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Dossier

(9) «Italiener müssen wir werden!»

Nicht etwa, dass Italien alles besser machte als Deutschland, schon gar nicht in der Politik. Dort indes, wo es um die Einstellung der Menschen zum Staat und zur Regierung geht, könnten die Deutschen von ihren Freunden im Süden vielleicht doch etwas lernen.

(1) Das Missverständnis von «Lissabon»

Der «Beschluss» des EU-Rats im Jahr 2000 in Lissa-bon, die EU zum «wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum» zu machen, markiert keinen epochalen Neubeginn, sondern zeugt von einer massiven Überschätzung der politischen Planbarkeit des Wachstums.

(2) Spiele in der Politik

mit Charles Wyplosz und Alexis Lautenberg Im Jahr 2000 haben EU-Politiker in der «Lissabon»-Strategie unerreichbare Ziele formuliert, mitunter im Bewusstsein, ein riskantes Spiel zu spielen. Dieses Vorgehen hat auch die Frage aufgeworfen, welche Art von Koordination man künftig auf EU-Ebene will.

(0) Dienstleistung Kunst

«Was, der Kerl schreibt für Geld?». Mit diesem entsetzten Ruf soll Beethoven einen Roman seines Zeitgenossen Walter Scott in die Ecke geschleudert haben. Es scheint für die Schriftstellerei ebenso wie für die Musik oder die Malerei zu gelten: Geld verdunkelt das Strahlen der Kunst. Wird mit dieser doch gerne die

(1) L’art pour le service

Die Moderne ist nicht nur die Epoche, in der die Ökonomisierung mehr als je zuvor die Kunst ergriffen hat. Gleichzeitig ist für sie auch die Idee kennzeichnend, Kunst und Autonomie gehörten zusammen. Ein Rückblick in die Geschichte, als die Kunst sich für den Nutzen noch nicht zu schade war.

(2) Kunst als Schmuck hat ausgedient

Grossunternehmen kaufen grosse Kunst? Diese Regel gilt nicht mehr. Unternehmen investieren in zeitgenössische Kunst nur, wenn sie zur Wertschöpfung beiträgt – für Innovationsmanagement, Corporate Identity, Raumentwicklung und Werbung.

(3) Kunsterziehung für das Humankapital

Albert Barnes, amerikanischer Unternehmer, gründete 1922 die Barnes Foundation. Er kaufte Kunstwerke, um seine Mitarbeiter zum Weltbürgertum zu erziehen und ihnen analytisches Betrachten beizubringen. Dies sollte Toleranz fördern und ihnen helfen, mit Rassenkonflikten besser umzugehen.

(4) Musik als Dienstleistung?

Im Kontext internationaler Organisationen und Regelwerke wird das Produzieren und Reproduzieren von Musik neuerdings als «Dienstleistung» bezeichnet. Das Nachdenken über die sprachliche Ökonomisierung auch dieses Lebensbereichs mündet in eine Reflexion über die schwierige Kunst, selber hinzuhören.

(7) Ode, schöner Götterfunken

Beethovens «Ode an die Freude» aus der Neunten Symphonie hat eine bewegte Geschichte: 1936 bei Olympischen Spielen aufgeführt, 1972 zur Europahymne erklärt, heute in Film, Werbung und Popmusik präsent. Das Werk wurde vielfach politisch und kulturell vereinnahmt.