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# Pioniere der Wirtschaftsgeschichte: Hans Künzi – Staatsbankrott wegen eines Computers?
- URL: https://www.schweizermonat.ch/pioniere-der-wirtschaftsgeschichte-hans-kunzi-staatsbankrott-wegen-eines-computers/
- Published: 2026-09-14T08:02:49.000Z
- Updated: 2026-09-14T08:02:49.000Z
- Description: Der Mathematiker Hans Künzi war ein Vorreiter in der Verfahrensforschung. Dennoch ernannte ihn der Zürcher Regierungsrat zunächst nicht zum Professor – aus finanziellen Gründen.
- Author: Clemens Fässler
- Tags: Ausgabe 1123 – September 2026, Schwerpunkt

Seit rund drei Jahren war Hans Künzi Privatdozent für Mathematik an der ETH und der Universität Zürich, als ihn 1957 der Ruf der University of Minnesota ereilte. Seine Schweizer Freunde und Förderer wollten den aufstrebenden Wissenschafter jedoch unbedingt in Zürich halten. Denn Künzi hatte sich vor allem im neuen Wissenschaftsgebiet der Verfahrensforschung (Operations Research) bereits international einen Namen gemacht. Deshalb trieben seine Unterstützer in grosser Eile die Schaffung eines neuen Lehrstuhls voran. Nichts schien mehr im Weg zu stehen – bis der Regierungsrat die Berufung ablehnte. Nicht etwa, weil er an Künzis Leistungsausweis gezweifelt hätte, sondern weil einzelne Regierungsräte das finanzielle Ende des Kantons befürchteten. Denn mit einem Professor, der sich auf elektronische Datenverarbeitung spezialisierte, käme unweigerlich die Forderung nach einem Computer für die Universität auf den Kanton zu – und damit ungeheure Kosten!

Erst im zweiten Anlauf klappte die Ernennung Künzis zum Professor für Ökonometrie und betriebswirtschaftliche Verfahrensforschung. Mit einer Befürchtung behielt der Regierungsrat recht: Bereits vier Jahre später bewilligte er die Anschaffung einer IBM 1620\. Mit seinen finanziellen Sorgen lag er jedoch falsch. Um die Maschine rasch auszulasten, nahm Künzi alle möglichen Aufträge aus anderen Fakultäten, aus der Wirtschaft, der Verwaltung und dem Militär an – Drittmittelbeschaffung und Fundraising, bevor jemand von diesen Begriffen gesprochen hatte.

Sein Lehrstuhl wurde zu einem europäischen Zentrum für Operations Research, Künzi zu dessen Pionier. Herausragend waren etwa seine Neuberechnung des «Plans Wahlen» für die kriegswirtschaftliche Ernährungsplanung sowie die Evaluation eines neuen Kampfflugzeugs, die für Künzi aber in einer Niederlage endete. Entgegen den Empfehlungen der mustergültig durchgeführten Evaluation verzichtete der Bundesrat 1972 auf die Beschaffung der amerikanischen A-7 Corsair – ein (weiterer) rüstungspolitischer Skandal in der Schweiz.