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Kultur

Bünzliges Bümpliz

Die afghanische Graffiti-Künstlerin «Shamsia» (aka Ommolbanin Hassani) ist im Westen sehr beliebt. Ihr Markenzeichen sind lebensgrosse Frauenfiguren in leuchtendblauen Burkas, die sie auf die grauen und durchlöcherten Mauern der afghanischen Hauptstadt Kabul sprüht. Der jungen Künstlerin und Kunstschuldozentin wird hoch angerechnet, dass sie zumindest den Anspruch der Frauen auf

Dreihundertdollarsandwiches

«Singapur ist teuer», warnte ich ihn schon am Telefon. Mein Schweizer Freund lachte und meinte, dass es wohl teurer als zwischen Basel und Chiasso kaum sein könne. Er sollte sich bös irren. Als er kam, zeigte ich ihm den Wasser speienden Merlion und die anderen Wahrzeichen der Stadt, unter anderem

Sehnsucht und Elend des Kunstsammlers

Ohne die Sammler würde der Kunstmarkt zweifellos nicht funktionieren. Einerseits ist der gesamte Kunstbetrieb von einer tiefen Dankbarkeit ihnen gegenüber erfüllt, andererseits von latenter Aggression. Daher ist es an der Zeit, hier einmal einen Blick auf die Motive und Gemütszustände der Konsumenten, der Kunstkäufer und Sammler zu werfen. 1. Das

John Wayne und die Korrektokratie

Die Reise durch die USA begann in Hollywood. Und zwar mit ungebremstem Fanatismus für John Wayne in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett. Genauso wild und frei wie John wollten wir auch sein – also fuhren wir spontan nach Tombstone. In der Cowboystadt im Süden Arizonas war alles originalgetreu nachgebaut: von der Sattlerei über

Duracellhasen im Betrieb

Das zentrale Stichwort seiner letzten Kolumne bringt Ingold erst im letzten Satz. Man könnte deshalb versucht sein, es zu überlesen. Das aber wäre ein grosser Fehler. Denn was im kulturellen Kontext «industriell» und allein deshalb «dubios» anmutet, ist ein fundamentales Problem unserer Zeit, das alle Lebensbereiche – vom Arbeitsplatz über den

Hangar

Alte Leute haben mich immer schon fasziniert. Sie können einem Geschichten vom und über das Leben erzählen. Die Begegnung mit einem etwa siebzigjährigen Mann auf meiner Amerikareise wird mir ewig in besonderer Erinnerung bleiben. Sein Name war George. Er trug eine Baskenmütze auf dem Kopf und eine Brille mit dicken

Schwarz, klein, wild

Im Januar besuchte Autor Andreas Knobloch den kubanischen Schriftsteller Pedro Juan Gutiérrez in Havanna und führte ein ausgiebiges Interview. Gutiérrez gab ihm drei unveröffentlichte Gedichte mit, die Michael Pfister übersetzt hat.

Wem der Schuss gehört

Wem der Schuss gehört

Felix Philipp Ingold entwickelt einen Roman über den polnischen Literaten Jan Graf Potocki (1761–1815). Wie in einem Computerspiel vermischt sich historische Realität mit Fiktion. Potocki reist durch die Aufklärungszeit, gerät auf Malta in ein Duell, das erst Jahre später endet.

«Sangue-sue!»

«Sangue-sue!» Ja, da bin ich mir ganz, ganz sicher. Feminin. Auch da bin ich mir sicher. Ich habe das Wort in Taman Negara gelernt, einem Dschungel in Malaysia. Der zweitägige Ausflug begann mit einer wunderschönen Bootsfahrt über einen Fluss. Mein Reisepartner war ein Freund aus dem französischsprachigen Teil Belgiens.

Larionows Aufzeichnungen

Larionows Aufzeichnungen

Russland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: der junge Offizier Larionow möchte dem Vaterland dienen – und sieht sich nun mit der Frage konfrontiert, wie in der Armee die Menschenwürde zu bewahren sei. Doch der Alltag verändert die Ideale des Humanisten schon bald grundlegend.

Die Brücke

Hier ist nicht Asien, nicht Europa. Nein: hier ist die Brücke dazwischen. Buchstäblich. Gerade stehe ich – unfreiwillig, denn mein Mietwagen ist stehengeblieben – zwischen zwei Kontinenten, auf der Bosporus-Brücke: der Wind in meinen Haaren weht aus Asien herüber, der Teer unter meinen Füssen, klebend an einer monströsen Stahlkonstruktion, stammt aus

Kiosk

Die Frau ist im Bild, Diana tot, Lady, wie weiter im Leben, Löcher gestopft, Laken geglättet, Liebling gefüttert, Tierwelt zum Trost, doch dem Elend kein Ende, Lonesome George ist auch nicht mehr. Die Frau mit Herz erliegt dem Verstand eines Arztes, vertraut auf die Wirkung des Stoffes, aus dem Romane