Schweizer Monat
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Von Redaktion
Es waren in Armut lebende Eltern, die ihre Kinder weggaben. Es waren aber auch die Behörden, die die Kinder den Eltern wegnahmen. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurden «Verdingkinder» in fremde Familien plaziert. Zumeist wurden sie als günstige Arbeitskräfte verdingt, da sie sich kaum wehren konnten. Lesen Sie im Dossier ab S. 19 die Beiträge zur Aufarbeitung dieses Kapitels der jüngeren Schweizer Geschichte. A propos: die Ausstellung «Verdingkinder reden», die während fünf... » Mehr
Von Christian Hannover, Oliver Luksic, Cyrill Engeli, Reinhart R. Fischer
10.03.2009
Cyrill Engeli, freilich.ch, http://www.freilich.ch/
Karriere-Tip
«Warum wettern die Amerikaner eigentlich gegen die Steuerhinterziehung? Das Delikt ist ja in den USA nichts anderes als ein Karriere-Beschleuniger: man wird damit entweder Finanzminister (T. Geithner) oder zumindest als Gesundheitsminister nominiert (T. Daschle). Das Bankgeheimnis ist da natürlich hinderlich; nur wenn die Hinterziehung bekannt wird, hat man wirklich Aussicht auf einen ‹Top Job›.»
09.03.2009
Oliver... » Mehr
Der Künstler Walter Wegmüller
Von Suzann-Viola Renninger, Walter Wegmüller
Ein Raum, gross wie eine Tiefgarage, kein Tageslicht, hinten öffnen sich Türen zu weiteren Räumen, kein Ende absehbar. Vielleicht ist ja ganz Basel, die ganze Schweiz mit einem weitverzweigten System von Gängen und Räumen unterkellert, das Abertausende von Bildern enthält, akribisch eines neben das andere gehängt, auf den Betonwänden kaum Lücken lassend. Die kleineren sind an den Wänden in langen Reihen befestigt, jedes in einem schmalen Rahmen, schwarz, golden, rot, türkis oder aus...
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Das Bankgeheimnis ist schon lange durch-löchert. Das hat bloss niemand gemerkt.
Die richtige Zeit, um die Löcher zu stopfen.
Von Radu Golban
Die diskrete Verwaltung von Vermögen ausländischer Kunden ist nie auf das Wohlwollen von deren Steuervögten gestossen. Die juristisch normierte Verschwiegenheit der einen stand naturgemäss in einem antagonistischen Verhältnis zu den fiskalischen Substratsicherungsansprüchen der anderen. Irgendwann drehte sich alles nur noch um ein mächtiges Wort, das die Herzen bewegt: «Geheimnis». Es verfestigte sich der Eindruck eines Bankgeheimnisses (eigentlich Bankkundengeheimnisses) als einer... » Mehr
Beim Bankgeheimnis geht es nicht primär
um eine Geschäftsstrategie, sondern um freiheit-liche Grundsätze der politischen Moderne.
Von Matthias Jenny
Der US-amerikanische Autor, Abolitionist und Pazifist
Henry David Thoreau schreibt in «Civil Disobedience»: «Wenn tausend Leute dieses Jahr keine Steuern zahlen würden, wäre das keine gewalttätige und blutige Massnahme, wie es sie wäre, wenn sie ihre Steuern zahlen und damit dem Staat ermöglichen würden, Gewalt auszuüben und unschuldiges Blut zu vergiessen.» Die Schrift erschien 1849, kurz nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg und zur Zeit der Sklaverei in den US-Südstaaten. Man... » Mehr
Einige prinzipielle Anmerkungen aus aktuellem Anlass
Von Jörg Baumberger
Philosophisch-ökonomische Staatsbegründungen in der weiteren Tradition von Thomas Hobbes (re-)konstruieren den Staat rational als Institution zur Lösung sogenannter Gefangenendilemmata, d.h. als menschengemachtes und menschenbetriebenes Vehikel, das uns Menschen daran hindert, in unkooperativer Verfolgung unseres Eigennutzes in einen für alle unnötig armseligen Zustand zu verfallen. Nicht minder rationale Überlegung im Lichte der Menschheitserfahrung führt jedoch rasch zur Einsicht, dass... » Mehr
Papst Benedikt XVI hat das Paulus-Jahr ausgerufen, das noch bis im Juni dauert. Er hat damit das Geschenk besonderer Ablässe an die Gläubigen verknüpft. Passt das zusammen?
Von Andreas Fischer
Die Basilika des Apostels heisst sinnigerweise «St. Paul vor den Mauern». Sankt Paul scheint sich wohl zu fühlen dort draussen. Offenbar hat er extra muros die Freiheit gefunden, die er im Zentrum vergeblich gesucht hatte.
Christus, heisst es im Hebräerbrief, habe «draussen vor dem Tor gelitten» (Hebr. 13,12). Paulus befand sich vor seiner Umkehr, symbolisch gesprochen, innerhalb des Tores, umgeben von den Mauern des Gesetzes. Dann drang jener Nazarener, der «draussen» gelitten hatte... » Mehr
Sie sind einen rauhen Wind gewohnt. Sie packen an. Und sie sind für schwierige Zeiten gewappnet – jedenfalls in der Theorie: die Unternehmer. Wir führen die Debatte der letzten Ausgabe fort: Wie agiert ein Unternehmer in Krisenzeiten? Und was stört ihn an der Schweiz? Ein Praktiker denkt laut.
Von René Scheu, Marco G. Walser
Ist der Unternehmer eher ein «Flaschensammler» oder ein «Pionier», eher einer also, der Preisdifferenzen nutzt, oder einer, der Innovationen vorantreibt?
Es gibt beide Arten von Unternehmern, und es braucht auch beide. Sie bringen die Gesellschaft voran. Und vor allem – sie leben eine Einstellung vor, die in jüngster Zeit gerne vergessen wurde: Risiko und Rendite sind miteinander gekoppelt. Je höher die mögliche Rendite, desto höher das Risiko, das ist wie ein physikalisches... » Mehr
Unternehmerischer Erfolg ist die entscheidende Voraussetzung für Wohlstand. Doch Kredit-vergabe allein garantiert den Erfolg nicht.
Eine Erwiderung auf das Dossier «Raus aus der Armut! – Mikrokredite» der letzten Ausgabe.
Von Rahim Taghizadegan
Der Rummel um Mikrokredite, der bei uns spätestens seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Muhammad Yunus im Jahre 2006 eingesetzt hat, dürfte der Sache kaum dienen. Die Gefahren der Kreditvergabe werden gerne ausgeblendet. Dabei sind und bleiben auch «Mikrokredite» eben «Kredite» – das Wort kommt von lateinisch «credere», also von «glauben». Wer einen Kredit für sich beansprucht, ist erst einmal Schuldner, was immer er auch daraus macht.
Was es bedeutet, Schuldner zu sein,... » Mehr
Von Suzann-Viola Renninger
In den Pflegefamilien wurden sie meist nicht mit Namen genannt; sie hiessen schlicht Verdingmädchen oder Verdingbub. Noch vor 50 Jahren gehörten die Verdingkinder – ein Wort, das nur das Schweizerdeutsche kennt – zum ländlichen Alltag und arbeiteten für Kost und Logis bei fremden Bauern. Heutzutage rufen die nackten Zahlen meist ungläubiges Kopfschütteln hervor, und die Behandlung der Kinder Entsetzen. Tausende
mussten schon als Kleinkinder schwere Arbeit verrichten, waren... » Mehr
Waisenkinder, Findelkinder, Scheidungskinder, Armutskinder – es gab viele Gründe für die Fremdplazierung von Kindern. Die Praxis war in der Schweiz bis weit ins 20. Jahrhundert weitverbreitet.
Die Aufarbeitung dieses Kapitels der jüngeren Geschichte hat erst begonnen.
Von Mirjam Häsler
Wenn man im Bekanntenkreis das Thema fremdplazierter Kinder anspricht, so fällt auf, wie viele von einem Vater, einer Grossmutter, einer Tante oder einem Grossonkel zu berichten wissen, die als Kinder in fremden Familien aufgewachsen sind. Dies ist kein Wunder, lebte doch im Jahr 1910 schätzungsweise jedes 25. Kind in einer fremden Familie und konnte – aus welchen Gründen auch immer – nicht bei seinen leiblichen Eltern aufwachsen.
Je nach Region unterschieden sich die Zahlen stark.... » Mehr
Suzann-Viola Renninger im Gespräch mit Josef Mooser Was uns heute skandalös erscheint, gehörte im 19. Jahrhundert zur Normalität: Massenarmut auf dem Land. Die Situationen der Familien, aus denen die Verdingkinder stammten, waren noch viel prekärer. Versuch einer historischen Kontextualisierung.
Von Suzann-Viola Renninger, Josef Mooser
«Der Kuhstall war mein Wohnzimmer»; «Arbeitete ich viel, bekam ich Schläge, arbeitete ich nicht, bekam ich auch Schläge»; «Und einfach immer dieser Hunger, dieser Hunger». Diese Aussagen dreier ehemaliger Verdingkinder können stellvertretend für viele stehen. Aus heutiger Sicht ist das Urteil rasch gefällt. Es stellt sich die klassische Frage der Nachgeborenen: Warum wurde nichts dagegen getan?

Um hier eine Antwort zu finden, muss man sich drei Konstellationen vor Augen führen. Zum... » Mehr
Alle wollen nur das Beste für das Kind. Aber wer weiss es denn am besten: die Eltern, die Gesellschaft, die Kirche, der Staat?
Von Robert Nef
«Wir wissen schon, was gut ist für dich, und wir wissen es besser als du. Notfalls müssen wir es dir – natürlich in deinem eigenen Interesse – auch mit Gewalt beibringen.» Dieser pädagogische Gemeinplatz gehört zu den über Generationen und in den verschiedensten Kulturen tradierten Erfahrungen. Er hat sowohl Nutzen gestiftet als auch Leid verursacht. Ob dadurch der Jugend insgesamt mehr Gutes oder mehr Leid widerfahren ist, bleibt eine offene Frage.
Sicher ist, dass manche... » Mehr
Wir war es damals wirklich? Einen Zugang bilden
die Zeugnisse ehemaliger Verdingkinder. Bericht über die allmähliche Verfertigung der Erinnerung beim Erzählen.
Von Ueli Mäder, Heiko Haumann
Erinnerung formt sich im Gespräch. Das zeigen die über 250 Interviews, die wir im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts «Verdingkinder, Schwabengänger, Spazzacamini und andere Formen der Fremdplazierung und Kinderarbeit in der Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert» durchführten. Methodisch folgten wir einem offenen, leitfadengestützten Gespräch. Im ersten Teil erzählten die Befragten von ihrem Leben. Manche gaben das, was sie schon häufiger berichtet hatten,... » Mehr
Kaum jemand hatte ein Auge für die Kinder, die zu den Bauern in Pflege gegeben wurden und dort für Kost und Logis hart arbeiten mussten.
Suzann-Viola Renninger hat Walter Wegmüller, ein ehemaliges Verdingkind, in Basel getroffen.
Von Suzann-Viola Renninger, Walter Wegmüller
«Den Hof reinigen, Kühe putzen, beim Grasen den Rechen ziehen; es gab immer genug Arbeit, um ein kleines Kind einzuspannen. Als mein erster Bauer Holz hackte, musste ich die Scheite zu einer überdachten Stelle an der Hauswand tragen. Ich stand neben ihm und hielt die Unterarme angewinkelt, damit er das Holz darauflegen konnte. Doch meine Arme wurden rasch müde. Er schlang mir ein Seil um den Hals, befestigte daran meine Handgelenke, damit die Arme nicht immer wieder nach unten fielen und er... » Mehr
Wenn Kindern das Kindsein gestohlen wird: diese Erfahrung prägt sie ein Leben lang. Warum zerbrechen die einen daran, während die anderen den Bruch später überwinden? Ein Erklärungsversuch. Und eine persönliche Geschichte.
Von Markus Fäh
Leider habe ich meine Grossväter nie kennengelernt. Beide starben vor meiner Geburt. Der eine – Dorflehrer – ertrank im Bodensee, als das Eis in der Eschenzer Bucht einbrach, während er seine eislaufende Schulklasse beaufsichtigte; der andere schlief nach dem Mittagessen friedlich für immer ein. Letzerer, der Vater meiner Mutter, war ein Verdingbub.
Er war das fünfte von acht Kindern und acht Jahre alt, als seine Mutter bei der Geburt des Jüngsten starb. Ein Jahr später ertrank sein... » Mehr
Das Verdingkinderwesen im 19. und 20. Jahrhundert
ist eine Folge davon, dass das Dreieck aus Erziehung, Arbeit und Liebe in Schieflage geriet. Biblisch-theologische Kriterien können für die richtige Gewichtung den Blick schärfen.
Von Peter Ruch
«Und während die fröhlichen Vögelein so lustig sangen, so frei sich lustig machten an der warmen Sonne, unter dem lieben heitern Himmel,
zogen viele, viele Kinder mit schweren Herzen und trüben Gesichtern der Bettlergemeinde zu; sie fühlten die warme Sonne nicht, sie sahen den blauen Himmel nicht, ihnen war’s wie den Vögelein, die man im
lustigen Mai in die Kräze tut, in die Stube hängt und in einem Tröglein das Fressen ihnen sorgsam zumisst, welches sie früher unter Luft und... » Mehr
Er nennt sich selbst einen Staatsfeind. Er fordert den Wandel vom Manager- zum Eigentümerkapitalismus. Und er ist das Enfant terrible seiner Zunft:
Reinhard K. Sprenger, Unternehmensberater, Philosoph und Autor. René Scheu hat ihn in Zürich getroffen.
Von René Scheu, Reinhard K. Sprenger
Der «Spiegel» nennt Sie «Deutschlands meistgelesenen Managementautor», die «Financial Times Deutschland» spricht von «Deutschlands einzigem Management-Guru, der diesen Titel wirklich verdient». Sie ziehen es jedoch vor, entfernt von Ihren Lesern im kleinen Nachbarland zu wohnen. Warum sind Sie in die Schweiz gezogen?
Die Mutter meiner beiden kleinen Söhne ist Schweizerin. Meine Eltern sind tot, Grosseltern aber sind wichtig für Kinder, weil sie die alten Werte repräsentieren. Und da... » Mehr
14 Bücher, vorgestellt in der fünfzehnten Folge der «Schweizer Autoren in Kurzkritik». Fortsetzung folgt.
Von Redaktion
Das war eigentlich alles
Denke ich an Signers Kunst, kommt mir eine Erzählung in den Sinn. Nun, nicht wirklich eine Erzählung, es ist ja nicht viel mehr als ein Satz: «Es ging einmal ein Mann ins Büro und traf unterwegs einen anderen, der soeben ein französisches Weissbrot gekauft hatte und sich auf dem Heimweg befand. Das ist eigentlich alles.» Daniil Charms heisst der russische Schriftsteller, dem so etwas einfiel. Und Helmut Heissenbüttel hat Jahrzehnte später eine Vielzahl von... » Mehr
Man soll von dem reden, worüber man nicht sprechen kann
Von Marco Baschera
Was heisst es, einen literarischen Text beim Wort zu nehmen? Nimmt man jemanden beim Wort, so behaftet man ihn bei seinen Aussagen. Man achtet auf die Bedeutung seiner Worte und weniger oder gar nicht auf die Art und Weise, wie diese Worte verwendet werden. Literatur beim Wort nehmen, heisst jedoch, auf beide Dimensionen zu achten, sowohl auf die Bedeutung des Gesagten wie auf die Sprachlichkeit des Sagens. Zwischen dem Sagen und dem Gesagten spannt sich ein literarischer Text auf. Keiner der... » Mehr
Wozu über Gedichte sprechen?
Von Hans Jost Frey
Was über Literatur geschrieben wird, befriedigt oft deshalb so wenig, weil die Grundfrage unbeachtet bleibt, womit man es eigentlich zu tun hat, wenn man von Literatur spricht. Das ist insofern verständlich, als die Literatur sich der gleichen Sprache bedient, die im Alltag verwendet wird, um Mitteilungen oder Vorschläge zu machen, Befehle zu erteilen oder sich mit anderen zu verständigen, und die deshalb kein wesentlich verschiedenes Sprachverständnis nahezulegen scheint. Während aber die... » Mehr
Von Redaktion
Arthur Eugster
Der Eid mit spezieller Berücksichtigung
des appenzellischen LandsgemeindeEides
St. Gallen: Verlag Typotron, 2008.
Arthur Eugster hat im Verlag Typotron ein Manuskript seines Grossvaters gleichen Namens zum Thema «Eid» der Öffentlichkeit durch Drucklegung zugänglich gemacht. Es handelt sich um einen Vortrag, den der damals 28jährige Pfarrer 1891 vor Berufskollegen gehalten hat und dessen Manuskript im Familienbesitz erhalten geblieben ist. Es spricht für die Treffsicherheit... » Mehr
Eine Antwort aus dem Stegreif von Werner Kieser «Frisch, fromm, fröhlich, frei.»
(Friedrich Ludwig Jahn*)
Von Suzann-Viola Renninger, Werner Kieser
Frisch, fromm, fröhlich, frei so zusammengestellt ergeben die vier Adjektive einen Widerspruch. Fromm und frei schliessen sich aus. Fromm bedeutet die Unterwerfung unter ein autoritäres Glaubenssystem, also den Verlust der Freiheit. Schon immer. Nicht nur damals, am Anfang des 19. Jahrhunderts, als Jahn seine Deutsche Turnkunst schrieb. Fromm und fröhlich hingegen widersprechen sich nicht. Denn wer fromm ist, der ist die Last der Verantwortung los, der hat sie an den Glauben, an etwas...
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Von Jürg Berthold, Simon Maurer, Hubertus Gaßner
Denke ich an Signers Kunst, kommt mir eine Erzählung in den Sinn. Nun, nicht wirklich eine Erzählung, es ist ja nicht viel mehr als ein Satz: «Es ging einmal ein Mann ins Büro und traf unterwegs einen anderen, der soeben ein französisches Weissbrot gekauft hatte und sich auf dem Heimweg befand. Das ist eigentlich alles.» Daniil Charms heisst der russische Schriftsteller, dem so etwas einfiel. Und Helmut Heissenbüttel hat Jahrzehnte später eine Vielzahl von Variationen dazu geschrieben.... » Mehr
Von Marcus Jensen, Christoph Gellner
Ungläubige betrachten die Religionen und deren esoterische Bewüchse und Mutationen als ein wimmelndes Nach- und Nebeneinander. Gläubigen aber ist diese zoologische Vorstellung ein Horror; denn sie können nicht wahrhaft das Wahre glauben, solange die Falschgläubigen nebenan wahrhaft das Falsche glauben.
Christoph Gellner, theologischer Lehrbeauftragter an der Universität Luzern, versucht in seinem Buch «Der Glaube der Anderen» zu zeigen, wie zwischen dem Christentum und den anderen... » Mehr
Von Thomas Sprecher, Angelika Affentranger-Kirchrath
Zu den musealen Juwelen in Winterthur gehört die Villa Flora. Sie beherbergt eine hochkarätige Kunstsammlung, die das Ehepaar Hedy und Arthur Hahnloser in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts aufgebaut hat und die ausgezeichnete Werke des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts umfasst, namentlich auch solche des französischen Nachimpressionismus. Zusammen mit Kontext und Ambiente, eben der Villa Flora, ihren Interieurs und ihren Gartenanlagen, bilden diese Werke... » Mehr
Von Joachim Feldmann, Nicole Bachmann
Dass der Zürcher Salis Verlag mit seiner neuen Krimireihe, die unter dem einprägsamen Label «sel noir» firmiert, auf Leser ausserhalb der Schweizer Grenzen spekuliert, mag dafür verantwortlich sein, dass sich im Anhang des Erzähldebüts der Berner Epidemiologin Nicole Bachmann ein Glossar findet, in dem unter anderem erklärt wird, dass sich hinter dem Kürzel «NZZ» die Neue Zürcher Zeitung verbirgt. «Doppelblind» heisst der Kriminalroman, und auch sein Titel verdient eine... » Mehr
Von Beat Mazenauer, Raphael Urweider
In seinem dritten Gedichtband «Alle deine Namen» wendet sich Raphael Urweider, 1974 in Bern geboren, der Leidenschaft zu, in der Liebe und Liederlichkeit fliessend ineinander übergehen. Gegenüber der geschmeidigen, beherrschten Diktion seiner früheren zwei Bände lässt er sich neuestens auch zu emphatischen Anrufungen hinreissen.
Die insgesamt 44 Gedichte sind in drei Abteilungen gegliedert. In «acht jahreszeiten» verfeinert Urweider eingangs den Jahreslauf. Neben dem «vollfrühling»... » Mehr
Von Martin Lüdke, Pia Reinacher
Ein komisches Buch. «Liebe, Lüge, Libertinage. Eine Expedition zu den Leidenschaften in der gegenwärtigen Literatur» heisst die Studie der Kritikerin und Literaturwissenschafterin Pia Reinacher. Sie begreift ihr Vorhaben als eine «Expedition in die zeitgenössische Literatur, die zu eigenen Streifzügen verführen soll. Sie besichtigt den gesellschaftlichen Umbruch auf einem Kerngebiet: der Beziehung der Geschlechter». In einem eigentümlichen Verfahren, das sich zwischen dem close... » Mehr
Von Rüdiger Görner, Laurenz Lütteken
Bevor Richard Wagner in Bayreuth seinen «grünen Hügel» fand (und sein «Wähnen» Frieden), hatte sich ihm ein solcher in Zürich geboten. Dort stand die Villa seines Gönners, Otto Wesendonck, der im Jahre 1851 als ein immens vermögender Grossbürger mit seiner geistreichen Frau, Mathilde, aus den Rheinlanden über New York an die Limmat gezogen war. Wagner lebte zu diesem Zeitpunkt bereits in Zürich Enge im «Haus zum Abendstern». Die Wesendoncks logierten für sechs Jahre im Hotel Baur... » Mehr
Von Klaus Hübner, Gianni Kuhn
«Joseph Birnbaum, ein fünfzigjähriger, glatzköpfiger Biologielehrer aus einer kleinen Ortschaft am Neusiedlersee im Burgenland und Präsident einer dortigen ornithologischen Gesellschaft, bestieg bei Tagesanbruch, es war ein heller, aber kalter Oktobermorgen, den Zug nach Wien in der Absicht, sich während einer Woche im Naturhistorischen Museum gründlichst mit den dortigen Sammlungen auseinanderzusetzen.» Ein Anfang im wahrhaft klassischen Sinne, wie in germanistischen Fachbüchern... » Mehr
Von Markus Köhle, Lorenz Langenegger
Bisher machte der in Zürich lebende Theater-, Politikwissenschafter und Autor vor allem mit seinen Stücken auf sich aufmerksam und gewann 2006 beispielsweise den Stückewettbewerb der Schaubühne Berlin. Nun legt Lorenz Langenegger sein Prosadebüt vor. «Hier im Regen» lautet der Titel des Romans und Herr Walter ist der Held der Geschichte, die am Schweizer Nationalfeiertag, dem 1. August, einsetzt. Herrn Walters Wecker läutet trotzdem. Seine Frau Edith fährt zu ihren Eltern, er hat... » Mehr
Von Philipp Tingler, Matthias P. Lubinsky
Benimmbücher und Stilfibeln sind unerfindlichen Moden unterworfen. Jahrelang wird man verschont, dann plötzlich erscheint ein halbes Dutzend gleichzeitig. Anderseits gibt es wohl kaum ein anderes Buchgenre, das in den vergangenen Jahren mit vergleichbaren Überraschungen aufwarten konnte. Dachte der geneigte Leser, es sei doch eigentlich alles gesagt, hielten 2003 die «Manieren» des äthiopischen Prinzen Asfa-Wossen Asserate dem halbgebildeten Publikum den Spiegel vors Gesicht. Zwei Jahre... » Mehr
Von Patricia Klobusiczky, Sibylle Berg
2006 gab Sibylle Berg, die die Tinte ihrer durchaus uferlosen Menschenliebe durch eine angenehm spitze Feder fliessen lässt, einen Band mit Abschiedsbriefen von Frauen heraus: «Und ich dachte, es sei Liebe». Ein Band voller Überraschungen, in dem eine unerwartet lebenslustige Sylvia Plath zu lesen ist, neben anderen Ikonen der (Literatur-)Geschichte wie Simone de Beauvoir, Königin Elizabeth I. oder Alma Mahler-Werfel – und einige unserer unbekannten Zeitgenossinnen, die daran erinnern,... » Mehr
Von Ute Kröger, Georg Kreis
«300 Jahre schweizerische Denkmaltopografie» verspricht der Untertitel auf dem Buchdeckel. Wer eine straffe Geschichte der Schweizer Denkmäler sucht oder eine Übersicht über die Denkmäler in den verschiedenen Landesteilen, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Enttäuscht wird vermutlich auch jemand, der ein Handbuch der Schweizer Denkmäler samt ihrer Katalogisierung und exakter Typologie haben möchte, und ebenfalls derjenige, der sich auf kunsttheoretische Erörterungen oder... » Mehr
Von Anett Lütteken, Therese Bichsel
An sich ist es ja eine hübsche Idee, Berglust und -frust berühmter Alpenbesucher des 18. und 19. Jahrhunderts in literarischen Porträts zu versammeln. Besonders neu oder originell ist sie allerdings nicht; denn schon vor geraumer Zeit ist manches noch heute wirklich Lesenswerte über die Schweizreisen von Künstlern geschrieben worden. Wo allein der Blick auf Robert Walsers «Kleist in Thun» von 1907 verrät, wie atemraubend hoch die poetische Messlatte in diesem Genre angelegt werden kann... » Mehr
Von Michael Harde, Silvio Blatter
«Wenn dir die Worte fehlen, fang mit einem Zitat an», sagte Karl Kraus einmal. Demzufolge muss neben einem Österreicher auch noch ein US-Amerikaner bemüht werden, bevor vom Aargauer Silvio Blatter die Rede sein kann. «Unser himmlischer Vater hat die Menschen nur erschaffen», sinnierte Mark Twain einmal über Gottes unvollkommene Schöpfung, «weil er mit den Affen unzufrieden war.» In ähnlicher Ausgangslage muss sich Blatter bei der Arbeit an seinem aktuellem Roman «Zwei Affen»... » Mehr
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