Kultur
Geteilte Freiheit
Der liberale Besitzindividualismus hat wenig Sinn für soziale Tatsachen. Gruppen, Kollektive oder Institutionen sind ihm fremd und suspekt. Er huldigt der Einzelperson, ihr gilt seine ganze Sorge. Jedes Individuum sei Eigentümer seiner selbst und seiner Fähigkeiten, lautet sein Credo. Dafür schulde es anderen nichts. Die Gesellschaft sei lediglich ein Forum
«In Kleinhüningen sind Bomben gefallen!»
Die 1980er mal anders: Engholm wird deutscher Bundeskanzler, Blocher von Nationalisten erschossen – und sowjetische Panzer rollen Richtung Gotthard. Wieso der Schriftsteller Urs Zürcher schon in seinem Debüt erheblichen Unfrieden vor der eigenen Haustür stiftet.
Männer im Museum – eine bedrohte Species?
Wissenschaftliche Untersuchungen haben sich der Frage gewidmet, wer gerne und wer weniger gerne über Kunst spricht, sich mit Kunst beschäftigt. Ergebnis: «Kunst» ist eher ein weibliches Gesprächsthema, ist eher in der Oberschicht und bei Menschen mittleren Alters verbreitet. Männer, Jugendliche und «Bildungsferne» gelten als «kunstscheu» und meiden Museen und Galerien.
Götterfreiheit
Von Geburt an hat jeder Mensch das unverjährbare Recht, in allem, was sich ausschliesslich auf ihn selbst bezieht, unabhängig von seinen Mitmenschen zu leben und sein Geschick nach eigenen Fähigkeiten zu gestalten. Er darf denken, was er will, glauben, was er will, beten, zu wem er will. Ungehindert darf er
Plündert die Geschichte!
Bauern, Mägde, Hokuspokus: Beim Feierabendtee in ihrer Stube erklärt Schriftstellerin Silvia Tschui, wieso es sich lohnt, die Schweizer Historie zu plündern und sie kreativ umzuformen. Und warum das – ansprechend präsentiert – auch im Ausland ankommt.
Frölein Eschers Gotthardfahrt
Verzehrt von Sehnsucht nach Süden, verzaubert die Magd Elsie in Silvia Tschuis Roman «Jakobs Ross» die Damen der Zürcher Society mit geheimnisvoll bestickten Stoffen. Wie daraus der Gotthardtunnel entstand, erklärt eine unpublizierte Passage des Romanmanuskripts.
R.I.P. Christoph Schlingensief
München – vor der Feldherrnhalle steht ein Karree aus Absperrgittern. Die Passanten schauen mässig interessiert, ein paar arabische Touristen ziehen vorüber, behängt mit Einkaufstaschen von Nobelmarken. Innerhalb der Absperrung befinden sich: ein Redner, einige Damen mittleren Alters, ein Rollstuhlfahrer, der innerhalb des Karrees unaufhörlich umherkurvt. Ausserhalb der Absperrung sind ca. 30
Beethoven vs. Senn
Popmusik ist für die Masse. Und klassische Musik für die Elite bzw. für Leute mit einem ‹gewissen Niveau›.» Davon war der Festivalleiter überzeugt, der mit mir das Programm für mein Konzert besprechen wollte. Das wenig ertragreiche Gespräch begann mit seiner Frage nach dem Stil meiner Eigenkompositionen, die er offenbar nicht
Ray’s Exterminating
«Statt Gift führe ich dem Volk liberale, intellektuelle Ameisen zu, die den Patriotismus der heimischen Ameisen untergraben und unter ihnen den Zweifel an der autoritären Herrschaft der Königin säen. Allmählich, über Generationen hinweg, wird die genetische Veranlagung der Ameisen derart geschwächt, dass sie nichts anderes mehr tun werden, als im
Freiheit, die sie meinen
Mit Freiheit betrügt man sich unter Menschen allzu oft. Wie die Liebe und die Gerechtigkeit zählt die Freiheit zu den erhabensten Werten, entsprechend erhaben fallen die Täuschungen aus. Mit dem Sturz des alten Regimes beginne die hohe Zeit der Freiheit, verheissen die Fahnen des Aufstands. Aber niemals war es die
Das Dia des Dialogs
Der Dialog – so könnte man wohl schlicht und einfach sagen – unterscheidet sich vom Monolog in erster Linie dadurch, dass er die Unterbrechung als strukturbildendes Element benutzt. Ein Gespräch kommt nur dann zustande, wenn die daran Beteiligten bereit sind, ihren Redefluss immer wieder zu unterbrechen oder unterbrechen zu lassen. Allein das