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Robert Nef

ist Publizist und lebt in St. Gallen. Von 1991 bis 2008 war er Redaktor und Mitherausgeber des «Schweizer Monats».

Warum der «Zwang zum Guten» versagt

Kulturelle und soziale Aktivitäten werden heute oft voreilig als Staatsaufgaben definiert und generieren damit auch Staatsausgaben. Der Staat, Inhaber des Zwangsmonopols, finanziert sich aber zur Hauptsache durch Steuern, das heisst durch Zwangsabgaben. Damit wird der Bereich der Kultur und des Sozialen im Umfeld des Zwangs angesiedelt. Dies bleibt nicht ohne

Wodka

Die Verbreitung der westlichen Zivilisation ging vielerorts einher mit der Zerstörung indigener Kulturen durch Alkoholmissbrauch. Im Alten Testament und auch in der europäischen Geschichte gibt es aber genügend Beispiele für den umgekehrten Prozess: die Kultivierung eines ursprünglich barbarischen Umgangs mit Trunkenheit zu massvollen, gesellschaftlich integrierten Verhaltensweisen. Die griechische Maxime «Niemals

Editorial

Wenn im Dossier dieses Heftes nach dem Preis der Gerechtigkeit gefragt wird, so könnte der Eindruck aufkommen, auch die Gerechtigkeit werde damit zur käuflichen Handelsware degradiert. Wer die Dinge nicht nur beim Wort nennt, sondern den Worten auch umfassendere Bedeutungen zutraut, wird jedoch nicht daran Anstoss nehmen, wenn auch im

Schranken der Demokratie, Schranken der Regierung

In der Schweiz ist eine Volksabstimmung eine verbindliche Volksbefragung, keine Ausnahmesituation, die die Regierung gewinnt oder verliert. Die Kollegialregierung muss sachlich informieren, darf aber nicht kampagnenhaft für die Regierungsmehrheit werben.

(0) Weltwirtschaft ohne Weltregierung

Globalisierung wird sehr häufig mit einer schädlichen «Entfesselung der Marktkräfte» gleichgesetzt. Bei einer längerfristigen und grundsätzlichen Betrachtungsweise ist es aber gerade diese Entfesselung, die weltweit die Armen reicher macht. Die Frage, ob eine globalisierte Wirtschaft nicht letztlich auf einen Weltstaat angewiesen wäre, wird immer wieder aufgeworfen. Der autarke «geschlossene Handelsstaat»

Kein Ende der Reformsucht?

Ein Ausstieg aus der Rechtschreibreform hat faktisch stattgefunden. Die Experten wiegeln ab, den Schaden trägt die Schule. Die Politik drückt sich vor Entscheidungen, und wichtige Fragen bleiben unbeantwortet.

Eigennutz und Sympathie

Gegen den Vorrang der Politik Die Menschen verhalten sich rational und emotional, in einer komplexen Mischung. Sie orientieren sich an ihrem Eigennutzen, sind aber gleichzeitig auch darauf angewiesen, anerkannt, geschätzt und geliebt zu werden.

Wege aus der Mehrheitsfalle

Lehren aus der Abstimmung vom 16. Mai Es braucht in der Schweiz ein Umdenken gegenüber dem sozialen Stellenwert des Gewinns, eine schrittweise Abkehr vom Neid-Paradigma, das unter dem Motto «Soziale Gerechtigkeit» auch die bürgerliche Politik dominiert.

«Wirtschaftspartei», «Problempartei»?

Farbe bekennen, auch gegen den Strom Auch und gerade in schwierigen Zeiten müsste die FDP der Versuchung widerstehen, modische Argumentationsmuster zu übernehmen und dort Kompromisse zu machen, wo Grundsätzliches in Frage steht.

«Seid einig – einig – einig –»

Es ist kein Zufall, dass die politische Konkordanz, als «Übereinstimmung der Herzen», zum eigentlichen Staatsmythos der Schweiz geworden ist und über alle Schwierigkeiten der Konsensbildung hinwegtrösten soll. Der sterbende Adlige Attinghausen beschwört in Schillers «Tell» die Einigkeit, jene Ressource, die immer dann am knappsten ist, wenn das Alte gestürzt wird

Dem Neuen zum Durchbruch verhelfen

Die «Jungfrau von Orleans» und «Wilhelm Tell» als Innovatoren Sowohl «Tell» als auch «Jeanne d’Arc» sind – entgegen Schillers Intention – als Idole des Nationalismus missbraucht worden. Man kann beide Figuren aus heutiger Sicht als Unternehmer im Bereich der politischen Ideen deuten.