«Tanz oder stirb» lautet das Tattoo, das sich der Tänzer Ahmad Joudeh aus Damaskus in Hindi auf den Nacken tätowieren liess. Für den Fall, dass er im syrischen Bürgerkrieg in die Fänge des «Islamischen Staats» geraten würde, sollte der hinter ihm stehende Henker im Moment der Hinrichtung auf die Lebensbejahung des Opfers blicken – dessen letzter Akt an Würde inmitten der Barbarei. Glücklicherweise kam es anders: Mit Hilfe des niederländischen Nationalballetts konnte Joudeh 2016 nach Amsterdam ausreisen, wo er seither lebt und die Bühne nunmehr mit Weltstars teilt. Die Dokumentation «Dance or Die» des Regisseurs Roozbeh Kaboly, die mit einem Emmy Award ausgezeichnet wurde und bis April 2021 auf Arte zu sehen ist, hält seinen Weg nach oben fest: Er führt von den Kriegsruinen und der vormaligen Hinrichtungsstätte der «IS»-Schergen in Palmyra über die Ankunft in Europa zum internationalen Ruhm. Sehenswert, weil hier dem grenzenlosen islamistischen Hass auf alles Kulturelle eine individuelle Geschichte entgegengehalten wird, in der die Lust am Leben obsiegt, und eine Erinnerung daran, dass die anonymisierende Rede von den «Flüchtlingsmassen» genau das verdeckt, was in Europa anerkannt und gefördert werden sollte: die Begabung des einzelnen. (vsv)
Tanz oder stirb
Arte zeigt Roozbeh Kabolys preisgekrönte Dokumentation über den Tänzer Ahmad Joudeh.
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