Schweizer Monat
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Von Laura Vogt
Für Sie, ja für Sie hab ich sie gepflückt, die roten Rosen, denn es dünkt mich, als passten sie nur all zu gut zu Ihren teuren Lippen, Frau Oberling, zu Ihren feinen Fingern von früher, Frau Oberling, Sie haben schöne Finger, ich mag Ihre Fingerbeeren wie sie jetzt die Rosen halten, sie wirken gut aufgehoben, die zarten Rosen in Ihren Händen, Frau Oberling, sie wirken aufgehoben bei Ihnen und ich weiss dass Sie sie in Wasser stellen werden, nicht zu viel, und... » Mehr
Von Christina Frosio
Aro jault. Der Motor dröhnt. Riesige Räder wirbeln Staub auf. Ich schreie auf, strauchle weg, knie neben Aro im Feld. Eine hässliche Wunde. Er blutet. Ein Bein ist verdreht. Es zieht in meiner Brust. Ein Schwindel erfasst mich. Alles verwischt.
Ich sehe Mutters Kopftuch vor mir. Rot war es. Rot wie der Plastikeimer draussen vor der Stalltür. Voller Schweineblut und Vaters Arm darin, der kräftig rührte. «Bring einen Lappen, Max», rief er mir zu und ich... » Mehr
Torsten Haeffner: Die Wellenflüsterer. Bern: Stämpfli, 2011.
Von Konrad Kuoni
Der 15-jährige Ich-Erzähler Nils ist Melancholiker. Das Glück ist für ihn wie eine Katze – es kommt und geht, wann es will. Die Traurigkeit aber ist wie ein Hund – sie ist immer da und wird zur ständigen Begleiterin. Wir sind in München, ungefähr im Jahr 1972. Nils ist verliebt. Manuela ist 34 Jahre alt, hat dunkle, leicht gelockte Haare und einen üppigen Busen. So stellt er sie sich vor. Aber er kennt sie nicht. Manuela ist Radiofrau bei... » Mehr
Von Redaktion
«Das Magazin, das in der Schweiz gefehlt hat.» – Peter Stamm
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Von Michael Wiederstein
Liebe Leser
Das «Schriftdeutsche gehört unabdingbar zur Schweiz, dank ihm partizipiert sie an einem grösseren Kulturraum, der wiederum ohne sie nicht denkbar ist.» Hugo Loetschers Verteidigung der sogenannten Hochsprache ist nun bereits einige Jahrzehnte alt. Die hiesigen Spannungen zwischen Mundart und Hochdeutsch gehen jedoch viel weiter zurück – und sind weiterhin omnipräsent. Zürich «stärkt» seit Mitte 2011 den Dialekt schon im... » Mehr
Von Nora Gomringer
Leben lesen aus den 60ern: Seit ein paar Tagen bin ich mit einer intensiven Analyse beschäftigt. Es handelt sich um eine sozialhistorische, kulturkritische Studie medialer Art. Ich sehe «Mad Men». Und verschwinde damit im wahrsten Sinne «zusehends» in den 60er Jahren. Eine Welt, in der mein Vater ein junger Mann und meine Mutter gerade mal volljährig war. Sie war beherrscht von Zigaretten, Trunksüchtigen und Frauenverdrehern (sic!). Von...
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Von Roger Monnerat
Der stets mögliche kleine Sieg über die grosse Nacht – dank Kienspan, Öllicht und Kerze – ist in meinem Weltbild die grosse Erfindung der Leute vor mir. Wegen der Wärme hätt’ es Feuer nicht gebraucht, ein paar Millionen Jahre lang ist es ja auch ohne gegangen.
Im Weltbild von mir wurden Alkohol und die Berechnung der Lichtgeschwindigkeit zusammen mit Mähdrescher und Daguerrothypie in Winternächten erfunden. Abgesehen von Lisa Meitner, Hedy...
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Von Frank Kauffmann
«Schaaaaatz, bringsch mer nöd en Plastiksack?», hät d Nadine usem Schloofzimmer grüefft. Mer händ i d Badi wölle. I ha mini Waar scho lang packt ghaa. Aber d Nadine hät äbe zersch no müesse epiliere. «Okay», han i gseit, und bi im Chuchischrank en Plastiksack go suache. Si wüssed jo, wi da isch, en Sack voll Plastiksäck. Und obe draa nume es so innegstopfti, huchdünni Gmüassäckli, meischtens no mit eme Loch... » Mehr
«Unzugänglich, schwer und manchmal mühsam» – die Lyrik hat einen schweren Stand. Zu Unrecht, findet Nora Gomringer. Das Gesicht der neuen Poetengeneration über Sprache, Sprachen und Sprachlosigkeit.
Von Michael Wiederstein, Nora Gomringer
Nora, du bist Poetin, Slam-Poetin, Poetikdozentin und Leiterin eines Künstlerhauses. Du musst es mir sagen können: Warum lesen die Leute so wenig Lyrik?
Die Lyrik ist wie ein sogenanntes «Problemkind» in der Schule; es sitzt zwischen den Stühlen von Gefühl und Information, macht Ärger und gilt als schwierig. Dabei hat Shakespeare sie schon auf die Bühne gebracht, als Bildungsstand und Einkommen viel niedriger, der Alltag viel härter war als heute....
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Von Arno Camenisch
Habt ihr den Rhein gesehen, fragt der Otto, jetzt ist dann mal gut, gell, der grosse Stein ist zur Hälfte im Wasser, und regnet es so weiter, dann grüss Gott, er trinkt. Im fünfundachtzig, sagt der Luis, der grosse Stein war fast ganz unter Wasser, Gopfertammi, und hier drin sassen wir mit dem Wasser bis zu den Knien, im siebenundachtzig war das, sagt die Tante, man hätte Gold waschen können am Stammtisch, sagt der Otto, wären sicher noch ein paar Gebisse mit...
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Arno Camenisch: Ustrinkata. Solothurn: Urs Engeler Editor, 2012.
Von Virgilio Masciadri
Die Beiz ist die wahre Heimat des Schweizers. Wer wissen will, wie dem Eidgenossen ums Herz ist, der setzt sich drum an einen Stammtisch und hört zu – oder er schreibt gleich mit. Auf diese Art heimatkundlicher Feldforschung nimmt uns auch Arno Camenisch in seinem dritten Prosabuch mit. Der junge Bündner Autor schreibt Deutsch, hat aber rätoromanische Wurzeln, und so macht es einen Reiz seiner Prosa aus, dass er sie kunstfertig den Sprachgrenzen entlang... » Mehr
Christian Kracht: Imperium. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2012.
Von Michael Wiederstein
«Das Appenzeller Hundessen wird in der Schweiz an Ostern seit vielen hundert Jahren gefeiert», sagt Christian Kracht. Er hat gerade eine Lesung vor deutschen Studenten gehalten. Man hört ihm gespannt zu. «Die Häuser im Appenzell stehen rund um einen Dorfplatz, jede Familie besitzt einen Hund. Jedes Jahr wird einer geschlachtet und bei einem gemeinsamen Fest verzehrt – das geht reihum. So ist stets Zeit, neue aufzuziehen.» 
Kracht zelebriert das...
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Christoph Braendle: Das Wiener Dekameron. Wien: Metroverlag, 2011.
Von Michael Pfister

Über Sex zu reden, gilt zu Beginn unseres Jahrtausends ja bereits wieder als reaktionär, schliesslich wissen wir dank Michel Foucault, dass der Diskurs über die körperliche Lust von der Beichte über die erotische Literatur bis zur Psychoanalyse nur scheinbar der sexuellen Befreiung dient. Dieses Verdikt trifft zweifellos einen Grossteil unserer schlüpfrigen Bestseller – von Catherine Millet bis Charlotte Roche. Wahre Avantgarde ist heute... » Mehr
Christian Saehrendt: Die radikale Absenz des Ronny Läpplinger. Zürich: Walde & Graf, 2011.
Von Michael Harde
Kunstsammler aller Länder, vereinigt euch! Wir, die wir Kunstwerte noch zu schätzen wissen, müssen unsere heiligen Hallen verteidigen gegen den allerorts eindringenden Pöbel. Statt weiterhin artig die Postkartenständer der Museumsshops zu drehen, einen Caffè Latte im Bistro zu trinken und ansonsten die ungewaschenen Finger von unseren Geldanlagen zu lassen, wird dieses Lumpenproletariat immer dreister, mischt sich in unsere Geschäfte ein und ruiniert die... » Mehr
Michèle Roten: Wie Frau sein. Basel: Echtzeit, 2011.
Von Katharina Knorr
Michèle Roten hat ein Buch über Feminismus geschrieben, zusammengestellt aus Kolumnen und Artikeln der letzten Jahre, eingebettet in einige Ergänzungen. Es ist das «Protokoll einer Verwirrung», in dem sie dem Lebensgefühl der um die 30jährigen Ausdruck verleihen will, besonders der Frauen, für die Gleichberechtigung immer etwas Selbstverständliches war, bis sie merkten, «dass die Welt noch nicht so weit ist wie sie». Diese Erkenntnis... » Mehr
Jean-Luc Benoziglio: Das Losungswort. Biel: Verlag die Brotsuppe, 2011.
Von Sabina Galbiati

«Le feu au lac» heisst Jean-Luc Benoziglios jüngst ins Deutsche übersetzter Roman, für den er 1998 den Prix littéraire LIPP erhielt. «Das Losungswort», so der deutsche Titel, konfrontiert mit Versatzstücken aus Benoziglios eigener kultureller Mehrstimmigkeit. Sie dient als Folie für das Erzählen der Biographie eines äusserst unbequemen «Typen»: Getaufter Christ mit jüdischen Wurzeln, geboren in der welschen... » Mehr
Michael Theurillat: Rütlischwur. Berlin: Ullstein, 2011.
Von Michael Harde

Dieser «Rütlischwur» hat eigentlich alles: ein aktuelles Thema, einen historischen Aufhänger aus der Zeit der Verteidigung der freien Eidgenossenschaft gegen die Nazideutschen, Platz eins der Schweizer Bestsellerliste… kurz: eine perfekte Ausgangslage. Der dritte Eschenbach ist aber kein eigentlicher Krimi, wie angekündigt, sondern vor allem ein Abenteuerbuch mit viel Kameradschaft, ordentlichen Portionen Alkohol, wilden Jagden, feinen Kloppereien,... » Mehr
Monica Cantieni: Grünschnabel. Frankfurt am Main: Schöffling, 2011.
Von Claudia Mäder
Dass Kindermünder Wahrheiten verkünden, weiss der Volksmund schon seit geraumer Zeit. Die Literatur jedoch scheint diese Weisheit gerade neu zu entdecken – und bringt reihenweise Werke hervor, in denen Kinder mit grossen Augen auf die Welt der Erwachsenen blicken und mit offenen Mündern von den Absonderlichkeiten berichten, die sie darin entdecken. Bietet die Kinderperspektive einerseits den Vorzug, all das zu hinterfragen, was man gemeinhin fraglos als Normalität... » Mehr
Katharina Geiser: Diese Gezeiten. Salzburg / Wien: Jung & Jung, 2011.
Von Klaus Hübner

Katharina Geiser ist gewiss keine unbekannte Schweizer Literatin. Richtig bekannt jedoch ist sie auch nicht. Ihr umfangreicher neuer Roman wird daran vermutlich wenig ändern. Mit dem literarischen Tidenhub dieser «Gezeiten» stimmt etwas nicht.
Schauplatz ist die britische Kanalinsel Jersey zwischen 1940 und 1945. Die Deutsche Wehrmacht besetzt das idyllische Eiland und installiert peu à peu ihr Schreckensregiment. London brennt. Die Angst zieht ein in die... » Mehr
Lucius Keller: Proust im Engadin. Hamburg: Hoffmann & Campe, 2011.
Von Sabine Kulenkampff
Das vorliegende Büchlein von Lucius Keller lädt mit überschaubaren, teils illustrierten 119 Seiten zum Lesen und Sehen ein. Thema und Archimedischer Punkt für eine (Neu-)Betrachtung nicht nur der «Recherche», sondern auch der literaturtheoretischen Schriften Marcel Prousts ist ein kryptischer Eintrag in das Gästebuch einer Berghütte am Berninapass im Jahr 1893: «Marcel Proust – A.G. – Dem Vogel, der heut sang.»
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Pirmin Meier: Sankt Gotthard und der Schmied von Göschenen. Zürich: SJW, 2011.
Von Virgilio Masciadri
Dass der Gotthardpass im Hochmittelalter gangbar gemacht wurde, gilt gemeinhin als Markstein auf dem Weg zur Gründung der Eidgenossenschaft; so fehlt es von jeher nicht an mythologisierenden Überhöhungen dieses Durchbruchs. Eine der erfolgreichsten stammt dabei von dem Langenthaler Pfarrer Robert Schedler, der 1920 in seinem Roman «Der Schmied von Göschenen» versuchte, dem Erbauer des waghalsigsten Strassenstücks durch die Schöllenen ein Gesicht zu... » Mehr
Frankfurt–Amsterdam: 3 Stunden, 56 Minuten
Von Francesco Micieli
Während der ICE von Frankfurt nach Amsterdam durch die Landschaft stürzt, lasse ich mich, Daniel de Roulets «Sturz ins Blaue» lesend, in eine wilde Lebensgeschichte fallen. Rettungsschirme gibt es keine. Die Schreibgeschwindigkeit entspricht der Fallgeschwindigkeit des Protagonisten Georges von Pokk, der durch Tschaka, eine Tschetschenin auf der Flucht, aus seinem organisierten Leben fällt. Buchstäblich fällt. «Die eigene Geschichte mitnehmen, es... » Mehr
Stephan Harvey, Hansueli Rhyner, Jürg Schweizer: Lawinenkunde. München: Bruckmann, 2012.
Von Markus Rottmann
Die glitzernde Pracht, dieser Pulverschnee, der beinahe duftet, der weite unverspurte Hang – er liegt auf mir als eiskalter Beton. Kann meine Lungen kaum heben. Wo ist oben? Mir ist schlecht. Jetzt nicht kotzen. In einer Lawine zu sterben wird schrecklich. Noch schlimmer, wenn man in seinen letzten Minuten denkt: ich sterbe als Idiot. Jedes Jahr wird in den Alpen in die immer gleichen Fallen gewedelt. Das komplexe Zusammenspiel von Wind, Temperatur, Schneebeschaffenheit, Hang-lage und...
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aus dem Italienischen übersetzt von Barbara Sauser
Von Claudia Quadri

Der Immobilienagent war, sechs Monate nach dem Unfall, der erste, mit dem ich etwas hatte. Einige Zeit nach der Vertragsunterzeichnung tauchte er mit siegesgewisser Miene bei mir auf.
Vielleicht hatte er sich vorgestellt, dass ich ihn auffordern würde, sich zu setzen, dass er etwas zu trinken bekäme, dass wir ein bisschen über die Wohnung plaudern würden.
Aber sie war fast leer. Ich wohnte seit zwei Wochen darin und hatte nur ein Bett, Handtücher, einen Staubsauger... » Mehr
Am Friedhof rechts und dann die Treppe runter? Wer Max Frischs Geheimnisse lüften will, muss nicht mehr ins Tessin fahren. Eine kurze Nachlese zum Frisch-Jahr 2011.
Von Rafael Ferber
Unmittelbar vor dem Ortseingang Berzonas befindet sich jener Friedhof, an dessen Mauer eine steinerne Gedenktafel für Max Frisch angebracht ist. Dies ist ein keineswegs selbstverständliches Zeichen der Wertschätzung einer Tessiner Gemeinde für einen deutschsprachigen Schriftsteller, Tafeln für Alfred Andersch und Golo Mann, die ebenfalls in Berzona lebten, gibt es nicht. Wer es wagt, die Treppen rechts von der Tafel zum heute verlassen wirkenden Grundstück Frischs...
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