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Karen Horn

Karen Horn lehrt ökonomische Ideengeschichte an der Humboldt-Universität Berlin und Universität Erfurt. Sie ist Chefredaktorin von «Perspektiven der Wirtschaftspolitik». Zuletzt veröffentlichte sie…

Volk

«Ein Volk ist ein einziges Herz, das in Millionen von Brüsten schlägt, ein einziger Atem, eine einzige Hoffnung.» Marine Le Pen Vorsitzende und Präsidentschaftskandidatin des Front National, in ihrer Rede zum Wahlkampfauftakt in Fréjus am 18. September 2016. Begriffe entstehen und wandeln sich im Gebrauch. So kann ein und dasselbe

Postfaktisch

«Postfaktisches Zeitalter im #Nationalrat. Entgegen Wissenschaften & Innovation wieder ein #GentechMoratorium.» FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen am 6. Dezember 2016 auf Twitter Manche Modewörter sind wie Sternschnuppen. In dem Moment, in dem sie aufkommen, sind sie blitzartig erhellend, weil sie einen Aspekt der Wirklichkeit auf den Punkt bringen. Doch im Nu

Populismus

«Wer sich kritisch in einer Weise äussert, die populär ist, nicht ohne weiteres widerlegt werden kann, systemkritisch, aber keine Kritik von links ist, der muss ein Populist sein.» Thilo Sarrazin Publizist, in der F.A.Z. vom 6.6.2016 zur öffentlichen Empörung über seine Thesen. Definieren durch Draufzeigen ist

Zensur

«Facebook tritt fehl, wenn es diese Bilder zensiert.» Erna Solberg norwegische Ministerpräsidentin, am 9. September zur Entfernung ihres Posts mit dem berühmten Foto des nackten Mädchens, das im Vietnamkrieg vor einer Napalm-Brandwaffe flieht. Kürzlich konnte der Fruchtsaftproduzent True Fruits einige Aufmerksamkeit wecken, weil sich die Münchner Verkehrsgesellschaft weigerte, seine

Multikulti

«Multikulti» ist die so alberne wie despektierliche Verballhornung von «Multikulturalismus». Kritiker verorten dessen Ursprung wahlweise in linker Naivität, in Werterelativismus oder in der Hinterhältigkeit, die westliche Kultur abschaffen zu wollen. Dabei lässt sich dem eigentlich von bester liberaler Offenheit getragenen Konzept einiges abgewinnen, wenn man nicht den Rechtsrahmen unterschätzt und

Elite

Es vergeht kaum ein Tag, ohne dass sich irgendwer über «die Eliten» ereifert, im raunenden Plural. Wer auch immer damit mit «denen da oben» im Einzelfall gemeint ist, die Phalanx der negativen Konnotationen, die ihn treffen, ist stets dieselbe: Ignoranz, Arroganz, Abgehobenheit, Degenerierung, Klüngel, Verlogenheit. Man reibt sich die Augen:

Bürgerlich

Sämtliche nichtlinken Parteien heften sich das Etikett «bürgerlich» an. Das klingt solid, liberal und harmlos; in vielen Fällen passt das auch. Nichtlinks sind indes auch die ganz und gar nicht harmlosen Agitatoren von Pegida, die sich als («besorgte») «bürgerliche Bewegung» sehen, und die «bürgerlich-konservative» AfD, die an der Grenze

Gutmensch

«Gutmensch!» Mit diesem Wort entlädt sich schiere Aggression gegenüber einer womöglich allzu ostentativen, auf jeden Fall lästigen Wertorientierung des politischen Gegners. Es zielt ohne jegliche Umschweife auf dessen Person, statt sich länger mit dessen Handeln oder Argument aufzuhalten – und genau deshalb gehört es auf die Müllhalde der politischen Rhetorik. Der

Gesinnungsethik

«Gesinnungsethik» gehört zum aktuellen Aggressionsvokabular. Gemeint sind zumeist fahrlässige Vereinfachung, Irrationalität, Unreife, Unfähigkeit. Doch das ist eine polemische Verdrehung des Begriffs, der vielmehr eine Orientierung an Grundwerten benennt. Eine solche Richtschnur ist gerade in der Politik essenziell. Lindner scheint das zu wissen, weshalb er seine Rüge noch mit dem Wort

Auf dem rechten Auge blind?

Auf dem rechten Auge blind?

Ein kritischer Blick ins konservative Lager der Liberalen – wo man mit Fortschritt, staatlicher Nichtdiskriminierung und Demut nicht viel anfangen kann. Und lieber auf Staatshass, Ökonomismus und nationale Kollektive setzt.

Wo der Hammer hängt

Wo der Hammer hängt

Spannungen zwischen Wirtschaft und Politik gehören zur Ordnung der Freiheit dazu. Nicht aber das anmassende Hineinregieren einer sich allmächtig gebärdenden Politik. Die Einengung der Privatsphäre hat wahrhaft destruktives Potential.

Vergesst Rousseau!

Vergesst Rousseau!

Jean-Jacques Rousseau war weder ein origineller Denker noch hat er der Freiheit einen Dienst erwiesen. Im Gegenteil. Dank seines süssen Gifts des «gemeinen Willens» landen offene Gesellschaften direkt im Kollektivismus. Wir sollten ihn endlich vergessen.

Das Wunder des Bleistifts

Das Wunder des Bleistifts

Kein einzelner Mensch weiss genau, wie ein Bleistift hergestellt wird. Und doch ist es das normalste Schreibgerät der Welt, das täglich millionenfach produziert, gekauft und verkauft wird. Wie ist das möglich?

Einmal im Jahr sind Ökonomen die Helden

Diesmal also Thomas Sargent und Christopher Sims. Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ging an zwei Forscher, die den heutigen Instrumentenkasten der Makroökonomik wesentlich geprägt haben. Zwar mäkeln Kritiker: angesichts der globalen Finanzkrise hätte man die Demontage des keynesianischen Ansatzes durch die Theorie der rationalen Erwartungen, an der sich seinerzeit die beiden