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Kolumne

Vom Lebenselixier moderner Demokratien

Ist, wer die Parteienfinanzierung gutheisst, ein Antidemokrat? Ist die EU antidemokratisch? Ist die Sympathie für Verfassungsrichter antidemokratisch? In unseren demokratisch verfassten Gesellschaften gibt es eine bewährte Steigerung der öffentlichen Verunglimpfung. Die erste, harmlose Form stellt die Intelligenz des Verunglimpften in Frage: Du bist dumm. Die zweite tritt mit dem moralischen

Eine Mehrheit macht noch keine Wahrheit

Eine Mehrheit macht noch keine Wahrheit

Kann eine politische oder geschäftstüchtige Minderheit mit ganz eigenen spezifischen Interessen eine Kettenreaktion in Gang setzen, die eine Minderheitsmeinung so weit verbreitet, dass sie letztlich zur Massenmeinung wird? Ich glaube: sie kann. Wer sich eine eigene Meinung über eine Sache bildet, wird vor allem dadurch beeinflusst, was die wahrgenommene Mehrheit

Der Souverän

Langsam geht der alte Mann die Strasse hinunter, Schritt für Schritt trippelt er seinem Schatten hinterher. Es ist noch früh am Tag. Kühl bestrahlt das Sonnenlicht die Szenerie, schneidet die Steine aus der Hauswand heraus, zeichnet die Körnungen und Kerben im Asphalt nach. Es ist der Tag der Entscheidung. Doch

So lassen wir uns regieren?

Wir freien Schweizerinnen und Schweizer werden nicht von oben beherrscht. Wir sind niemandem Gehorsam schuldig ausser den Gesetzen, die wir uns selbst geben, sei es direkt, sei es indirekt über unsere Stellvertreter, die wir alle vier Jahre mit frischer demokratischer Legitimation ausstatten. Soeben haben diese neu legitimierten Volksvertreter ihre erste

Freie Wissenschaft ist nicht korrekt

Max Scheler hat recht behalten: die heutige Universität ist keine «universitas» mehr, sondern eine Summe von Fachhochschulen. Ganz selbstverständlich und unverfroren tituliert man die Studentenschaft als «Generation Praktikum», weil es niemand mehr wagt, die rigorose Berufsbezogenheit des Studiums in Frage zu stellen. Alle Lernprozesse sind heute riskant, denn auf ihrem

Einmal im Jahr sind Ökonomen die Helden

Diesmal also Thomas Sargent und Christopher Sims. Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ging an zwei Forscher, die den heutigen Instrumentenkasten der Makroökonomik wesentlich geprägt haben. Zwar mäkeln Kritiker: angesichts der globalen Finanzkrise hätte man die Demontage des keynesianischen Ansatzes durch die Theorie der rationalen Erwartungen, an der sich seinerzeit die beiden

Entweihung

Auf der Strasse liegt die unbefleckte Jungfrau. Kopf und Schleier sind unversehrt, nur von der Stirn ist ein kleines Stück abgeplatzt. Die betenden Hände jedoch sind zertrümmert, ebenso der Unterleib. Mit voller Wucht war ihr der Bilderstürmer auf den Bauch gesprungen, nachdem er die Skulptur auf die Strasse geworfen hatte.

Die gute alte Zeit ist schlechter als ihr Ruf!

Als ich meiner Mutter sagte, dass ich nach London ziehen würde, führte dies zu einer tragischen Abschiedsszene. Sie reagierte, als sei ich ein Soldat, der die Familie in Richtung Krieg verlässt, als sei unsere gemeinsame Zeit damit endgültig vorbei. Dafür gibt es einen einfachen Grund. Meine Mutter versteht das Verlassen

Die Guten und Gerechten

Es ist völlig klar, warum der Staat überschuldet ist. Er finanziert bloss, was seinen Bürgern an Leistungen und Ansprüchen von Gesetzes wegen zusteht. Auch wenn das bürgerliche Sparapostel anders sehen: die Schuldensituation ist demokratisch legitimiert. Letztlich fürchten diese Kassandrarufer ohnehin bloss um ihre Pfründe. Aber der Staat widersetzt sich dem

Die autoritäre Politik gebiert den Wutbürger

Viele Leser des «Schweizer Monats» werden Herrn Bosbach nicht kennen. Er ist Bundestagsabgeordneter und CDU-Mitglied. Herr Bosbach gehört zu den unaufgeregten, sachorientierten Politikern. Er drängt nicht mit Polemik in die Medien, sondern bleibt in seinen Diskussionsbeiträgen besonnen und in seiner politischen Überzeugung standhaft. Dass dies genügt, um zu einem