zum Inhalt

Inhaltsverzeichnis

Die eigene Vergänglichkeit hat die Menschen seit je beschäftigt. Im Motiv des Totentanzes findet dies seinen Ausdruck. Die beiden Bieler Künstler M.S. Bastian und Isabelle L. erneuern diese alte Tradition mit modernen Ausdrucksmitteln. Auf einem 64-teiligen Leporello entfaltet sich vor uns eine grausliche schwarz-weisse Apokalypse. Zombies hängen in den Bäumen, Totenschädel schwirren am Himmel, Krakenköpfe geifern. Es regnet Verderben. Hochhäuser stürzen zusammen, die Endzeit ist nah: memento mori.

Die beiden Künstler illustrieren den Weltuntergang in zeitgemässer Bildsprache, schwankend zwischen Horror und Lächerlichkeit. Im Gewimmel bleiben alle Figuren anonym, einzig ein Hitler-Popanz zeigt sich erkennbar. Indem sich Anfang und Ende nahtlos zueinanderfügen, bildet die «Bastokalypse» ein auswegloses Rund-Panorama, das im Original die stattliche Länge von 52 Metern aufweist. Die Zukunft ist die Vergangenheit. Walter Benjamins «Engel der Geschichte» vervielfältigt sich hier zum Schwarm, der von den Stürmen des Fortschritts richtungslos umhergewirbelt wird.

Mit diesem beeindruckenden Szenario setzen M.S. Bastian und Isabelle L. ihre früheren Projekte fort. Sie zeichnen mit den Mitteln einer populären Zeichensprache – Comic, Heavymetal-Trash – eine Vision der Gegenwart und variieren darin spielerisch bekannte Motive aus der Kunstgeschichte. Mit diesem Mix demonstrieren sie die Ambivalenz der Todessymbolik zwischen Hochkultur und Trivialität.

M.S. Bastian, Isabelle L.: «Bastokalypse». Zürich: Scheidegger & Spiess, 2010

Unterstützen Sie uns!

Dieser Artikel war frei zugänglich – ermöglichen Sie mit einer Spende den freien Zugang für alle.

Jetzt spenden

Aktuelles

Die grüne Erbsündenlehre

Die grüne Erbsündenlehre

Grüne Aktivisten instrumentalisieren die Sommerhitze. Doch statt Lösungen haben sie nur quasireligiöse Dogmen zu bieten. Giuseppe Gracia und Lukas Leuzinger diskutieren, warum der Staat ein schlechter Umweltschützer ist und wieso Technologie mehr bringt als Ideologie.

Ein Nachruf auf die Stimme des Schweigens

Ein Nachruf auf die Stimme des Schweigens

Vor 75 Jahren starb mit Ludwig Wittgenstein einer der faszinierendsten und bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Sein Sprachdenken ist aktueller denn je – als Gegenmittel zur Verrohung in der öffentlichen Kommunikation.

Krankheit lohnt sich

Krankheit lohnt sich

Prävention wird kaum honoriert, Krankheit dagegen zuverlässig finanziert. Die Pflege-Unternehmerin Alessia Schrepfer erklärt, warum diese Fehlanreize Patienten und Pflegekräfte belasten – und weshalb das System von Grund auf neu gedacht werden muss.