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Dossier: «Dienstleistung Kunst»

Dienst, Leistung und dann noch Kunst? Dient, wer etwas leistet? Leistet, wer dient? Vor allem: leistet die Kunst noch etwas, wenn sie dient? Kann im Zusammenhang mit Kunst überhaupt von einer «Dienstleistung» gesprochen werden, ohne die Kunst zu kompromittieren?

(0) Dienstleistung Kunst

«Was, der Kerl schreibt für Geld?». Mit diesem entsetzten Ruf soll Beethoven einen Roman seines Zeitgenossen Walter Scott in die Ecke geschleudert haben. Es scheint für die Schriftstellerei ebenso wie für die Musik oder die Malerei zu gelten: Geld verdunkelt das Strahlen der Kunst. Wird mit dieser doch gerne die

(1) L’art pour le service

Die Moderne ist nicht nur die Epoche, in der die Ökonomisierung mehr als je zuvor die Kunst ergriffen hat. Gleichzeitig ist für sie auch die Idee kennzeichnend, Kunst und Autonomie gehörten zusammen. Ein Rückblick in die Geschichte, als die Kunst sich für den Nutzen noch nicht zu schade war.

(2) Kunst als Schmuck hat ausgedient

Grossunternehmen kaufen grosse Kunst? Diese Regel gilt nicht mehr. Unternehmen investieren in zeitgenössische Kunst nur, wenn sie zur Wertschöpfung beiträgt – für Innovationsmanagement, Corporate Identity, Raumentwicklung und Werbung.

(3) Kunsterziehung für das Humankapital

Albert Barnes, amerikanischer Unternehmer, gründete 1922 die Barnes Foundation. Er kaufte Kunstwerke, um seine Mitarbeiter zum Weltbürgertum zu erziehen und ihnen analytisches Betrachten beizubringen. Dies sollte Toleranz fördern und ihnen helfen, mit Rassenkonflikten besser umzugehen.

(4) Musik als Dienstleistung?

Im Kontext internationaler Organisationen und Regelwerke wird das Produzieren und Reproduzieren von Musik neuerdings als «Dienstleistung» bezeichnet. Das Nachdenken über die sprachliche Ökonomisierung auch dieses Lebensbereichs mündet in eine Reflexion über die schwierige Kunst, selber hinzuhören.

(7) Ode, schöner Götterfunken

Beethovens «Ode an die Freude» aus der Neunten Symphonie hat eine bewegte Geschichte: 1936 bei Olympischen Spielen aufgeführt, 1972 zur Europahymne erklärt, heute in Film, Werbung und Popmusik präsent. Das Werk wurde vielfach politisch und kulturell vereinnahmt.

(8) Staat, Markt und Kultur

In der kulturpolitischen Debatte geht es um die Fähigkeit des Staates, Kultur zu fördern. Staatsgläubige und Marktgläubige stehen sich dogmatisch gegenüber. Doch Kultur ist ihrem Wesen nach näher beim freien Austausch als beim staatlichen Zwang.

(9) Die Enteignung der Kultur

Wo Kunsthandel zum Termingeschäft verkommt, läuft letztlich auch die Kunst Gefahr, ihre Stetigkeit als Institution zu verlieren. Der Autor beschreibt eine ungute Entwicklung, deren Ursachen er nicht etwa im Kapitalismus, wohl aber in Auswüchsen neoliberalen Wirtschaftens festmacht.