätsraten. Staaten versuchen mit verschiedenen Strategien dagegenzuhalten. Die Erfolge sind allerdings bescheiden.
Vergessen Sie alles, was Sie über mediterrane Küche gelernt haben
Wer gesund alt werden will, so heisst es, sollte sich mediterran ernähren: viel Gemüse, Kräuter, Obst und Olivenöl. Nur haben die Menschen am Mittelmeer noch nie davon gehört.
Wie uns die Medizin helfen kann, den demografischen Wandel zu bewältigen
Die Fortpflanzungsmedizin ist trotz sinkender Fruchtbarkeit in der Schweiz wenig verbreitet. Ein besserer Zugang zu Fruchtbarkeitsbehandlungen muss Teil der Familienpolitik werden.
How medical advancement can help managing the demographic shift
In spite of the declining fertility rate, assisted reproduction is not very widespread in Switzerland. Better access to fertility treatments must be an essential part of the policy response.
«Working longer is far more effective than immigration»
Western countries are ill-prepared for the demographic shifts, warns Jennifer Sciubba. Still, she prefers to live in an older society.
The next financial collapse could be caused by demography
Ageing societies tend to expect more from the state and require higher expenditures. This could lead to rising taxes and debt – and this time, even central banks might be powerless.
Trois piliers ne suffisent plus
En raison du vieillissement de la population, nous devons repenser la prévoyance vieillesse. Un nouveau pilier pour les soins de longue durée renforcerait la responsabilité individuelle et la justice intergénérationnelle.
How Africa Can Reap its Demographic Dividend
Its unique youthful profile is a key asset the continent can leverage on to catalyze economic transformation. For this, Africans need to change their mental model.
«Es kann nicht zu viele Menschen geben»
Samenspender Jonathan Jacob Meijer ist Vater von über 500 Kindern. Er glaubt, dass die Erschaffung neuen Lebens Gottes Wille ist – und der Fortschritt eine Krankheit.
«There cannot be too many people on Earth»
Sperm donor Jonathan Jacob Meijer has fathered over 500 children. He believes that creating new life is God’s will and that progress is a disease.
Dossier
Gilberte de Courgenay – sie war wie eine Mutter für die Soldaten
Eine Kellnerin wird im Ersten Weltkrieg im Jura zu einem Symbol der geistigen Landesverteidigung.
Helfen oder weglaufen? Im Krieg wird die Wahl zwischen richtig und falsch plötzlich existenziell
Wir alle tragen sowohl Zivilcourage als auch Feigheit in uns. Auch ich habe mich schon einschüchtern lassen. Und ich bereue es bis heute.
Wenn nicht ich, wer dann?
Zivilcourage können Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen und in verschiedenen Situationen zeigen. Was sie eint, ist die Bereitschaft, für grundlegende Werte einzustehen.
Der vergessene Held von Diepoldsau
Wie in einer kalten Winternacht 1938 das Schicksal einer jungen jüdischen Familie an der Schweizer Grenze eine unerwartete Wende nahm.
Geisterbahnfahrt auf der Zahnarztliege
Der Rufmord ist eine konzertierte Verleumdungsaktion, die zur öffentlichen Vorverurteilung führt und dadurch zum Allgemeingut wird. Er ist unumkehrbar, die Folgen davon in jeder Beziehung erstaunlich.
Kleine Gestenmachen den Unterschied
Als Milizfeuerwehrfrau muss Martina Cantieni Risiken abwägen und minimieren.Umso mehr ärgert sie sich, wenn Gaffer für zusätzliche Gefahr sorgen.
Es lohnt sich, dem Konsens zu widersprechen
Menschen fürchten nichts mehr als Vereinzelung und schrecken vor abweichenden Meinungsäusserungen zurück. Es erfordert Zivilcourage, der eigenen Überzeugung auch gegen Widerstand und Herabsetzung zu folgen.
Unangepasste Akademiker gefährden ihre Karriere
Unter dem Mantel der richtigen Gesinnung werden an Universitäten Andersdenkende schikaniert und ausgegrenzt. Nicht einmal im Falle von Antisemitismus wagen es die Hochschulleitungen einzuschreiten.
Eine Ketzerin für den Frieden
Die Berner Naturwissenschafterin Gertrud Woker glaubte wenig und hinterfragte alles. Das brachte ihr nicht nur finanzielle Probleme ein.
«Plakativ könnte man sagen, dass die Zürcher das Kartell finanzierten»
Die Schweiz ist anfällig für Verfilzungen,sagt Adam Quadroni, der das Bündner Baukartell auffliegen liess. In der Region gibt es bis heute kein Schuldbewusstsein.
Einsatz zwischen Himmel und Fels
Anderen zu helfen, war schon früh ein Antrieb für Patrik Burri. Als Rettungspilot muss er aber nicht tollkühn, sondern rational handeln.
Im Iran bin ich «Satan» – in Amerika «islamophob»
In meiner Heimat kann man für das Eintreten für Grundrechte getötet werden. Die gleichen Freiheiten werden im Westen untergraben.
Aktuelle Debatten
Die Netzwerke dominieren uns
Der Historiker Yuval Noah Harari zeichnet die Geschichte der Informationsnetzwerke nach. Künstliche Intelligenz wird den Homo sapiens herausfordern wie noch keine andere Entwicklung.
«Der Gemeinderat war für mich die beste Ausbildung fürs Leben»
Der Musiker und Unternehmer Marc Trauffer sorgt sich um das Milizsystem und hält Kulturjournalisten für irrelevant. Für Historiker Oliver Zimmer erhöht die Globalisierung die Sehnsucht nach der eigenen Herkunft.
Mill sticht Rousseau aus: Nein, die Freiheit des Einzelnen endet nicht an der Freiheit des anderen
Befürworter von Pandemie- oder Klimaschutzmassnahmen rechtfertigen diese mit der Freiheit. Ihre Definition davon ist jedoch oft problematisch.
Unternehmen müssen keine Staatsaufgaben übernehmen
Unternehmen wenden sich zunehmend vom Shareholder Value ab und richten sich auf den breiteren Stakeholder Value aus. Damit werden Verantwortlichkeiten verwischt und die Marktwirtschaft geschwächt.
Fitnesstipps von der Privatwirtschaft
Der Staat wächst ungebremst. Beim Abspecken helfen Rezepte aus der Wirtschaft.
In den Fängen der Drittfinanzierer: Die tragische Mengenausweitung im Schweizer Gesundheitssystem
Die obligatorische Krankenversicherung basiert auf dem Dogma, dass im Gesundheitswesen der Markt versage. Als abschreckendes Beispiel werden gerne die USA genannt – dabei gibt es gerade dort Ansätze, die das Dogma in Frage stellen.
Weitere Beiträge
Editorial
«So steht’s mit der Sinnesart der meisten: Ihre Gier nach Beschäftigung hält länger an als ihre Arbeitskraft.» Seneca. In: Von der Kürze des Lebens Die alten Römer teilten die Lebensalter ein in pueritia (Jugend bis 20), iuventus (junge Erwachsene, 20–40), virilitas (Mitte des Lebens, 40–60) und senectus