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# Die amerikanische Frauen-Basketballliga hat endlich ihre Superstars – aber nicht jene, die man sich wünschte
- URL: https://www.schweizermonat.ch/die-amerikanische-frauen-basketballliga-hat-endlich-ihre-superstars-aber-nicht-jene-die-man-sich-wunschte/
- Published: 2026-08-26T12:33:11.000Z
- Updated: 2026-08-26T13:23:03.000Z
- Description: Die Verantwortlichen der Profiliga verbinden Sport mit progressiver Politik. Doch das Publikum hält sich nicht an ihre Pläne.
- Author: Mathias Müller
- Tags: Kolumne, Der stoische Pirat

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Die amerikanische Frauen-Basketballliga WNBA hat endlich, was sie seit Jahren wollte: Aufmerksamkeit. Dumm nur, dass die Frauen, die ihr diese Aufmerksamkeit bescheren, nicht die Heldinnen sind, die man sich gewünscht hatte. Die WNBA ist mehr als Sport. Feminismus, LGBTQ, Diversity, Equity, Transgender-Inklusion: Kaum eine Profiliga verbindet Sport so demonstrativ mit woker Kulturpolitik. Die Botschaft ist klar: Wir sind modern, wir sind progressiv!

Es gab nur ein Problem: Die Zuschauer blieben aus. Denn das Publikum lässt sich nicht herbeimoralisieren.

Dann kam Caitlin Clark. 2024 erreichten 22 WNBA-Spiele mehr als eine Million Fernsehzuschauer. In 19 davon stand Clark auf dem Feld.

> «Aus einer aussergewöhnlichen Basketballerin wurde so ein Fall für die Critical Race Theory.»

Und plötzlich musste der lang ersehnte Erfolg identitätspolitisch erklärt werden. Warum? Weil der erste weibliche Superstar weiss ist. Die schwarze, linke TV-Kommentatorin Sunny Hostin begründete Clarks Erfolg unter anderem mit «white privilege». Die bekannte Sportjournalistin Jemele Hill erklärte, es wäre «sehr naiv» zu leugnen, dass Clarks Hautfarbe und Heterosexualität zu ihrer Popularität beitrügen. Aus einer aussergewöhnlichen Basketballerin wurde so ein Fall für die Critical Race Theory.

## Ausflug in den Kampfsport

Doch Clark war nur der Anfang. Dann kam Sophie Cunningham. Sie hat etwas, das keine Statistik messen kann: Aura. Gross, blond, demonstrativ feminin, frech, dominant, furchtlos. Sie wirkt wie eine Frau, die einen Westernsaloon betritt und nicht laut werden muss, damit es still wird. Einmal stand Cunningham einer Gegnerin gegenüber und zeigte 22 Sekunden lang wortlos auf sie. Nur der Finger und dieser Blick.

Die WNBA kämpfte jahrelang mit Marketingkampagnen um Aufmerksamkeit. Sophie Cunningham benötigte dafür einen Zeigefinger. Und dann geht sie zur Ultimate Fighting Championship (UFC). Ausgerechnet. In die von Trump-Freund Dana White geführte Welt aus Käfigkampf, Testosteron und demonstrativer Männlichkeit – das Gegenuniversum zur woken WNBA-Welt. Dort tritt Cunningham als Ring Girl auf. Barfuss, knappe Shorts, das Rundenschild über dem Kopf. Ausgerechnet jene Figur also, die der identitätspolitischen Linken als wandelndes Symbol patriarchaler Objektifizierung gelten müsste.

> «Cunningham ist keine unterwürfige Gegenfigur zur emanzipierten Frau. Sie ist deren geradezu amerikanische Verkörperung.»

Nur sieht Sophie Cunningham nicht im Geringsten unterdrückt aus. Sie sieht aus, als gehöre ihr die Arena. Vielleicht liegt darin die eigentliche Provokation. Cunningham ist keine unterwürfige Gegenfigur zur emanzipierten Frau. Sie ist deren geradezu amerikanische Verkörperung. 

Und Cunningham hat Meinungen. Biologische Männer haben für sie im Frauensport nichts verloren. Damit bringt sie ihre eigene Liga in Bedrängnis. Ihre Trainerin Stephanie White wurde gefragt, ob biologische Männer in der WNBA spielen sollten. Sie antwortete, sie sei «nicht gebildet genug», um dies beantworten zu können. Eine Trainerin der WNBA kann nicht sagen, ob Männer, die sich als Frauen identifizieren, in einer Frauenliga spielen sollten. Cunningham schon. 

«Vanity Fair» erklärte sie derweil zur «MAGA Fixation», obwohl sie sich selbst politisch eher in der Mitte verortet. Der linke britische «Guardian» schrieb über «white dude bros», die offenbar eine «sexy, long-legged blonde» benötigten, um sich für Frauenbasketball zu interessieren. Man stelle sich eine konservative Zeitung vor, die den Erfolg einer schwarzen Sportlerin auf ihre Hautfarbe und ihren Körper reduziert.

## Faszination ist nicht planbar

Darin liegt das Dilemma der WNBA. Jahrelang sagte sie Amerika: Schaut uns endlich an! Nun schauen Millionen hin – aber nicht jene, die man wollte. Nun entdeckt die Liga den Preis wirklicher Popularität: Wer Mainstream werden will, verliert die Kontrolle darüber, wer zuschaut, warum die Menschen zuschauen und wen sie zu ihren Helden machen. Friedrich Hayek hätte seine Freude daran gehabt.

> «Geschichten entstehen nicht in DEI-Seminaren. Denn eines lässt sich nicht planen: Faszination.»

Institutionen können Leitbilder verfassen, Diversitystrategien beschliessen, Marketingkampagnen lancieren und uns erklären, wen wir bewundern sollten. Doch Geschichten entstehen nicht in DEI-Seminaren. Denn eines lässt sich nicht planen: Faszination. Die WNBA wollte Poster Girls. Der Markt hat sie ihr gegeben. Nur nicht diejenigen, die man sich gewünscht hatte.