Dossier: «Innovation - ermöglichen statt planen»
Die Menschheitsgeschichte könnte als das Experiment gedeutet werden, das die Natur mit dem Menschen durchführt. In den letzten zwei Jahrhunderten aber hat sich der Mensch immer häufiger auch als Experimentator, d.h. als Ingenieur und Planer aufgespielt. Innovation und Wachstum wurden dadurch zu einem «Experiment des Menschen mit dem Menschen» im Laboratorium der Geschichte.
(1) Das Missverständnis von «Lissabon»
Der «Beschluss» des EU-Rats im Jahr 2000 in Lissa-bon, die EU zum «wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum» zu machen, markiert keinen epochalen Neubeginn, sondern zeugt von einer massiven Überschätzung der politischen Planbarkeit des Wachstums.
(2) Spiele in der Politik
mit Charles Wyplosz und Alexis Lautenberg Im Jahr 2000 haben EU-Politiker in der «Lissabon»-Strategie unerreichbare Ziele formuliert, mitunter im Bewusstsein, ein riskantes Spiel zu spielen. Dieses Vorgehen hat auch die Frage aufgeworfen, welche Art von Koordination man künftig auf EU-Ebene will.
(3) Konsumenten, Produktivität und Zuwanderer
Europas Wachstumsschwäche ist relativ neu. Ein Unterschied zu den USA: US-Konsumenten haben mehr Mitsprache. Europa muss zudem mit alternder Bevölkerung länger arbeiten und Zuwanderer integrieren.
(4) Tüftler, Unternehmen oder kollektive Anstrengungen?
Mit Thomas Held: Im Privatsektor entstehen Produktivitätssteigerung und Innovation. Der Staat schafft Rahmenbedingungen. Doch Innovationen entstehen oft durch kollektive Anstrengungen mit staatlicher Unterstützung, nicht nur privaten Tüftlern.
(5) Ansprüche an die Hochschulen
Hochschulen fördern Bildung und Forschung sowie Wissenstransfer. Europa schneidet dabei weniger effizient ab als die USA, teilweise wegen des dominierenden ProporzDenkens. Thomas Straubhaar und Alexander Zehnder analysieren diese Unterschiede.