Schweizer Monat
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Von René Scheu
Während ich diese Zeilen schreibe, gönne ich mir einen Saperavi von Kakha Berishvili, einem Anarchisten-Winzer, der Laisserfaire-Weine von höchster Güte produziert (sein Motto: «Ich lasse die Natur für mich arbeiten»).  Der Rotwein ist bloss eine Reminiszenz an das Land, das die «Monat»-Redaktion in seinen Bann zog: Georgien. Der Kleinstaat im Südkaukasus, vielfältig, tief und schön, hat sich in kürzester Zeit radikal... » Mehr
Der halbe «Monat» im Kaukasus
Von Redaktion
Als im Dezember die Themenliste fürs neue Jahr zirkulierte, glaubte die Redaktion an einen Verschreiber. Mit «Geostrategie» oder «Geothermie» hätten wir jederzeit gerechnet, aber «Georgien»?! Nachdem wir das Land durch verstohlenes Klicken am Schwarzen Meer, südlich des Grossen Kaukasus und inmitten grosser Weinbaugebiete lokalisiert hatten, wich das Erstaunen Neugier und Vorfreude. Beide nahmen zu, als wir Studien und Wanderführer zu lesen... » Mehr
Von René Scheu
Ich habe Georgien bereist – und bin mit Taschen voller Geschichten zurückgekehrt. Die Personen, die ich kennengelernt habe, kamen mir vor wie Protagonisten eines Romans, dessen Titel lauten könnte: «Vom abenteuerlichen Leben moderner Bildungsbürger».
Zuerst treffe ich Guram Sali. Unser einheimischer Fahrer ist in Tat und Wahrheit Lehrer, der an einer Privatschule Russisch unterrichtet. Das aber nur, weil er die ersten 16 Jahre seines Lebens in Russland... » Mehr
Von Cora Stephan
Halten zu Gnaden! Der nachhaltige Missbrauch der deutschen Sprache könnte nachhaltig missmutig machen. Müssig, denn das aktuelle Wieselwort ist nicht aufzuhalten, auch wenn man ganz und gar nichts davon hält. Niemand scheint sie davon abzuhalten, die Menschen und Marken, Produzenten und Politiker, Werber und Beworbene, alles, was ihnen gut und edel dünkt, mit dem Markenzeichen «nachhaltig» zu versehen. Der nachhaltige Wortmissbrauch tarnt sich... » Mehr
Von Gottlieb F. Höpli
Das Städtchen Merseburg an der Saale wird für Germanisten und andere altmodische Menschen immer ein Begriff bleiben. Hier wurden im Domschatz vor bald zweihundert Jahren jene einzigartigen althochdeutschen Zaubersprüche aus dem 8./9. Jahrhundert aufgefunden, die beschreiben, wie mit vorchristlich-germanischer Magie das Lösen von Fesseln oder das Heilen eines kranken Pferdebeins zu vollbringen seien. Für moderne Zeitgenossen war die etwas verschlafene Kleinstadt bisher... » Mehr
Von Christian P. Hoffmann
Unter allen Unternehmensformen geniesst die börsenkotierte Aktiengesellschaft das geringste Vertrauen in der Bevölkerung. Dieser Schluss einer gfs.bern-Befragung kann kaum verwundern, berichten doch die Medien regelmässig und mit Leidenschaft über die Fehler und Dummheiten der AGs und ihrer Manager. Immer häufiger fühlt sich darum die Politik berufen, den Aktiengesellschaften gute Unternehmensführung («Corporate Governance») beizubringen – vor... » Mehr

Was Sie wissen sollten, bevor Sie über die Ecopop-Initiative abstimmen.
Von Dirk Maxeiner, Michael Miersch

© privat.

«Opa, warum sind die Fische tot?», fragt das kleine Mädchen. Und Opa antwortet: «Weil die Industrie das Rheinwasser vergiftet hat.» Dieser Dialog stammt aus einem Fernsehwahlspot der deutschen Grünen von 1983, dem Jahr, als die Partei erstmals in den Bundestag einzog. Für die Rolle des freundlichen Grossvaters heuerten die Werbefilmer nicht irgendeinen Statisten an, sondern Werner Vogel, den Spitzenkandidaten der nordrhein-westfälischen Liste....
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Abspaltungstendenzen Schottlands, Exodus der Industrie, ganze Regionen ohne Arbeit – Grossbritannien hat vielerlei Probleme. Das ist die Chance für Nigel Farage und seine UKIP: die Protestbewegung entwickelt sich zur Revolution.
Von Olivia Kühni
Kurz bevor er in die Schweiz fliegt, isst Nigel Farage ein Specksandwich. Das ist wichtig, und darum tut er es vor laufender Kamera. «Alles okay», sagt er in die Linse. Farage macht Wahlkampf. Er ist gekommen, eine der Labour-Hochburgen des Landes zu kapern: den rauhen Norden Manchesters, wo die Männer früher Textilarbeiter waren und heute oft nicht mehr viel. Und wie er die Festung stürmen wird. Aber jetzt reist er erst mal in die Schweiz.
Wenige Stunden später... » Mehr
Von Markus Fäh, Andreas Oertli
Wir haben in den letzten Wochen und Monaten viel über die freie Wahl der Krankenkasse und des Arztes, über Notwendigkeiten und Wünschbarkeiten in der Gesundheitsversorgung, über die überbordenden Kosten lesen und hören können. Schuldzuweisungen allenthalben: geldgierige Pharmalobby, Ärztefilz, Spitalgerangel, Kassenlobbyisten. Politiker fast jeglicher Couleur stimmten laute Wehklagen an und priesen ihre eigenen Rezepte.
Das Verhalten der Patienten wurde... » Mehr
Ein paar grundsätzliche Gedanken.
Von Frank Schäffler
Der Liberalismus steckt zweifelsohne in einer schweren historischen Krise. Der Beginn des 21. Jahrhunderts scheint als paternalistische Periode in die Geschichte einzugehen. Die Marktwirtschaft wird für die Exzesse in der Finanzwelt verantwortlich gemacht und das Eigentum unter staatliche Kuratel gestellt. Kein noch so kleines Sparbuch kann heute eröffnet werden, ohne vorher bibeldicke Verbraucherinformationen zur Kenntnis zu nehmen. Kein Normalverdiener kann heute ausreichend Vorsorge... » Mehr
Datenschutz ist längst kein Exotenthema mehr. Doch obwohl er in den Medien Präsenz geniesst, hat er am Stammtisch einen schweren Stand – dringt dafür aber zögerlich in Politstuben und Parlamentskammern vor. Nur: was kann ein Akteur, der selber Daten sammelt, zum Schutz der Privatsphäre beitragen? Ein Gespräch über ausbleibende Aufstände, irrationale Ängste und reale Gefahren im digitalen Zeitalter.
Von Claudia Mäder, Juli Zeh

Juli Zeh, photographiert von Benno Kraehahn / photoselection.

Frau Zeh, Sie leben in Deutschland. Fühlen Sie sich dort primär sicher oder primär überwacht? 
Primär überwacht – und deshalb unsicher: Bei mir steigt das Gefühl der Unsicherheit mit der Überwachung an! Das ist jedoch kein deutschlandspezifisches Problem, mein Empfinden wäre heutzutage vermutlich an jedem anderen Ort der Welt das gleiche.
Um auf das Missverhältnis zwischen forcierter Kontrolle und suggerierter Sicherheit aufmerksam...
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Das Netz umgibt uns überall. Engt es uns aber mit Kontrolle ein oder bringt es uns durch Verknüpfung weiter? Beides, meint Sascha Lobo, denn Genialisches und Diabolisches liegen immer nah beieinander. Ein Blitzgespräch über Internetphänomene und die dunkle Seite von Mark Zuckerberg.
Von René Scheu, Sascha Lobo
Herr Lobo, die Digitalisierung ist ein umfassendes Phänomen. Durchlaufen wir es im Eilschritt von A bis Z: A wie Amazon!
Amazon ist eine gnadenlose Effizienzmaschine und ein Retailer, der mehr von Kundenservice und Logistik versteht als irgendjemand sonst auf unserem Planeten. In den Buchmarkt hat Amazon einige Bewegung reingebracht. Was Verlage und Autoren angeht, missbraucht Amazon seine führende Marktposition. Was aber den Kundenservice angeht, ist das Unternehmen unschlagbar; ich... » Mehr
Keineswegs! Eine Replik.
Von Cédric Wermuth
Im Spätsommer hat der Ökonomieprofessor Christoph Schaltegger nichts weniger verkündet, als dass die «soziale Frage» als «weitgehend gelöst» betrachtet werden könne.1 Diese Position spricht für die «Realitätsnähe» der aktuellen ökonomischen Lehre. Ein Blick auf den rasant wachsenden Anteil der Ergänzungsleistungen an den AHV- und IV-Rentensummen reicht, um diesen Unsinn als solchen zu entlarven: Offenbar... » Mehr

Dass Jugendliche den «heiligen Krieg» zunehmend «cool» finden, ist besorgniserregend, sagt aber mehr über den Zustand der westlichen Gesellschaften als über den Islam. Denn: Was bringt junge Leute eigentlich dazu, ein Leben in Freiheit und Frieden gegen organisierten Mord im Wüstensand einzutauschen?
Von Matthias Heitmann
Warum sympathisieren Jugendliche plötzlich offen mit islamistischen Terroristen oder ziehen selbst in den «heiligen Krieg»? Diese Frage sorgt sowohl in Familien und Schulen als auch in Regierungen für Ratlosigkeit. Europa meldet steigende Zahlen von nach Syrien oder in den Irak strömenden Freiwilligen. Bis zu 2000 Europäer sollen es mittlerweile sein. Allein in der Schweiz weiss man von rund 25 Personen, die ins Kriegsgebiet aufgebrochen sind, als hätten sie... » Mehr
Von Nicola Forster
Kürzlich sass ich mit einem Parlamentarier einer einigermassen liberalen Partei beim Mittagessen. Ich erzählte ihm von Afrika, genauer: von Äthiopien, wo ich dieses Jahr als Berater für einen sicherheitspolitischen Think Tank arbeitete. Der besagte Herr glaubte, aufgrund einer Westafrikareise in den Siebzigerjahren durchaus selber in der Lage zu sein, die Situation unseres Nachbarkontinents zu beurteilen – und diese schien ihm zappenduster: Krieg, Korruption,... » Mehr
Von Ulrich Zwygart
Der Ruf nach einer Quotenregelung für Frauen in den Verwaltungsräten börsenkotierter Unternehmungen wird lauter. Bundesrätin Sommaruga will eine entsprechende Gesetzesregelung im revidierten Aktienrecht. Die Zahlen sind klar: Die Frauen sind in diesen Gremien untervertreten. Auch sonst spricht einiges für eine grössere Zahl von weiblichen Mitgliedern in den Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten von grösseren Unternehmungen: Frauen bringen nicht nur... » Mehr
Von Tomáš Sedláček
Sie wächst ins Digitale, ins Netz. Schauen wir näher hin: Das Internet hat – anders als die materielle Industrie – weder eine Fläche, ein Mass noch ein Gewicht. Trotzdem ist es heute von entscheidender Wichtigkeit, im Zentrum dieses Netzes zu stehen. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Der Internetgigant Google bietet uns bereits heute einen schönen Vorgeschmack auf zukünftige Wirtschaftsformen. Denn weder produziert Google Güter, noch verkauft es sie.... » Mehr
Von Mirjam B. Teitler
Die Kartellgesetzrevision ist gescheitert und damit auch der Versuch, ein erstinstanzlich unabhängiges Kartellgericht zu schaffen. Die Odyssee hat ihren Anfang 2009 mit einer Expertengruppe genommen, die vierzehn teils beliebige Empfehlungen zur Änderung des Kartellgesetzes (KG) abgab. Der Bundesrat hat es dann unterlassen, die Spreu vom Weizen zu trennen, die Vorschläge glaubwürdig zu bündeln und dem Parlament bzw. seinen Kommissionen einen schlanken Revisionsentwurf... » Mehr
Was es braucht, damit Frauen ihre Freiheit nutzen.
Von Nathaly Bachmann Frozza
Wie bitte? Ich fasse mir an die Stirn, die sich in tiefe Falten legt. Nun lese ich die Schlagzeile der «Weltwoche» sogar laut vor, um mich zu vergewissern, ob ich nicht im falschen Film bin: «Frauen wollen weniger verdienen». Ich bin im falschen Film. Der Redaktor, der das schreibt, beruft sich auf eine Studie, die in der «European Sociological Review» veröffentlicht wurde. Wollen wir alle, Männer und Frauen, nicht stets möglichst gut verdienen... » Mehr
Von Patrik Schellenbauer
Der Trend zu mehr Teilzeitarbeit ist ungebrochen: 2013 waren knapp 9 Prozent der männlichen Arbeitnehmer mit einem Beschäftigungsgrad zwischen 50 Prozent und 90 Prozent angestellt. Dieser Anteil hat sich seit 1991 annähernd verdreifacht. Dazu kommt ein leicht steigender Anteil von Männern mit einem Beschäftigungsgrad unter 50 Prozent. Bei dieser zweiten Gruppe ist das tiefe Pensum oft nicht selbst gewählt. Vielmehr verbirgt sich hinter diesen 5 Prozent der... » Mehr
Von Redaktion
Flug LH438
«Don’t worry, Sir. You are taking off», war die Antwort am Check-in, als ich nach den Auswirkungen des angekündigten Lufthansa-Pilotenstreiks auf meinen Flug fragte. Ein Worry weniger: Für die 10 Stunden von Dallas nach Frankfurt blieben nun bloss noch Beinfreiheit, schlechtes Entertainmentsystem und – Ebola. Sie erinnern sich: Dallas. Texas Health Presbyterian Hospital. Anzahl Ebola-Fälle: 3 (–1†). Mit Flugzeugen hier an- und... » Mehr
Von René Scheu
Dieses Dossier ist die Dokumentation des bisher grössten Abenteuers der Redaktion. Serena Jung, Claudia Mäder und ich sind eingetaucht in eine unerhörte, alteuropäische, neuliberale und vielfältige Welt. Nach zehn Tagen mit nachhallenden Erlebnissen sind wir wieder aufgetaucht und haben das Gesehene, Gehörte und Geschmeckte verdichtet. Folgen Sie uns auf unserem Abenteuer in die neue Welt von – Georgien!
Das junge Land, seit 1991 unabhängig, hat sich in... » Mehr
Er war einst Reiseführer und lehrte Philosophie. Im Gespräch führt der Präsident Georgiens durch die Geschichte des Melting Pots zwischen West und Ost. Und erklärt das eigentlich einfache Prinzip der guten Nachbarschaft – auch zum Problemnachbarn Russland.
Von René Scheu, Giorgi Margvelashvili

Giorgi Margvelashvili, photographiert von Leila Blagonravova.


Herr Präsident, ich bin zum ersten Mal in Georgien. Wenn Sie mein Reiseführer wären, welche Orte müsste ich aus Ihrer Sicht am ersten Tag unbedingt besuchen, um das Land zu verstehen?
Ich denke, am besten würden Sie erst mal die Altstadt von Tbilisi besuchen, die im 5. Jahrhundert nach Christus gegründet wurde. Kommen Sie bitte! [Giorgi Margvelashvili steht auf und bittet uns, ihm ans Fenster zu folgen, von wo aus wir das historische Zen-trum der georgischen...
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23 Hühner für ein Staatsbankett? In Georgien können die Bürger kritisch prüfen, was sich ihre Politiker genehmigen. Kein anderes Land hat im letzten Jahrzehnt effektiver gegen Korruption und Misswirtschaft gekämpft – mit politischem Willen, neuen Technologien und den richtigen Anreizen.
Von Mathias Huter
Wasser und Strom gibt es nur einige Stunden am Tag. Ob man auf eine gute Universität kommt und Prüfungen besteht, hängt von den finanziellen Verhandlungen mit dem Professor ab. Auf einer längeren Autofahrt wird man zweimal grundlos von der Polizei aufgehalten, mit ein wenig Trinkgeld ist das Problem gelöst. Ein beliebtes Geschenk zum 18. Geburtstag: ein offizieller Führerschein, gekauft für 100 Dollar. Gerüchteweise bekommt man ihn billiger, wenn der... » Mehr
Von Nicolas Hayoz
Was hat die Untersuchung von häuslicher Gewalt mit Studien zum kulturellen Umfeld von Unternehmen oder zum Aufbau einer meritokratisch orientierten öffentlichen Verwaltung zu tun? Der gemeinsame Nenner ist die sozialwissenschaftliche Thematik. Das ASCN (Academic Swiss Caucasus Net, siehe www.ascn.ch ), ein von der Gebert-Rüf Stiftung unterstütztes Forschungsförderungsprogramm für Armenien und Georgien, beschäftigt sich genau mit solchen... » Mehr
In Georgien steht Stalin nicht als Schlächter auf dem historischen Schrottplatz, sondern als Rebell auf dem nationalen Podest. Bevor er entsorgt wird, wo er hinge-hört, tut aber Aufklärung not. Denn auch aus Mentalität und Gesellschaft sind nicht alle sowjetischen Relikte verschwunden.
Von Claudia Mäder

Bergdorf Omalo, photographiert von Claudia Mäder.






Die Betreiber des Stalinmuseums sind beinharte Kapitalisten. 15 Lari – rund 8 Franken oder das Tagesgehalt einer Supermarktkassiererin – verlangen sie in ihrem improvisierten Giftshop für eine Schneekugel mit dem Kopf des berühmtesten Georgiers. 15 Lari – rund 20 pilzgefüllte Teigtaschen mitsamt zwei Gläsern guten Weins –, um ein paar Schneeflocken auf einen Massenmörder rieseln zu lassen? Reinste Abzockerei! Viel rentabler ist es, eine...
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Von Serena Jung
Auf der Fahrt zur Fabrik zeigt Mikheil Svimonishvili auf die Geräteparks, die die Regierung in verschiedenen Regionen aufgestellt hat, damit sich die Bauern Traktoren und anderes Gerät für die Feldarbeit ausleihen können. Für eigene Ausrüstung fehlt ihnen das Geld, mehr produzieren aber können sie nur mit Maschinenkraft, und mehr produzieren heisst für Svimonishvili: mehr Gemüse und Früchte zum Einmachen. Die Marneuli Food Factory ist eines der... » Mehr
Von René Scheu
Als ich mitten in Tbilisi das Gebäude der Georgischen Schachföderation betrete, fühle ich mich, als wäre ich in sowjetischen Zeiten gelandet: dunkle Räume, tonnenschwere Möbel, Stühle aus einer anderen Zeit. Natürlich kenne ich die Sowjetunion nur aus amerikanischen Filmen, aber wie ein Protagonist in einem Film komme ich mir auch vor. In einem Vorzimmer warte ich auf Giorgi Giorgadze, Präsident der Georgischen Schachföderation. Überall... » Mehr
Von René Scheu
Vato Lejava, CEO der Free University of Tbilisi, wartet am Eingang und führt mich durch die Räumlichkeiten seiner Hochschule am äusseren Rand der georgischen Haupt- stadt. Wo einst eine staatliche Lehranstalt untergebracht war, residiert seit 2007 eine private Universität, die bereits sämtliche nationalen Rankings anführt, von Recht über Computerwissenschaften bis zur Business School. Was dem mitteleuropäischen Beobachter sogleich auffällt: Die... » Mehr
Von Allan Guggenbühl
«In Gedanken an die Menschen, die wir lieb­gewonnen und die uns geholfen haben!» «Auf eine gute Zusammenarbeit und das Gelingen unseres gemeinsamen Projektes!» Ich sitze mit meinen georgischen Kolleginnen und Kollegen an einem länglichen Holztisch in einem Gartenrestaurant oberhalb Tbilisis. Unter uns glitzern die Lichter des Altstadtquartiers, wir sehen einen Teil des überdimensionierten, futuristischen Justizgebäudes und im Hintergrund die riesige... » Mehr
Der Unternehmer und ehemalige georgische Landwirtschaftsminister Mikheil Svimonishvili weiss, was sein Land vorangebracht hat: Flat Tax, Rechtsstaat, Rückbau der Verwaltung – und fehlende Hygienevorschriften.
Von René Scheu, Mikheil Svimonishvili

Mikheil Svimonishvili, photographiert von Martina Jung.

«The Economist» hat vor einiger Zeit geschrieben, dass sich Georgien «als Star des Kaukasus» neu erfunden habe. «Die Polizei lässt sich nicht schmieren, und Elektrizität ist kein Luxus mehr. Aber am wichtigsten ist, dass die Leute selbst über solchen Erfolg nicht länger erstaunt sind. Die grösste Veränderung spielte sich in den Köpfen ab.» Stimmen Sie mit der Einschätzung überein oder zeichnet das britische Magazin...
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Während der Staat versucht, mit der Kunst die geschichtliche Brücke über die Sowjetzeit hinweg zu schlagen, erfinden die zeitgenössischen Künstler neue Berufe und gärtnern mit Studenten auf dem Biohof.
Von Serena Jung

Karaman Kutateladze, photographiert von Martina Jung.









Ein Land sucht seine Identität. Nach 70 Jahren als südliche Feriendestination der Sowjetunion und guten 20 Jahren der Unabhängigkeit mit Bürger- und Territorialkriegen, politischen und ökonomischen Krisen befindet sich Georgien heute in so etwas wie einem Prozess der Stabilisierung und Positionierung. Dazu greift es wie viele junge (und auch nicht so junge) Staaten auf die Geschichte zurück. Über die goldenen Zeiten unter...
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So sehr sich Georgien im letzten Jahrzehnt liberalisiert hat: In religiösen Belangen hat sich das Land verschlossen. Mit der georgisch-orthodoxen Kirche ist ein Player auferstanden, der der Moderne mächtig entgegenwirkt. Seine national-religiöse Mixtur betört das Volk – und fordert den jungen Staat heraus.
Von Giga Zedania, Zaal Andronikashvili
Am 17. Mai 2013 griffen mehrere tausend Demonstranten, die von Priestern der georgisch-orthodoxen Kirche angeführt wurden, Aktivisten an, die am «Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie» mit einer Schweigedemonstration gegen Intoleranz protestierten. Die Priester riefen zu Gewalt gegen Homosexuelle und Menschenrechtsaktivisten auf und sprachen Morddrohungen aus. Homosexualität – so die Parolen der Ultraorthodoxen – sei nicht mit dem... » Mehr
Eine Begegnung der dritten Art – ein bekennender Weinliebhaber auf den Spuren von Georgiens wohl grösstem Kulturerbe: der traditionellen Weinproduktion in Amphoren.
Von René Scheu
Georgier pflegen zu sagen, Georgien sei die Wiege des Weins. Es scheint ganz so, als hätten sie recht. In Marneuli, südlich von Tbilisi, haben die Forscher unlängst 6000 Jahre alte Kerne von vitis vinifera sativa gefunden – der Weintraube. Zuerst wurden die Reben so gepflegt, dass sie sich um Bäume rankten (Name des Kultivationsstils auf Georgisch: maghlari), später um Büsche (olikhnari), seit rund 3000 Jahren werden sie als eigene Pflanzen gehegt (dablari).... » Mehr
…sind die Frauen nicht zwingend am Drücker. Doch auch wenn sie in der Politik «untervertreten» sind und auf keine staatlichen Förderstrukturen bauen können, ha-ben die georgischen Frauen heute gute Karrierechancen. Sagt Maia Panjikidze, die es an die Spitze des Aussenministeriums geschafft hat.
Von Claudia Mäder, Serena Jung, Maia Panjikidze
Frau Panjikidze, wir haben während unserer Reisen in Ihrem Land immer wieder gehört, dass die Blütezeit Georgiens mit einer Frau assoziiert werde: mit «König» Tamar, die das Land im 12. Jahrhundert modernisiert und dafür einen Männertitel verliehen bekommen habe. Bei Ihnen im Aussenministerium sind heute 60 Prozent aller Angestellten weiblich. Ist Politik in Georgien traditionsgemäss eine Frauendomäne?
Tatsächlich sind viele... » Mehr
Russischkenntnisse empfohlen, Trinkfestigkeit unabdingbar: Wer im Kaukasus auf Berge steigen will, braucht anderes Rüstzeug als in den Alpen. Ein Selbstversuch am sagenumwobenen Kazbek.
Von Claudia Mäder

Der Kazbek, photographiert von Claudia Mäder.

 

 Mütter sind Mütter. Ob sie an der Zürcher Pfnüselküste oder im kaukasischen Bergdorf wohnen: Manchmal können sie nur den Kopf schütteln über ihre Kinder. Wie er den nun stundenlang tragen wolle, scheint die kleine Frau mit Verweis auf den bis unter die Deckeltasche gefüllten Mammut-Rucksack ihres schmächtigen Sohns zu fragen, doch sicher bin ich mir nicht. Prüfend hebt sie dann aber auch mein Gepäckstück hoch...
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Von Tamuna Khoshtaria, Natia Mestvirishvili
Im Oktober 2012 hat Georgien einen wichtigen Meilenstein erreicht – den ersten friedlich verlaufenen, demokratischen Regierungswechsel seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Dieser Wandel wurde sowohl im Land selbst wie auch international als Schritt in Richtung Demokratie wahrgenommen und hat den Zukunftsoptimismus der Georgier verstärkt. Was aber denken die Georgier fast zwei Jahre nach diesem Sprung in die Demokratie über ihre gegenwärtige Situation und ihre... » Mehr
Georgien ist das Paradies auf Erden: Mit hohen Bergen, fruchtbaren Tälern und hervorragenden Reben hat der liebe Gott es bedacht. Erst seit es auf die segensreiche Wirkung offener Märkte setzt, vermag das Land sein Potential aber auch wirtschaftlich zu nutzen.
Von Philippe Rudaz
Als Gott die Landstücke der Welt unter den verschiedenen Völkern der Erde verteilte, kamen die Georgier zu spät, und Gott hatte nichts mehr für sie übrig. Die Georgier aber brachten zu dem Treffen Kostproben von ihrem besten Wein mit. Und dieser erfreute den Schöpfer so sehr, dass er ihnen ein kleines, mit einigen Bergen und einem Meer ausgestattetes Stück Land gab, das er eigentlich für sich und seinen standesgemässen Ruhestand vorgesehen... » Mehr
Chavchavadze und Margvelashvili, Shevardnadze und Kobiashvili – die georgischen Namen sind unverkennbar. Doch so kompliziert sie auch klingen mögen, ihr Bauprinzip ist ein simples: Eine kleine Einführung in die georgische Onomastik.
Von Manana Tandashvil
Der älteste georgische Familienname lässt sich schon in den frühesten Schriftzeugnissen nachweisen. «Das Martyrium der heiligen Schuschanik», das älteste erhaltene Buch der georgischen Literatur, das zwischen 476 und 483 verfasst wurde, stammt von einem Priester und Schriftsteller namens Jakob Zurtaweli (Jakob aus Zurtawi). Etabliert haben sich die georgischen Familiennamen seit dem 12. Jahrhundert, als sie sich zuerst in der Oberschicht durchgesetzt haben. Im... » Mehr
Die mündlich überlieferte Musik der Georgier ist ein bedeutender Beitrag zur musikalischen Weltkultur – nicht nur in den Ohren einzelner Begeisterter: Der mehrstimmige traditionelle Gesang steht als «Meisterwerk der mündlichen und immateriellen Kultur» unter dem Schutz der Unesco und fungiert als Kommunikationsform, die die Einheit in der Vielfalt sucht
Von Thomas Häusermann
Einst überall selbstverständlich, ist der mündlich überlieferte Gesang als Teil des dörflichen Lebens heute am Verschwinden, wenn auch vielleicht etwas langsamer und später als anderswo, denn die traditionellen Lebensformen wurden in Georgien erst nach der russischen Besetzung 1811 durch die Standards der internationalen Zivilisation in Frage gestellt. Bald danach aber entstanden erste Sammlungen, später (gleichzeitig mit jenen Bartóks in Ungarn)... » Mehr
Mein Georgien-Abenteuer hat vor vier Jahren begonnen, in Zürich, bei einem Abendessen mit Tischgesang. Wie ich das Land im Südkaukasus kennenlernte. Und wie ich neue Freunde und Geschäftspartner fand. Bericht eines involvierten Unternehmers.
Von Martin Janssen
Georgien ist anders. Anders, als ich es mir vorgestellt hatte, in vielem anders als die Schweiz, zumeist anders, als Korrespondenten – meist mit Moskaus Brille – darüber berichten. Georgien erlebt, anders als die anderen ehemaligen Republiken der Sowjetunion, seit 1989 die abenteuerliche Wandlung von einer kommunistischen Staats- und Wirtschaftsorganisation hin zu einem betont freiheitlichen, unternehmerfreundlichen und demokratischen Staat mit hohen Wachstumsraten.
Mein... » Mehr

Von Wolfgang Sofsky
Um zu überleben, musste der Mensch immer arbeiten. Von Anbeginn stand seine Existenz unter diesem Joch. Tagtäglich folgt er dem Kreislauf der Selbsterhaltung, dem endlosen Wechsel von Verausgabung und Regeneration, von Erzeugen und Verbrauch. Arbeit und Konsum. In diesem Mühlrad fristet er sein Dasein. Von der Notdurft des Lebens sind nur jene befreit, die von anderer Leute Arbeit oder Abgaben leben. Wer jeden Morgen zur Fronstätte eilt, die ihm das Überleben sichert,... » Mehr
Nach 20 Jahren Sendepause meldet sich Schriftsteller Rolf Niederhauser mit einem fulminanten Gesamtkunstwerk zurück, das Versatzstücke aus Road Novel, Wissenschaftsprosa und Philosophie kombiniert. Ein Ausflug ins Basellandschaftliche – und in unser aller Bewusstsein.
Von Alex Rickert, Rolf Niederhauser

Rolf Niederhauser, photographiert von Michael Wiederstein.


Herr Niederhauser, mit dem Roman «Seltsame Schleife» melden Sie sich als Schriftsteller nach zwanzig Jahren zurück im Literaturbetrieb. Der über 700seitige Roman ist ein intellektueller Road Trip, mitreissend und anspruchsvoll. Warum aber diese lange Schreibpause?
Ich habe keine Schreibpause gemacht. (lacht)
Sondern?
Ich hatte Anfang der 90er Jahre zwei grössere Erzählungen angefangen, mit denen ich aber nicht recht vorwärtskam, bis ich realisierte,...
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Von Christian Saehrendt
Das Museum (aber auch die Galerie, die Kunsthalle u.ä.) gilt vielen Menschen als eher unbehaglicher Ort intellektueller Anstrengung und emotionaler Kontrolle. Auf dieses Unbehagen reagieren pädagogische Programme und festliche Events, speziell die «Langen Museums-nächte». Sie sollen, Achtung, ein «kunstfernes Publikum» anlocken. Durch Wein (seltener: Weib), manchmal Gesang, aber stets: Spektakel. Erfunden in Berlin, breitete sich das Konzept in rasender... » Mehr
Von Serena Jung

Nino Sekhniashvili, photographiert von Martina Jung.


An der Wand hängen Scherenschnitte von Manana Menabde, in der Mitte des Raumes stehen Tische in der Form eines riesigen «  », des georgischen Buchstabens k, darauf Aphorismen. Wir sind in der Gallery Nectar in Tbilisi, die Nino Sekhniashvili führt. Wir begrüssen uns auf Englisch, Nino fragt, ob wir nicht lieber Deutsch sprechen würden, das falle auch ihr leichter. Kein Wunder: in Düsseldorf hat sie studiert, in Wien, Stuttgart und Zürich...
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