Seit Jahren benennt der französische Philosoph Pascal Bruckner nicht nur die destruktiven Tendenzen der Gegenwart, die andere für blosse Signien der «Vielfalt» und des Progressivseins halten, sondern kritisiert sie mit einer Unmissverständlichkeit, die im deutschsprachigen Raum kein Pendant kennt. «Ein nahezu perfekter Täter», seine in der Edition Tiamat veröffentlichte Abhandlung über die Konstruktion des weissen Sündenbocks, erörtert die Genese der Unvernunft, die in der Gegenwart insbesondere in Gestalt der Identitätspolitik wütet, und widmet sich in gebührender Schärfe deren jüngsten Erscheinungen: Diese reichen von der Rassifizierung des Sozialen über die Verwüstung der Öffentlichkeit beispielsweise durch die #MeToo-Kampagne bis hin zum akademisch aufbereiteten Hass auf Juden, an dem die Ikonen der Gefühlslinken noch kräftig mitmischen. Selbst dort, wo man mit den hier versammelten Ausführungen nicht übereinstimmt, ist anzuerkennen, dass diese um Längen erhellender und denkwürdiger ausfallen als das, was derweil in den hiesigen Feuilletons hoch gelobt wird. Um sich für kommende Zumutungen zu wappnen, die Bruckner einen drohenden «Krieg aller gegen alle» nennt, ist die Lektüre dieses Bandes dringend anzuraten. (vsv)
Pascal Bruckner räumt wieder mal auf
Während universitäre Forschung, Kulturbetrieb und Politik akute Probleme entweder ignorieren, schönreden oder verschärfen, sorgt der französische Philosoph geradezu im Alleingang für Ordnung.
Unterstützen Sie uns!
Aktuelles
Why People Replace Religion with Politics
Author and former CIA analyst Martin Gurri argues that the premises of the Enlightenment have collapsed. In conversation with Lukas Leuzinger, he talks about the consequences for democracy and why AI doom scenarios are overblown.
Die Emanzipation hat den Frauen alles gebracht – nur nicht das Glück
Frauen haben so viele Möglichkeiten wie noch nie. Zugleich scheinen sie überfordert. Das liegt daran, dass die Frauenbewegung ideologisch instrumentalisiert worden ist.
Trump: Kapitalistischer Held oder etatistischer Gauner?
Die Zwischenwahlen in den USA sind eine Weichenstellung für das Land. Giuseppe Gracia zieht eine positive Bilanz der Präsidentschaft von Donald Trump. Lukas Leuzinger sieht in ihm einen Antipoden des klassischen Konservatismus.
Die neuen Brandstifter und die Feigheit des Rechtsstaats
In Frankreich, Deutschland, Italien und nun auch in der Schweiz brennt es auf der Strasse. Die Täter rechnen nicht mit Konsequenzen, die Öffentlichkeit fürchtet die Ursachen.