Kultur
Entscheidungsfreiheit
Entscheidungen sind wenig beliebt. Sie kommen vielen Menschen ungelegen, denn sie verändern etwas. Entschlüsse setzenneue Tatsachen, neue Verbindlichkeiten. Zwar ruft alle Welt nach Entscheidungen, doch ist das Prinzip der Dezision seit langem in Verruf. Stets haftet dem Entschluss der Geruch der Willkür an. Dies widerspricht der Sehnsucht nach Harmonie, Kompromiss
Kinder aus dem Eis?
Carl Djerassi gilt als Wegbereiter der Frauemanzipation durch die Erfindung der «Pille». Der Chemiker beschäftigt sich heute weniger mit Verhütung als vielmehr mit zukünftigen Möglichkeiten für freie Sexualität. Ein Besuch bei dem Visionär, der auch Schriftsteller und Kunstmäzen ist.
Der vollkommene Augenblick
Merke: wenn du das nächste Mal spätabends auf einer Strasse voll dunkler Läden durch die ausgestorbene Innenstadt läufst und ein Besoffener hängt sich aus seinem Pick-up und schreit dir «Hey, du Schwuchtel!» hinterher, dann wirf ihm keinen Luftkuss zu. Erwäge die folgenden Alternativen: Bete. Stell dich taub. Hol den
Das kann dann mal weg
Skandal in der Kunstwelt! Das landeseigene nordrhein-westfälische Spielcasino «Westspiel» in Aachen verscherbelte zwei Bilder von Andy Warhol in einer Auktion von Christie’s – mit dem Ziel, den NRW-Landeshaushalt zu sanieren und neue Investitionen in die Casinolandschaft tätigen zu können. Verwundert rieb sich mancher die Augen: ein Spielcasino mit
Arbeitsfrei
Um zu überleben, musste der Mensch immer arbeiten. Von Anbeginn stand seine Existenz unter diesem Joch. Tagtäglich folgt er dem Kreislauf der Selbsterhaltung, dem endlosen Wechsel von Verausgabung und Regeneration, von Erzeugen und Verbrauch. Arbeit und Konsum. In diesem Mühlrad fristet er sein Dasein. Von der Notdurft des Lebens sind
Der Eiserne Vorhang, die Liebe und des Lesers Hirn
Nach 20 Jahren Sendepause meldet sich Schriftsteller Rolf Niederhauser mit einem fulminanten Gesamtkunstwerk zurück, das Versatzstücke aus Road Novel, Wissenschaftsprosa und Philosophie kombiniert. Ein Ausflug ins Basellandschaftliche – und in unser aller Bewusstsein.
Lange Nächte
Das Museum (aber auch die Galerie, die Kunsthalle u.ä.) gilt vielen Menschen als eher unbehaglicher Ort intellektueller Anstrengung und emotionaler Kontrolle. Auf dieses Unbehagen reagieren pädagogische Programme und festliche Events, speziell die «Langen Museums-nächte». Sie sollen, Achtung, ein «kunstfernes Publikum» anlocken. Durch Wein (seltener: Weib), manchmal Gesang, aber
Geld und Freiheit
Dem Geld sagt man nach, es sei «gemein», weil es das Äquivalent für alles und jedes sei. Alles mache es gleich, alles unterwerfe es seinem Regime. Wenn aber alles käuflich ist, ist nichts mehr unbezahlbar. Liebe und Leistung, Geist, Glück und Gut, alles wird nach dem Geldwert bemessen. Die Monetarisierung
Gefangen von der Stadt
Kein Stau an der Limmat! Wenn Teju Cole durch Städte streift, sucht er spazierend nach ihren Wesen und Wunden, verheddert sich in ihren Widersprüchen und schärft aus der Distanz den Blick für seine eigenen Heimstädte. Der weltläufige Autor über Irrwege zwischen Zürich, Lagos und New York.
Art Consultant in U-Haft
«Art Consultant» – mit diesem Berufsbild verbindet man Lachsschnittchen satt, Prosecco bottomless, Art-Basel-Preview und anschliessend Dinner beim Sammler auf Sylt. Kann so ein Job überhaupt gefährlich werden? Allenfalls für den Cholesterinspiegel vielleicht. Helge Achenbach jedenfalls wurde zugeschrieben, das «Art Consulting» in Deutschland erfunden zu haben. Nun sitzt der rheinische