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Kultur

Die Frau auf dem Mond

Kurz nachdem ich über Bord gesprungen war, warf mir eines der Besatzungsmitglieder unbeeindruckt einen Rettungsring zu. «Happens all the time», sagte der Mann zu meiner völlig verängstigten Freundin. «People get so sick, they jump.» Lebensmüde bin ich eigentlich nicht. In schlimmen Zeiten halte ich es mit Dorothy Parker: razors pain

Das Reisen und sein Gegenteil

Eben habe ich zum dritten Mal meinen Flug nach Bilbao umgebucht. Das geht in diesen Tagen umstandslos und gebührenfrei. Mit jeder Umbuchung schiebt sich allerdings die Reise tiefer ins schwammige Reich der Sehnsucht. Was wollte ich eigentlich? Ich wollte in einer Pension in der Altstadt von Bilbao eine Novelle beenden.

Tropenhelm

André Gide sitzt bei Kaffee und Biscuits an einem kleinen Tisch mit kariertem Tischtuch, einen Tropenhelm auf dem Kopf. Im Hintergrund eine Rundhütte mit Strohdach, auf der Lehne von Gides Safaristuhl ein kleines Pelztier, eine Manguste, soviel man sehen kann. Wir sind in Afrika. Gide hat sich aus verschiedenen Gründen

Chefredaktor mit 20, Bundesrat mit 43

Chefredaktor mit 20, Bundesrat mit 43

«Ich werde jenen Beruf wählen, in welchem ich am meisten wirken kann. Meine innere Neigung ruft mich zur Journalistik. Ich erkenne in der Stimme meines Herzens den Ruf des Heilandes und will ihm folgen.» Diese Worte schrieb der 19jährige Philipp Etter 1911 in sein Exerzitienheft und versprach, gegen Freimaurertum, Liberalismus

Ein Sommer des Abschieds

Ein Sommer des Abschieds

Wie verabschiedet man sich von einer Mutter, die einen das ganze Leben lang kontrollierte? Diese Frage stellt sich bei der Lektüre des Debütromans «Im Garten meiner Mutter» von Schauspielerin Ariela Sarbacher. Im Zentrum der Geschichte steht die Beziehung von Ich-Erzählerin Francesca und ihrer Mutter, die sich entschlossen hat, mittels

Hier spricht der Geist Roland Baaders

Hier spricht der Geist Roland Baaders

Ende März sprang ein Buch aus dem Stand auf Platz 2 der deutschen Sachbuch-Bestsellerliste des «Spiegels», mit dem nur wenige Beobachter gerechnet hatten. Der 57jährige Risikospezialist Markus Krall geht darin mit Wirtschaft, Gesellschaft und Politik unmissverständlich hart ins Gericht. Somit ist Krall aktuell der erfolgreichste libertäre Autor im deutschsprachigen

Die Hänny-Variationen

Die Hänny-Variationen

Dieser Roman ist ein doppeltes Wagnis. Für den Leser, der sich leicht verirrt in den Satz­ungetümen, den ausschweifenden Beobachtungen, den frei assoziierenden Erinnerungen. Aber auch Reto Hänny selbst wagt einiges: Zum dritten Mal schreibt der 1947 im bündnerischen Tschappina geborene Autor nun ein und dieselbe Geschichte, die doch immer

Das Licht, das erlosch. Eine Abrechnung.  Und: Warum der Liberalismus gescheitert ist.

Das Licht, das erlosch. Eine Abrechnung. Und: Warum der Liberalismus gescheitert ist.

Es ist mittlerweile 30 Jahre her, da verkündete der amerikanische Politologe Francis Fukuyama das Ende der Geschichte. Nach dem Untergang des Kommunismus würden sich nun weltweit Liberalismus, Demokratie und freie Marktwirtschaft durchsetzen. So kann man sich irren. Fukuyama übersah schlicht und ergreifend, dass der liberale Westen durch Strukturen der Selbstorganisation