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Kultur

Unter falscher Flagge

Daniel de Roulet vereinigt 27 «Porträts» von Zeitgenossen und historischen Persönlichkeiten, die alle, sagt sein Vorwort, «eine enge Beziehung» zur Schweiz haben. Die meisten sind Schweizer, die meisten Künstler. Jedem der Texte ist ein mehr oder weniger einleuchtendes Haupt- und Merkwort beigegeben: «Heimweh», «Asyl», «Patriotismus», «Ehrgeiz», «Distanz». Sie sollen die

Dem Erzählen vertrauen

Da ist der Morgenbus, fünfzehn Personen sind auf dem Weg in den Alltag, ein Erzähler schaut hin, vermerkt in kleinen, genauen Miniaturen, was er sieht: «Der Mann mit dem regennassen Filzhut, er putzt sich die Brillengläser sauber, und irgendeiner stinkt nach Rauch in diesem Gequetsche. Oder riecht er nach Knoblauch?

Star ohne Allüren

Nachhaltigen Ruhm erlangte sie durch ihre Titelrolle in Franz Schnyders Film «Gilberte de Courgenay» (1941), doch ihre grosse Liebe gehörte zeit ihres Lebens dem Theater: Anne-Marie Blanc. Der erste weibliche Star des Schweizer Films verstarb im Februar 2009 im Alter von fast 90 Jahren. In dem nur wenige Monate

Jeanne Hersch – hundert Jahre

Euphorischer Aufschwung und Scheitern zugleich: darin besteht die bleibende Erfahrung der ersten Liebe in Jeanne Herschs kurzem Roman gleichen Titels. Gerade weil sie beteuert, glücklich verheiratet zu sein, hält es die schwangere Protagonistin für dringlich, ihrem Mann (der während des Krieges an der Grenze wacht) davon zu berichten. Sich den

Eggheads vs. Gum-shoes

Zwei Namen sind jedermann geläufig, die repräsentativ nicht nur für die Schweizer Kriminalliteratur stehen, sondern im gesamten deutschen Sprachraum Klassikerstatus geniessen, nämlich Friedrich Glauser (1896–1938) und Friedrich Dürrenmatt (1921–1990). Beiden ist gemeinsam, dass sie sich dem Genre auch aus pekuniären Gründen zuwandten. Der zeitlebens unglückliche Ex-Dadaist Glauser

Kult und Frucht

Mit seiner Liebeserklärung an die Olive befindet sich Ralph Dutli in bester Gesellschaft. Schon Homer, Ovid und Vergil rühmten die Fruchtbarkeit und Langlebigkeit des Baumes, der den Griechen als heilig galt. Sein Holz war ausschliess-lich der Herstellung von Götterstatuen und dem Tempelbau vorbehalten, und wer gedankenlos einen Olivenbaum abholzte,

Schwierige Literatur mundgerecht gemacht

Können so viele Leser irren? Wenn ein literaturwissenschaftliches Kompendium vier Auflagen erzielt, dann ist dies zunächst einmal alles andere als selbstverständlich. Man wird also davon ausgehen dürfen, dass darin Antworten auf tatsächlich gestellte Fragen gegeben werden. Offenkundig holt der Verfasser, wie man so sagt, seine Leser dort ab, wo sie

Francesco reist nach Verbania

Eigenartig, es gibt Bücher, die wollen nicht zu dir, und wenn sie mal bei dir sind, wollen sie nicht bleiben. Für meine Kleinstbesprechung hatte ich das Buch «Die nackten Inseln» von David Signer bestellt. Bis das Buch zu mir kam, hatte es schon eine kleine Odyssee hinter sich. Von einem

Vita brevis, libri perennes

Jede Liebhaberei trägt für Aussenstehende den Stempel einer gewissen Skurrilität. Dass der Umgang mit Büchern aber geradeswegs zum Wahnsinn führe, wie Erasmus von Rotterdam andeutete, ficht wahre Bücherfreunde nicht an. Sie beschäftigen sich mit alten Graphiken, Handschriften, seltenen Frühdrucken, Inkunabeln, Holzschnittbüchern, Kupferstichwerken, Faksimiledrucken, Logbüchern, Kladden oder Flugblättern und beweisen aller

Warten auf Jo

Unsicherheit nagt an ihm, aber der Starrsinn siegt. Er will vieles, aber er kann nur eines. Deshalb wird er warten. Weiter warten. Floyd hat so lange gewartet, warum sollte er das jetzt ändern: «Wie ein Wild, das nicht weiter kann, vor ihm eine Klippe, hinten die Flinten im Anschlag.» Vor

Immer schön von unten links nach oben rechts

Während die Zeitungen im Wirtschaftsteil zu verstehen versuchen, wer die Finanzkrise angerichtet hat, liefert die Lausanner Schriftstellerin und Filmemacherin Marie-Jeanne Urech eine grandios schräge Vision des Börsensturzes. Ihr Roman «Mein sehr lieber Herr Schönengel» – auf Französisch schon 2006 vor der Finanzkrise erschienen – schildert eine vordergründig absurde Welt, in der