Schweizer Monat
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Der Künstler Vincent Kohler
Von Suzann-Viola Renninger, Vincent Kohler
«Meine Kunst ist simpel» – sagt der Künstler. Seine Kunst: das ist etwa ein Kaktus aus Beton1, eine Eule aus schwarzem Plastik2, ein mit Augen, Nase, Mund ausgestatteter Baumstumpf aus Holzimitat3. «Eigentlich stupide Dinge». Und eigentlich Kitsch, möchte man hinzufügen.
«Kitsch» ist ein junges Wort, es soll erstmals um 1870 im Münchner Kunsthandel für billig hergestellten Kunstersatz aufgetaucht sein. Seine mutmasslichen Wurzeln sagen viel über die Bedeutung: vielleicht wurde...
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Von Redaktion
Liebe Leser
Die global agierende Finanzbranche steht in der Kritik. Haben sich Real- und Finanzwelt und deren Werte tatsächlich voneinander entfernt? Erleben wir einen Wertewandel? Oder ist alles ganz anders? Mehr vom Autorenduo Peter Fuchs & Timo Meynhardt und vom Soziologen Thomas A. Becker ab S. 15.
Was ist es, das die Schweizer Welt im Innersten zusammenhält? Deutschschweizer, Romands, Ticinesi und Rätoromanen haben da je ihre eigenen Theorien. Trotz unterschiedlichen Sprachen und... » Mehr
Über den Zahlenwahn in Krisenzeiten – von René Scheu
Von René Scheu
Wahnsinn I
Es ist eigentlich verrückt. Wer noch vor wenigen Jahren behauptete, die westlichen Staaten würden eines nicht allzufernen Tages Konjunktur- und Stützungsprogramme von mehreren hundert Milliarden Euro bzw. Dollar verabschieden, galt als Spinner. Man hat ihm nahegelegt, seinen Zahlenwahn kurieren zu lassen. Die Zeiten haben sich geändert – und wir uns mit ihnen. Wir haben uns daran gewöhnt, dass fast schon jede Woche weitere Programme, weitere Nullen hinzukommen. Besondere Zeiten... » Mehr
Hyperinflation? Hyperdeflation? Oder eine kontrollierte Inflation mit glimpflichem Ausgang? Überlegungen zu aufziehenden Währungsszenarien.
Von Jörg Guido Hülsmann
Seit drei Jahren kommen die Finanzmärkte nicht zur Ruhe. Immer neue politische «Rettungspakete» werden in immer kürzeren Abständen geschnürt, ohne dass sich der erhoffte Erfolg einstellen würde. Wir haben in dieser Zeitschrift bereits vor einigen Monaten dargelegt, worin dieser Misserfolg letztlich begründet ist.* Diesmal wollen wir unseren Blick nach vorne wenden. «Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe!», schrieb Wilhelm Busch angesichts der fiktiven Untaten von Max und Moritz. Aber... » Mehr
Wie arm sind wir eigentlich? – so fragt die Caritas Schweiz. Die Antwort ist nicht einfach. Und wirft eine weitere Frage auf: Wer bestimmt eigentlich, wie arm wer ist?
Von Kristian Niemietz
Caritas Schweiz beklagt das Fehlen einer offiziellen Armutsstatistik in der Schweiz. Die Klage ist verständlich. Aber ist das wirklich ein Problem?
In den frühen 1960ern traf sich der amerikanische Ökonom Milton Friedman in Hongkong mit Sir John Cowperthwaite, dem finanzpolitischen Lenker der britischen Kolonialverwaltung. Die wirtschaftliche Entwicklung der kleinen Kronkolonie hatte Friedmans Interesse geweckt. Er konnte jedoch nichts Näheres über diese in Erfahrung bringen, da es zu... » Mehr
Europhile Schweizer und helvetophile Europäer: Gedanken eines ehemaligen Beamten
Von Frédéric Walthard
In der Einfachheit liegt die Kraft. Ich möchte deshalb zwei einfache Fragen aufwerfen. Die Antworten werden dann aber notgedrungen weniger einfach ausfallen.
Erstens. Warum ist die Anziehungskraft der Europäischen Union (EU) in Brüssel so gross, dass sie in der Schweiz Staatsleute, Regierungsbeamte und Diplomaten die Interessen unseres Landes vernachlässigen, ja sogar vergessen lässt?
Zweitens. Warum gibt es immer mehr EU-Bürger, die sich in der Schweiz niederlassen wollen? Gemäss dem... » Mehr
Wie hat sich die Finanz- von der Realwelt und ihren Regeln entfremdet? Ein Erklärungsversuch. Unanständig. Rücksichtslos. Zynisch. Die Kritik hoher Abfindungen und Entlöhnungen geht einher mit Appellen an die Moral. Erleben wir einen Wertewandel? Eine Wertekrise? Oder ist alles ganz anders? Wir bringen zwei kontroverse Beiträge.
Von Peter Fuchs, Timo Meynhardt
Ein funktionierendes Gemeinwesen lässt sich daran erkennen, dass keine Gruppe sich zu weit von jenen entfernt, die für das Funktionieren unseres Alltags sorgen – von den Krankenschwestern, Ärzten, Lehrern, Facharbeitern, Handwerkern, Gewerbetreibenden oder Taxifahrern. Es ist diese vielbeschworene Mitte der Gesellschaft, die deren wirtschaftliches und moralisches Rückgrat bildet. Wer sich anmasst, schlauer als alle anderen zu sein, und die Regeln des Anstands ignoriert, stellt zugleich den... » Mehr
Zerfall von Moral und Anstand? Ach was. Mehr Moral bedeutet bloss mehr Staat.
Von Thomas A. Becker
Gut möglich, dass Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen. Gewachsene Strukturen kommen durch die Fehlentwicklungen im Finanzmarktkapitalismus auf den Prüfstand, Produktionsprozesse und Produkte geraten unter Innovationsdruck. Die vorhandenen Kräfte werden notgedrungen intelligenter und effizienter eingesetzt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass ökonomischer Strukturwandel allein jene intellektuellen und kulturellen Ressourcen in der Gesamtgesellschaft zu mobilisieren vermag, die für... » Mehr
Von René Scheu
Wie kann es sein, dass ein Bundesstaat mit vier offiziellen Landessprachen regierbar ist? Die Frage scheint uns, in dieser Deutlichkeit formuliert, nicht wirklich zu betreffen. Wir haben uns an die Anomalität eines Viersprachenstaats gewöhnt. Dabei genügt ein Blick über die Landesgrenzen hinaus, um zu sehen, wie brisant die Sprachenfrage sein kann.
Belgien, zerrissen zwischen französischsprachigen Wallonen und niederländischsprachigen Flamen, droht an einer solchen Frage gar zu... » Mehr
René Scheu im Gespräch mit Christian Lüscher Welche Landessprache sprechen Sie? Diese Frage kann darüber entscheiden, ob man Bundesrat wird oder nicht. Ein Treffen mit dem Ex-Bundesratskandidaten Christian Lüscher im Zentrum der Macht.
Von René Scheu, Christian Lüscher
Herr Lüscher, wir sitzen hier im Bundeshaus, dem politischen Zentrum der mehrsprachigen Schweiz. In welcher Sprache wollen wir uns unterhalten?
Je suis flexible.

Ich stelle meine Fragen auf Deutsch, Sie antworten auf Französisch?
Très bien. Das ist ein sehr guter Weg, um in der Schweiz miteinander zu kommunizieren. Ich verstehe Sie, und Sie verstehen mich.

Wir pflegen beide unsere Eigenheiten.
Genau. Natürlich zeugt es von Respekt, wenn man sich in der Sprache seines... » Mehr
Nationalstaaten haben eine einzige nationale Sprache. Die Schweiz hat deren vier. Ist sie deswegen kein eigentlicher Nationalstaat? Und wenn nicht – was ist sie dann?
Von Paul Widmer
Sie besitzt keine gemeinsame Sprache, keine gemeinsame Religion, überhaupt kein gemeinsames Substrat. Die Schweiz besitzt nichts ausser einem gemeinsamen Willen.
Doch was bedeutet das, ein gemeinsamer Wille? Was macht eine Willensnation eigentlich aus? So leicht lässt sich dies nicht sagen. Es ist nicht wie mit dem Wohlfahrtsstaat, für den ein Kriterium, eine Frage im Vordergrund steht – wieviel gibt der Staat für die Wohlfahrt seiner Bürger aus? Bei der Willensnation stellt sich die... » Mehr
Wie kommt es, dass in der Schweiz vier Sprachgemeinschaften friedlich zusammenleben? Liegt es an der hohen Sprachkompetenz? Am wechselseitigen Respekt? Weit gefehlt! Der Grund ist viel profaner…
Von Dieter Freiburghaus
Die Schweiz wird ihrer Viersprachigkeit wegen oft gelobt. Oder genauer: sie wird gelobt, weil sie trotz ihrer kulturellen Vielfalt politisch stabil ist. Für die meisten mehrsprachigen Staaten westlicher Prägung gilt dies nicht. Jugoslawien und die Tschechoslowakei sind zerbrochen, Belgien bröckelt, in Kanada gibt es eine frankophone separatistische Bewegung, und die Spannungen zwischen Barcelona und Madrid nehmen zu. Die Tatsache, dass drei der schweizerischen Sprachen gleichzeitig... » Mehr
Welche Zweitsprache sollen die Deutschschweizer, die Romands und die Tessiner in der Schule lernen? Das Drama eines sprachbegabten Landes.
Von Virgilio Masciadri
Fast schon periodisch fegt eine linguistische Diskussion durch die bildungspolitisch interessierte Öffentlichkeit und lässt die Emotionen hochgehen. Die herkömmliche, fleissig bemühte Pflege der zweiten Landessprache in unseren Schulen sei wenig erfolgreich, nicht mehr zeitgemäss und durch das global gesehen nützlichere Studium des Englischen abzulösen, verkünden die einen – die anderen empfinden das als Angriff auf die Grundfesten unseres nationalen Selbstverständnisses.
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Die Schweiz existiert – und wie! Die Romandie hingegen ist eine reine Erfindung. Zum Glück. Sonst hätte unser föderaler Bundesstaat ein ernsthaftes Problem.
Von Suzette Sandoz
Aus dem Französischen von Reinhart R. Fischer
Es gibt vier französischsprachige Kantone – in alphabetischer Reihenfolge Genf, Jura, Neuenburg und Waadt. Zu diesen einsprachigen Kantonen gesellen sich drei zweisprachige Kantone, von denen zwei – Freiburg und Wallis – mehrheitlich französischsprachig und einer – Bern – mehrheitlich deutschsprachig ist.
Was von alldem soll nun in die Romandie-Schublade? Nur die ganz französischsprachigen Kantone, oder auch die zweisprachigen? Und... » Mehr
Eine Art Zürcher Hinterland? Oder doch eher
eine Erweiterung Norditaliens? Die Tessiner fühlen
sich marginalisiert. Zu Recht?
Von Giancarlo Dillena
Aus dem Italienischen von René Scheu
Wenn wir Tessiner über die Lage unseres Kantons zwischen den nördlichen und südlichen Nachbarn sprechen, so gebrauchen wir oft das Bild der «Brücke». Dies ist durchaus positiv gemeint. Das Tessin erfüllt die wichtige Funktion, zwei Kulturen zu verbinden. Aber es ist zugleich ein zweischneidiges Bild, das sich bei näherer Betrachtung auch für andere – weniger günstige – Deutungen eignet.
Die Brücke verbindet nicht einfach zwei Gebiete, sondern... » Mehr
Die Jungen zieht es oft in die weite Welt. Dabei hätten sie schon vor der eigenen Tür ein eigenes Universum.
Vier Studenten berichten.
Von Alain Schorderet
Alain Schorderet Einführung
In der Schweiz bilden sich immer mehr Gruppen zur Verteidigung der Mundarten oder Landessprachen. Dass man angesichts von vier anerkannten Sprachen von vier Landesteilen spricht, ist aber eine unzulässige Vereinfachung. Die willkürlich abgegrenzten Kulturräume sind heterogen und überschneiden sich. Unser Land fällt genau deshalb nicht auseinander, weil alle Sprachgebiete geteilt sind, durch geographische, konfessionelle, gesellschaftliche, wirtschaftliche... » Mehr
Er hadert mit den USA. Er hält die heutigen Wohlfahrtsstaaten für ineffizient, willkürlich, freiheitsfeindlich. Deshalb will er einen Markt für Staatsexperimente etablieren. Dafür baut er schwimmende Städte im Ozean. Der junge Anarchounternehmer Patri Friedman ist besessen von seiner Idee. René Scheu und Florian Rittmeyer haben ihn anlässlich eines Vortrags in Zürich getroffen.
Von René Scheu, Florian Rittmeyer, Patri Friedman
Herr Friedman, Sie wollen die Ozeane mit schwimmenden Inseln besiedeln, die nichts anderes sind als eigene Staaten mit eigenen Gesetzen. Was läuft schief mit den real existierenden Staaten des Westens?
Es gibt tausend Dinge, die ich kritisieren könnte. Der fundamentalste Fehler ist jedoch, dass die bestehenden Nationalstaaten sich nicht weiterentwickeln. Sie lernen nicht und erfinden sich nicht neu. Wir umgeben sie mit Moral und Romantik, aber Moral und Romantik haben hier nichts zu... » Mehr
14 Bücher, vorgestellt in der sechsundzwanzigsten Folge der «Schweizer Autoren in Kurzkritik». Fortsetzung folgt.
Von Redaktion
1 Francesco reist nach Verbania
Eigenartig, es gibt Bücher, die wollen nicht zu dir, und wenn sie mal bei dir sind, wollen sie nicht bleiben. Für meine Kleinstbesprechung hatte ich das Buch «Die nackten Inseln» von David Signer bestellt. Bis das Buch zu mir kam, hatte es schon eine kleine Odyssee hinter sich. Von einem Bürotisch zum anderen, von einem Briefkasten zum nächsten. Als ich es erfreut in meinen Koffer packte, weil ich ein Reisender in Sachen Kleinstbesprechungen für die... » Mehr
Eine Antwort aus dem Stegreif von Ursula Renold Mit einem Anstoss von Blaise Pascal:
Zitiert aus «Pensées»
«Ich habe gefunden, dass alles Unglück der Menschen einzig davon kommt, dass sie unfähig sind, in Ruhe allein in ihrem Zimmer bleiben zu können.»
Von Suzann-Viola Renninger, Ursula Renold
«Mir gefällt dieses Zitat, weil ich mich vor einiger Zeit lange damit beschäftigt habe, wieso eigentlich die Bildung so wenig dazu beiträgt, dass die Menschen zu ihrem eigentlichen Wesen kommen. Ich bin damals auf den indischen Gelehrten Krishnamurti gestossen. In seinen Schriften – Zwiegesprächen zwischen Lehrer und Schüler – nimmt er genau diese Frage auf: Warum kann der Mensch nicht mehr in Ruhe mit sich allein irgendwo sein und seine inneren Kräfte mobilisieren? Krishnamurti...
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Von Francesco Micieli, David Signer
Eigenartig, es gibt Bücher, die wollen nicht zu dir, und wenn sie mal bei dir sind, wollen sie nicht bleiben. Für meine Kleinstbesprechung hatte ich das Buch «Die nackten Inseln» von David Signer bestellt. Bis das Buch zu mir kam, hatte es schon eine kleine Odyssee hinter sich. Von einem Bürotisch zum anderen, von einem Briefkasten zum nächsten. Als ich es erfreut in meinen Koffer packte, weil ich ein Reisender in Sachen Kleinstbesprechungen für die «Schweizer Monatshefte» bin, ahnte... » Mehr
Von Thomas Sprecher, Schweizerische Bibliophilen-Gesellschaft
Jede Liebhaberei trägt für Aussenstehende den Stempel einer gewissen Skurrilität. Dass der Umgang mit Büchern aber geradeswegs zum Wahnsinn führe, wie Erasmus von Rotterdam andeutete, ficht wahre Bücherfreunde nicht an. Sie beschäftigen sich mit alten Graphiken, Handschriften, seltenen Frühdrucken, Inkunabeln, Holzschnittbüchern, Kupferstichwerken, Faksimiledrucken, Logbüchern, Kladden oder Flugblättern und beweisen aller Welt, dass das Büchersammeln eine überaus spannende Passion... » Mehr
Von Michael Harde, Ursula Fricker
Unsicherheit nagt an ihm, aber der Starrsinn siegt. Er will vieles, aber er kann nur eines. Deshalb wird er warten. Weiter warten. Floyd hat so lange gewartet, warum sollte er das jetzt ändern: «Wie ein Wild, das nicht weiter kann, vor ihm eine Klippe, hinten die Flinten im Anschlag.» Vor vielen Jahren ist der englische Fotograf geflohen, erst vor seinem geregelten Leben als Ehemann und Vater einer Tochter ins wilde Berlin, dann vor den Mitmenschen weiter in die Einsamkeit der Brandenburger... » Mehr
Von Beat Mazenauer, Marie-Jeanne Urech
Während die Zeitungen im Wirtschaftsteil zu verstehen versuchen, wer die Finanzkrise angerichtet hat, liefert die Lausanner Schriftstellerin und Filmemacherin Marie-Jeanne Urech eine grandios schräge Vision des Börsensturzes. Ihr Roman «Mein sehr lieber Herr Schönengel» – auf Französisch schon 2006 vor der Finanzkrise erschienen – schildert eine vordergründig absurde Welt, in der sich stilistisch Kafka und Orwell begegnen. Arthur Schönengel tritt in den Dienst der BUDE, eines... » Mehr
Von Marco Baschera, Jürg Berthold
Vor einigen Jahren fand auf Ischia ein internationaler Hegelkongress statt. Eine Spielregel lautete: Jeder spricht, ausser in den Beiträgen, in der Sprache, die er am zweitbesten beherrscht. So stellte jemand nach einer Intervention in englischer Sprache auf Deutsch eine Frage, worauf der Vortragende auf Französisch antwortete und eine Entgegnung auf Italienisch provozierte. – Ganz anders der gemeine Menschenverstand. Ginge es nach ihm, so spräche die Welt zukünftig am besten in einer... » Mehr
Von Klaus Hübner, Heinrich Wölfflin
«Eine Untersuchung über Wesen und Entstehung des Barockstils in Italien» lautet der Untertitel der erstmals 1888 erschienenen Studie «Renaissance und Barock», eines kunsthistorischen Klassikers aus der Feder des 1864 in Winterthur geborenen Heinrich Wölfflin. Der 1945 verstorbene Schüler Jacob Burckhardts lässt allerdings kaum einen Renaissancepalast, kaum eine Barockkirche ausserhalb der Hauptstadt als stilgeschichtlich bedeutsam gelten. Italien ist für ihn Rom – und sonst fast gar... » Mehr
Von Martin Lüdke, Gisela Rudolf
Da wird die ganze Zeit einfach so dahingeplappert. Eine Kinderstimme. Ein kleines Mädchen, das vieles von dem, was um sie herum passiert, zwar noch nicht verstehen kann und es dennoch mit grossen Ohren und offenen Augen wahrnimmt. Langsam ändern sich die Zeiten. Das Mädchen wird älter, spürt zuweilen schon ein «gutes Gefühl» zwischen den zusammengepressten Beinen und bekennt darum bei der nächsten Beichte: «Ich habe Unkeusches angerührt», worauf der Pfarrer durchs Gitter flüstert:... » Mehr
Von Sabine Kulenkampff, Christian Schmidt, Manuel Bauer
Wollte man unter der Flut von deutschsprachigen Büchern über das Schicksal des chinesisch besetzten Tibet und seiner Menschen nur ein einziges auswählen, um auf umfassende Weise zu erfahren, was am Himalaja geschehen ist und noch geschieht, so müsste es «Exil Schweiz. Tibeter auf der Flucht» sein. Auf die Initiative einer Tibet-Schweizerin hin entstanden, enthält der äusserlich schlicht und monochrom gestaltete Band die Lebensberichte von zwölf Zeitzeugen des alten, freien Tibet. Als... » Mehr
Von Joachim Feldmann
Zwei Namen sind jedermann geläufig, die repräsentativ nicht nur für die Schweizer Kriminalliteratur stehen, sondern im gesamten deutschen Sprachraum Klassikerstatus geniessen, nämlich Friedrich Glauser (1896–1938) und Friedrich Dürrenmatt (1921–1990). Beiden ist gemeinsam, dass sie sich dem Genre auch aus pekuniären Gründen zuwandten. Der zeitlebens unglückliche Ex-Dadaist Glauser schrieb seinen ersten Krimi «Der Tee der drei alten... » Mehr
Von Philippe Jaccottet, Katka Räber-Schneider
«Notizen»: Aufzeichnungen, Gedanken und Beobachtungen, lyrische Passagen, Überlegungen, die Verbindung von Erlebtem und angelesenem Wissen, gelegentlich in loser, skizzenhafter Form, und doch sehr dicht. Texte, die eigene, weiterführende Gedanken des Lesenden zulassen und anregen.
Der erste Teil der «Notizen aus der Tiefe» von Philippe Jaccottet trägt den Titel «Israel, blaues Heft». Kritisch und wohltuend unangepasst, sich nach keinem Muster und keiner politischen Haltung richtend,... » Mehr
Von Claudia Keller, Jacques Chessex
Am 16. April 1942 wird Arthur Bloch in einen Hinterhalt gelockt, niedergeschlagen, erschossen und in Teile zersägt, die in Milchkübeln im Neuenburgersee versenkt werden. Nur die Füsse ragen als «elende Notsignale» einer grausamen Tat aus dem Wasser heraus.
Der von einer Gruppe Nazi-Sympathisanten in Payerne begangene Mord am Berner Viehhändler Arthur Bloch ist historisch umfassend aufgearbeitet – genannt seien nur «Der Judenmord von Payerne» von Hans Stutz (2000) oder «Le Crime nazi... » Mehr
Von Georg Deggerich, Ralph Dutli
Mit seiner Liebeserklärung an die Olive befindet sich Ralph Dutli in bester Gesellschaft. Schon Homer, Ovid und Vergil rühmten die Fruchtbarkeit und Langlebigkeit des Baumes, der den Griechen als heilig galt. Sein Holz war ausschliess-lich der Herstellung von Götterstatuen und dem Tempelbau vorbehalten, und wer gedankenlos einen Olivenbaum abholzte, konnte mit Exil oder gar dem Tod bestraft werden. Tatsächlich steht die Olive, der Mythologie nach ein Geschenk der Göttin Athene, am Beginn... » Mehr
Von Anett Lütteken, Mario Andreotti
Können so viele Leser irren? Wenn ein literaturwissenschaftliches Kompendium vier Auflagen erzielt, dann ist dies zunächst einmal alles andere als selbstverständlich. Man wird also davon ausgehen dürfen, dass darin Antworten auf tatsächlich gestellte Fragen gegeben werden. Offenkundig holt der Verfasser, wie man so sagt, seine Leser dort ab, wo sie gern abgeholt werden möchten. Es herrsche, behauptet er dementsprechend, eine profunde Ratlosigkeit angesichts der meist schwerzugänglichen... » Mehr
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