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Kultur

Warten auf Jo

Unsicherheit nagt an ihm, aber der Starrsinn siegt. Er will vieles, aber er kann nur eines. Deshalb wird er warten. Weiter warten. Floyd hat so lange gewartet, warum sollte er das jetzt ändern: «Wie ein Wild, das nicht weiter kann, vor ihm eine Klippe, hinten die Flinten im Anschlag.» Vor

Immer schön von unten links nach oben rechts

Während die Zeitungen im Wirtschaftsteil zu verstehen versuchen, wer die Finanzkrise angerichtet hat, liefert die Lausanner Schriftstellerin und Filmemacherin Marie-Jeanne Urech eine grandios schräge Vision des Börsensturzes. Ihr Roman «Mein sehr lieber Herr Schönengel» – auf Französisch schon 2006 vor der Finanzkrise erschienen – schildert eine vordergründig absurde Welt, in der

Er will packen mit der Gewalt des Affects

«Eine Untersuchung über Wesen und Entstehung des Barockstils in Italien» lautet der Untertitel der erstmals 1888 erschienenen Studie «Renaissance und Barock», eines kunsthistorischen Klassikers aus der Feder des 1864 in Winterthur geborenen Heinrich Wölfflin. Der 1945 verstorbene Schüler Jacob Burckhardts lässt allerdings kaum einen Renaissancepalast, kaum eine Barockkirche ausserhalb der

Von Hunden, Nachthemden und den fünfziger Jahren

Da wird die ganze Zeit einfach so dahingeplappert. Eine Kinderstimme. Ein kleines Mädchen, das vieles von dem, was um sie herum passiert, zwar noch nicht verstehen kann und es dennoch mit grossen Ohren und offenen Augen wahrnimmt. Langsam ändern sich die Zeiten. Das Mädchen wird älter, spürt zuweilen schon ein

Tibet – Schweiz, nicht retour

Wollte man unter der Flut von deutschsprachigen Büchern über das Schicksal des chinesisch besetzten Tibet und seiner Menschen nur ein einziges auswählen, um auf umfassende Weise zu erfahren, was am Himalaja geschehen ist und noch geschieht, so müsste es «Exil Schweiz. Tibeter auf der Flucht» sein. Auf die Initiative einer

Casting! Durchhalten!

Ja, da müssen Sie jetzt durch! Stellen Sie sich nicht so an! Eine Castingshow mehr oder weniger, das ist doch nicht zu viel verlangt. Ausserdem wird diesmal erfreulicherweise nicht gesungen, das ständige Brummen und Geträller war wirklich nicht mehr auszuhalten. In Milena Mosers Roman «Möchtegern» geht es unrhythmisch um die

Bin ich, ist der Tod nicht

Lässt sich das Sterben lernen? Wer mit der rationalen Auskunft von Epikur nicht zufrieden ist, wonach man den Tod nicht fürchten müsse, weil er uns nicht treffe («bin ich, ist er nicht, ist er, bin ich nicht»), sucht eine Antwort am besten in der konkreten Erfahrung mit Sterbenden. Das Büchlein

Hinein ins Bild

Bilder streben in die Fläche. Für einen Schriftsteller besteht so gesehen die Herausforderung bei der Bildbetrachtung darin, diese Flächigkeit sprachlich zu meistern. Ein Bild schreibend zu erkunden, kann freilich nicht heissen, es einfach nachzuerzählen. «Wichtig ist dabei weniger die Beschreibung der äusseren Gestalt als jenes Erleben und Empfinden, das sich

Lyrisches Geflitter trifft Bockmist

1981 debütierte Thomas Hürlimann mit dem Novellenband «Die Tessinerin», zugleich der erste Titel im Programm des damals neu gegründeten Ammann-Verlags. Bis heute sind bei Ammann zwanzig Bücher von Hürlimann erschienen, der damit zu den produktivsten und erfolgreichsten Autoren des Verlags gehört. Jetzt, zum Ende des Verlags, hat Ammann noch

Ein Schreibtisch im Flughafen

Eine Woche lang durfte der Schriftsteller Alain de Botton seinen Schreibtisch in den Terminal 5 des Londoner Flughafens Heathrow verlegen. Dessen Eigentümer Grupo Ferrovial, ein weltweit operierendes Unternehmen der Dienstleistungsindustrie, hatte den durch seine alltagsphilosophischen Bücher berühmten Autor als writer in residence engagiert. De Botton quartierte sich in einem neben

Warum Rudolf Roessler Eisenchlorid braucht…

Peter Kamber lässt in seinem historischen Dokumentarroman «Geheime Agentin» reale Personen in ihrem historischen Umfeld agieren; ihr Handeln und Sprechen soll dabei so wenig wie möglich von den historisch belegten Tatsachen abweichen. Abgestützt werden die fast tausendvierhundert Seiten Erzähltext durch einen im Internet publizierten Apparat, in dem die Datenlage offengelegt

…und Rainer Maria Rilke sich Geld leiht

«Begegnungen waren seine Lektüren stets», bemerkte Carl J. Burckhardt bei Gelegenheit über seinen Freund Hugo von Hofmannsthal. Das traf auch auf ihn zu, den gelehrten Diplomaten und homme de lettres aus Basel, das Idealbild eines Botschafters aus anderer Zeit. Aber auch was und wie Burckhardt schrieb, kann bis heute Begegnungen