Die Opferhaltung ist eine falsche Freundin
Viele glauben, auf ideale Mitmenschen angewiesen zu sein, um vertrauen zu können. Doch vertrauen kann nur, wer sich traut.
Viele glauben, auf ideale Mitmenschen angewiesen zu sein, um vertrauen zu können. Doch vertrauen kann nur, wer sich traut.
Von der Zelle über das Organ bis zum Menschen und zu Institutionen: Sie alle treffen Vorhersagen, um am Leben zu bleiben; das ist Leben. Wenn eine Vorhersage verlässlich ist, entsteht Vertrauen. Zu leben heisst, auf Vorhersagen zu vertrauen, die über Milliarden Jahre verfeinert wurden.
Dass immer weniger Menschen den Medien und der Politik glauben, ist hausgemacht. Statt selbstkritisch über die Bücher zu gehen, werden Andersdenkende diffamiert. Zeit für einen Kurswechsel.
Dem Gerede um eine angebliche Vertrauenskrise zum Trotz: Nur die wenigsten Menschen mutieren zu hoffnungslosen Zynikern. Und dafür gibt es gute Gründe.
Die aktuellen Erhebungen des Edelman Trust Barometer zeichnen ein ernüchterndes Bild: In vielen Ländern verlieren zentrale Institutionen spürbar an Vertrauen.
Politische und gesellschaftliche Eliten haben das Vertrauen ihrer Bevölkerung verspielt. Wollen sie es zurückgewinnen, müssen sie ihr bisheriges Betriebsmodell grundlegend überdenken.
Wenn sich immer weniger Menschen zuständig fühlen, gerät das Verhältnis zwischen Bürger, Gesellschaft und Staat in Bewegung – mit spürbaren Folgen für Vertrauen, Gemeinsinn und die staatliche Ordnung.
Die direkte Demokratie ist ein Instrument des Misstrauens, das Vertrauen fördert. Doch das ist nicht in Stein gemeisselt. Das Verhältnis zwischen Bürgern und dem politischen Establishment ist auch in der Schweiz getrübt.
Etablierte Medien stecken in einer Vertrauenskrise. Wer dafür den «Fake News» im Internet die Schuld gibt, macht es sich zu einfach.
Leitmedien manipulieren ihr Publikum durch gezieltes Weglassen, sagt YouTuber Daniel Stricker. Sozialwissenschafter Marko Kovic hält dagegen: Misstrauen wird auch bewusst geschürt. Im Gespräch ringen sie um die Frage, worauf wir überhaupt noch vertrauen können.
Erkenntnis und Fortschritt basieren auf institutionalisiertem Misstrauen. Die Wissenschaft ist keine Wahrheitsinstanz, sondern eine Institution, in welcher der Konkurrenzgeist lebt.
Ich habe die Hyperinflation in Venezuela überlebt. Wenn Geld seine Funktion verliert, verarmen die Menschen nicht nur materiell.
Viele Chefs sprechen von Vertrauen, wollen aber alles kontrollieren. Sie vergessen, dass Angestellte mehr sind als Rädchen in einer Maschine: Sie brauchen Freiräume – dann übernehmen sie auch Verantwortung.
Die künstliche Intelligenz schadet unserer Psyche und zerstört das Fundament unserer Gesellschaft.
Was Google gratis anbietet, bezahlen wir mit Autonomie. Statt den Tech-Giganten blind zu vertrauen, sollten wir ihre Macht einhegen.