Ausgabe 948 - August 2006
«City-State» (XX): Von der Staatenwelt zum Städtenetzwerk
In dieser Ausgabe
Dossier
(9) Frieden durch Freihandel
Demokratie, wirtschaftliche Verflechtung und die Abwesenheit einer dominierenden Grossmacht haben Europa mehr befriedet als politische Integration. Die Schweiz zeigt, dass enge wirtschaftliche Verflechtung mit europäischen Nachbarländern auch ohne EU-Mitgliedschaft möglich ist.
(8) Sonderfall London
Die Stadtregion London versucht kommunale Demokratie mit den Erfordernissen des Managements einer global vernetzten Metropole zu verbinden. Die gegenwärtige Lösung vermag nicht zu befriedigen.
(7) Konfuzianische Stadtrepubliken mit britischem Erbe
Singapur und Hongkong stiegen vom zerstörten Kriegsgebiet zu globalen Handels- und Finanzzentren auf. Entscheidend waren ihre strategische Lage, starke Rechtsstaatlichkeit und kompakte Grösse.
(6) Von der Staatenwelt zum Städtenetzwerk
Nationale Wirtschaftsräume verlieren an Einfluss; an ihre Stelle treten global vernetzte Metropolregionen – nicht nur in den Industriestaaten, sondern auch in den Schwellenländern. Ein Überblick über die unterschiedlichen Entwicklungspfade von Shangai, São Paulo, Mumbai und Johannesburg.
(5) Gravitationsräume der Wirtschaft
Bisher kaum zur Kenntnis genommen, haben neue Kommunikations- und Vernetzungsmuster eine neue räumliche Hierarchie entstehen lassen. Die Idee der «dezentralen Konzentration» ist von der Entwicklung überholt worden: In der Schweiz sind zwei grenzübergreifende Metropolregionen entstanden.
(4) Grenzüberschreitende Landschaften
Die klassische Stadt verschwindet aus der Schweiz. 140 Architekturstudenten dokumentierten stattdessen Metropolitanregionen, Städtenetze, stille Zonen und alpine Resorts in «Die Schweiz. Ein städtebauliches Porträt». Ein Bericht eines begeisterten Lesers.
(3) Weniger Staat, mehr Stadt
Die Idee des «City-State» verbindet Stadt und Staat auf komplexe, teils widersprüchliche Weise. Konrad Hummlers Vision vom «City-State Schweiz» als Alternative zum EU-Beitritt erscheint zukunftstauglich, wirft aber weitergehende Fragen auf.
(2) Die Schweiz als «City-State»
Die Vision einer global orientierten, urban organisierten und liberal ausgerichteten Schweiz als «City-State» ausserhalb der EU ist in den Medien zum Teil scharf kritisiert, aber auch gehörig missverstanden worden. Präzisierungen und Klärungen von Konrad Hummler; die Fragen stellte Robert Nef.
(1) Die Schweiz ist eine Stadt
Die Schweiz eine Stadt? Die Frage ist inzwischen durch die Entwicklung beantwortet worden. Für die Politik geht es nun darum, die Realität zu sehen, sie zu akzeptieren, mit ihr umzugehen und sie mitzugestalten, statt sich verbissen gegen sie zu stemmen.
Aktuelle Debatten
Revision des Ausländer- und Asylrechts in der Schweiz
Der Urnengang vom 24. September kündigt sich schon lange im voraus an – mit starken Emotionen. Die Volksinitiative «Nationalbankgewinne für die AHV» will die Finanzierung des wichtigsten Sozialwerks sicherstellen, eine durchaus populäre Zielsetzung, die jedoch mit der blossen Verschiebung von Mitteln nicht wirklich und vor allem nicht dauerhaft erreicht wird und
Magische «150»
Der Markt ist eine kulturelle Errungenschaft der neolitischen Revolution. Obwohl Menschen seit über 10.000 Jahren sesshaft sind, prägen Jäger-und-Sammler-Kategorien unser Gehirn: Es ist biologisch für Gruppen von maximal 150 Personen ausgelegt. Grössere Kollektive erfordern kulturelle Leistungen.
Der jüngste Staat des 21. Jahrhunderts
Montenegros Unabhängigkeit ist das Resultat der denk-würdigen Volksabstimmung vom 21. Mai 2006. Der Staat, der ohne Waffengewalt, durch freien Konsens seiner Bürger entstand, besitzt das Potential, sich zu einem liberalen Gemeinwesen zu entwickeln.
Die Schweiz ist urban
«Ich weiss nicht», meinte eine zukünftige Mitarbeiterin zunächst, «ob ich für einen Verein tätig sein kann, der Metropole Schweiz heisst. Ich liebe mein Land!» Das war zu Beginn der neunziger Jahre. Tempi passati! Heute irritiert der Begriff Metropole Schweiz kaum mehr. Im Gegenteil – er hat Konkurrenz bekommen: Stadt Schweiz, Stadtland
Weitere Beiträge
Die nächste Ausgabe
Das Dossier der Ausgabe September/Oktober 2006 gilt dem Thema «Worst Case». Gast in der Galerie ist der Künstler Olaf Breuning.
Karl S. Guthke: Sprechende Steine: Eine Kulturgeschichte der Grabschrift.
Göttingen: Wallstein Verlag, 2006
Klaus Schwabe: Weltmacht und Weltordnung. Amerikanische Aussenpolitik von 1898 bis zur Gegenwart.
Paderborn: Schöningh Verlag, 2006
Hanspeter Strebel, Kathrin Barbara Zatti: «Es gibt Dinge, die brauchen Zeit»: Elisabeth Pletscher, Zeitzeugin des 20. Jahrhunderts.
Herisau: Appenzeller Verlag, 2005
Pelzfrühstück und seine Folgen
Meret Oppenheims Pelztasse machte sie berühmt, doch ihr Werk ist vielseitiger. Eine Retrospektive im Kunstmuseum Bern zeigt mit über 200 Werken die eigenständige Künstlerin, die 1913 in Berlin geboren wurde und später in Basel, Paris und Bern lebte.
Ich werde leben!
Thomas Manns Novellen und Romane finden in der Dekadenz einen positiven Ansporn: Trotz Tod und Untergang erkennen sie das mögliche Wachstum. In dieser lebensbejahenden Dialektik von Leben und Tod interpretiert der Autor die Buddenbrooks als Aufstieg und Niedergang einer Lübecker Kaufmannsfamilie.
Immer wieder Thomas Mann
Erinnerungen an die Leseerlebnisse des Heranwachsenden und an Reisen ins bücherbegeisterte Ausland. Ein persönlicher Rückblick auf Begegnungen mit Thomas Mann in Portugal, Spanien, Lateinamerika und der Schweiz während der letzten 50 Jahre.
Das Thomas-Mann-Archiv der ETH Zürich
Das Thomas-Mann-Archiv in Zürich feiert sein fünfzigjähriges Bestehen. Beim Jubiläumskongress «Thomas Mann in der Weltliteratur» würdigten Gäste den Dichter als Kosmopoliten. Nach einem Überblick zur Geschichte des Archivs folgen zwei gekürzte Vorträge.
Editorial
«City-State Schweiz». Warum ein Anglizismus, wenn es um die Umschreibung einer Zukunftsvision geht? «Stadtstaat» ist historisch besetzt durch Städte wie Venedig, Florenz oder die griechische Polis. «Metropolitanregion» klingt für ein kleines Land wie die Schweiz zu grossspurig. «Stadt Schweiz» passt auch nicht; fliegt man über die Schweiz, dann sieht