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# Blattkritik: Anna Rothenfluh über die Dezember-Ausgabe des «Schweizer Monats»
- URL: https://www.schweizermonat.ch/blattkritik-anna-rothenfluh-ueber-die-dezember-ausgabe-des-schweizer-monats/
- Published: 2019-01-08T10:25:01.000Z
- Updated: 2019-01-11T15:19:24.000Z
- Description: Die Ausgaben des «Schweizer Monats» werden jeweils von einem eingeladenen Gast beurteilt. Diesmal von Anna Rothenfluh.
- Author: Anna Rothenfluh
- Tags: Blattkritik, Ausgabe: Ausgabe 1062 - Dezember 2018, #dossier, #wp-post, #Import 2026-05-13 11:34

**Titelblatt**

Bei uns hiesse es: Was soll der alte, weisse Mann da? Weg mit ihm, ersetzt ihn sofort mit einer Frau! Das Foto von Rolf Soiron ist aber sehr toll, und der Mann wirkt sehr sympathisch. Er steht aber wohl auch gleichzeitig für eure Zielgruppe: ökonomisch gebildete Männer über 50.

[![](https://www.schweizermonat.ch/content/images/schweizermonat-ch/wp-content/uploads/2019/01/sm_1062_cover_rgb_300dpi.jpg)](https://www.schweizermonat.ch/tag/issue-ausgabe-1062-dezember-2018/)

**Schwerpunkt:** [**«Zerreissprobe in der FDP»**](https://schweizermonat.ch/focus/zerreissprobe-in-der-fdp/?ref=schweizermonat.ch)

Ich finde es gut, dass man mit dem Text [«Hallo, Dienstmann»](https://schweizermonat.ch/hallo-dienstmann/?ref=schweizermonat.ch) die Jungen zuerst zu Wort kommen lässt. Auch die Metapher mit dem Grand Hotel Liberté gefällt mir gut.

Der Text [«Eine zerrissene Partei?»](https://schweizermonat.ch/eine-zerrissene-partei/?ref=schweizermonat.ch) ist ein schön erzählter Stimmungsbericht, in dem viele Leute zu Wort kommen – ein abwechselnder Erzählstrang mit einem Fazit des Redaktors am Schluss.

[«Stadtpolitik für den Freisinn»](https://schweizermonat.ch/stadtpolitik/?ref=schweizermonat.ch): Was die FDP hier ansprechen will, ist eigentlich das Zielpublikum von Watson.ch: wir nennen das die urbane, tätowierten 22-Jährigen mit Migrationshintergrund. Der Lead verspricht etwas viel, nämlich eine Schilderung, was die FDP gegen die Dominanz der Linksparteien tun kann. Doch der Artikel leistet das zu wenig. 90 Prozent davon ist eine Analyse des Jetzt-Zustandes, und erst am Ende kommt das Wort auf ​«FDP urban». Die Frage, wie Stimmen tatsächlich gewonnen werden sollen, reduziert sich dann auf ein paar Schlagworte wie «Verdichtung mit Qualität», «Mut zu unkonventionellen Experimenten», «Verkörperung vom urbanen Lebensgefühl».

**Aktuelle Debatten**

[«Welcher Islam gehört zur Schweiz?»:](https://schweizermonat.ch/welcher-islam-gehoert-zur-schweiz/?ref=schweizermonat.ch) Während viele andere Medien einen Eiertanz um dieses Thema vollführen, so ist das ein Text, der sehr unverfroren herausgeht mit der Meinung. Der Unterton ist etwas gehässig; vielleicht wäre hier auch eine Gegenmeinung gut gewesen, damit man besser sieht, worauf sich dieses leicht Wütende, Kämpferische richtet.

[«Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!»:](https://schweizermonat.ch/macht-hoch-die-tuer-die-tor-macht-weit/?ref=schweizermonat.ch) Ein sehr unhistorischer, rechnerischer Ansatz, der mich wenig überzeugt. Zwar sind diverse Studien in den Fussnoten – mir ist das aber viel zu ausführlich und zu wissenschaftlich. Der Mischung tut der Text aber sehr gut, weil er die Migration nicht verteufelt, sondern feiert; meines Erachtens ein bisschen allzu einseitig.

**Dossier:** [**«Wir regeln das»**](https://schweizermonat.ch/dossier/wir-regeln-das/?ref=schweizermonat.ch)

Hier hätte ich die Ordnung anders gestaltet: Nicht vom Allgemeinen zum Persönlichen oder vom Systemerklärenden zum Menschen, sondern umgekehrt – um dann am Ende wieder zum Persönlichen zu kommen. Etwas Emotionsgeladenes zum Einstieg wäre schön gewesen. Das Thema ist doch schliesslich dankbar, denn alle regen sich über Regulierungen auf. Warum also nicht eine hässig-lustige Kolumne eines Rauchers, der sich über die rauchfreien Bahnhöfe aufregt? Das Gejammer der Leute wird ja in den Leads/Vorwort aufgenommen – warum keine Geschichte draus machen? Ich würde generell ein bisschen mehr versuchen, den HSG-Beigeschmack wegzubekommen. Mit einfacheren Einstiegen, sprachlichen Verschönerungen etc.

Den Text [«Regulierungsspiralen und andere Ungeheuer»](https://schweizermonat.ch/regulierungsspiralen-und-andere-ungeheuer/?ref=schweizermonat.ch) finde ich für den Anfang recht schwierig zu lesen und mit vielen Fremdwörtern versehen. Vielleicht wäre hier ein Glossar geeignet?

[«Vorteil Föderalismus?»:](https://schweizermonat.ch/vorteil-foederalismus/?ref=schweizermonat.ch) Titel und Lead hauen mich nicht gerade aus den Socken. Beim Satz «Die Forschungsliteratur zur Regulierung weist jedenfalls nicht zu vernachlässigende Auswirkungen regulatorischer Aktivität auf die Produktivität und das Wirtschaftswachstum nach, womit sie die Bedeutung der Thematik unterstreicht» bin ich aus dem Text ausgestiegen. Das gehört eher in ein Fachmagazin als in ein Autoren- und Debattenmagazin.

Im Text [«Paragraphen fallen nicht vom Himmel»](https://schweizermonat.ch/paragraphen-fallen-nicht-vom-himmel/?ref=schweizermonat.ch) gibt es für meinen Geschmack zu viel Fachwörter-Pingpong: Cassis-de-Dijon-Prinzip vs. Swiss Finish. Es ist ja schön, wenn sich Interviewer und Interviewter verstehen. Aber was ist mit dem Leser? In der Mitte wird das Interview dann lesbarer und verständlicher, mit Beispielen von Schweizer Kühlschränken. So was sollte vielleicht an den Anfang.

[«Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen»](https://schweizermonat.ch/die-guten-ins-toepfchen-die-schlechten-ins-kroepfchen/?ref=schweizermonat.ch) ist ein grossartiger Text. Ein Hoch auf die Amis und Briten, die wissen, wie man sich einfach ausdrückt! Der Autor arbeitet mit Beispielen aus der Praxis und am Ende zieht er ein verständliches Fazit. Und der Mann ist wichtig, schliesslich hat er einst für Bush gearbeitet. Trotzdem schreibt er ohne jeden akademischen Dünkel.

Am Schluss [das Interview mit Rolf Soiron](https://schweizermonat.ch/wo-geld-ohne-geist-ist-saet-es-nur-streit-und-unheil/?ref=schweizermonat.ch): ein grossartiges Interview mit einem grossartigen Menschen.

**Fazit**

An manchen Stellen mutet es mehr an wie ​ein Fach- nicht wie ein Autorenmagazin​​. Das liegt vor allem daran, dass viele Professoren, v.a. der Ökonomie, darin schreiben. Die sind sich gewohnt, reines Fachwissen zu vermitteln. Der Journalist unterscheidet sich aber vielleicht darin von ihnen, dass er seinen Text allen vermitteln will; er macht ihn menschlich, zugänglich, leichter verständlich, schmückt ihn sprachlich aus, spielt mit verschiedenen Erzählformen.  
Im Gedächtnis bleiben​​ werden mir vier Texte aus dem Heft:

– [Ronnie Grobs FDP-Porträt, das Stimmung und Menschen schön wiedergibt.](https://schweizermonat.ch/eine-zerrissene-partei/?ref=schweizermonat.ch)  
– [die Kurzgeschichte «Trailer Park Boys».](https://schweizermonat.ch/trailerparkboys/?ref=schweizermonat.ch)  
– [der Islam-Artikel, wohl, weil er nicht von einer wirtschaftlichen, sondern von einer geisteswissenschaftlichen Seite herkommt.](https://schweizermonat.ch/welcher-islam-gehoert-zur-schweiz/?ref=schweizermonat.ch)  
– [das grandiose Interview mit Rolf Soiron](https://schweizermonat.ch/wo-geld-ohne-geist-ist-saet-es-nur-streit-und-unheil/?ref=schweizermonat.ch).