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Dossier: «Appenzellerland – klein und erfolgreich»

Wäre Adam Smith je im Appenzellerland gewesen, er hätte für seine Theorie vom gesellschaftlichen Segen des Freihandels und der Arbeitsteilung reichlich Argumente gefunden.

(0) Auftakt

«Herkunft aber bleibt stets Zukunft» – so Martin Heidegger. Doch genügt der Stolz auf die Herkunft, um stets auch Zukunft zu haben? Die beiden Appenzell, Innerhoden und Ausserrhoden, sind – jedes in seiner Weise – traditionsbewusst. Heimat wird in beiden Gemeinschaften nicht «im Blick zurück» erlebt, sondern im behutsamen Umgang mit dem Neuen.

(1) Konkurrenz und Kooperation

Sie sind jeder mehr als halb und doch nicht ganz: Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden. Wenn sich zwei Schwesterkantone zu ähnlich sehen, versuchen beide, anders zu sein als der andere. Das gelingt ihnen nicht immer. Zum Glück.

(2) «Wir haben einen Sympathiebonus»

Robert Nef und Marianne Kleiner diskutieren über Appenzellerland. Aussen wirkt die Region traditionell, doch kleine Gemeinschaften überleben nur durch Anpassung an neue Situationen, ohne ihre Eigenheiten zu verlieren. Ein Gedankenaustausch zweier Appenzeller über ihre Heimat.

(3) Wie die Kleinen die Grossen überholen

Die Kleinkantone nutzen ihre Chance. Mit attraktiven steuerlichen Rahmenbedingungen locken sie neue Unternehmen, kurbeln das Wirtschaftswachstum an und stoppen die Abwanderung. Die grossen Kantone müssen aufpassen, dass sie nicht ins Hintertreffen geraten.

(4) Der Riss zwischen Alltag und Brauchtum

Traditionen sind den Appenzellern lieb, und darum möchten sie ihre Bräuche für alle Ewigkeit bewahren. Trotzdem hat sich das Brauchtum im Lauf der Zeit gewandelt. Auch wenn die Werbewirksamkeit überlieferter Rituale und Trachten punktuell ausgenützt wird, ist es noch nicht zum Schaulaufen verkommen.

(5) Appenzellermusik zwischen Tradition und Innovation

«Das Feuer, nicht die Asche bewahren» ist der Leitsatz des Zentrums für Appenzellische Volksmusik. In der Appenzellermusik prallen heute experimentelle Stücke, die Suche nach neuen Wegen und aller- hand Fantasien auf Traditionelles: ein Schmelztiegel, der das Musizieren belebt.

(6) Von der freien Kunst des Heilens

«Die freie Heiltätigkeit ist gewährleistet» – mit diesem Passus der geltenden Kantonsverfassung bekennt sich Appenzell Ausserrhoden zu einer liberalen Tradition, die bis vor kurzem noch in der Schweiz als Kuriosum und Relikt galt.

(7) Die Zellweger und das Wirtschaftswunder

Appenzell Ausserrhoden stand lange im Schatten St. Gallens. Im 18. Jahrhundert übernahmen die Appenzeller die Textilproduktion. Die Zellweger-Familie war die führende Kaufmannsfamilie und prägte über Generationen die schweizerische Wirtschaftsgeschichte.

(8) Bundesbahnfreies Hoheitsgebiet

Durch das Appenzellerland führt keine Nationalstrasse. Und keine Bundesbahn. Wie der öffentliche Verkehr auszusehen hat, bestimmen die Appenzeller selbst. Für die Wahrung ihrer Autonomie bleiben sie freilich auf Bundesgelder angewiesen.

(9) Erlebtes Appenzellerland

Urnäsch A.Rh. verwirklichte mit der Schweizer Reisekasse ein Feriendorf, das ursprünglich als regionale Wirtschaftsförderung gedacht war. Es entwickelte sich zum erfolgreichen Modell für moderne Feriensiedlungen im ländlichen Raum – die Perspektive des Gemeindepräsidenten.

(10) Das «Häämetli» als Urzelle der Gemeinschaft

Während es andernorts zu zünftisch und gewerkschaftlich immer stärker regulierten und damit krisenanfälligeren Formen der Arbeitsteilung kam, haben sich die nonzentralen Strukturen des Appenzellerlandes als erstaunlich robust erwiesen. Sie sind kein Relikt, sondern weisen in die Zukunft.