Schweizer Monat
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Von Redaktion
Humanistin unter Hackern
Es ist nicht ganz einfach, Sherry Turkle zu erreichen. Seit fast einem halben Jahrhundert untersucht die Soziologin am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge die Wechselwirkungen zwischen Menschen und Maschinen, heute wirbt sie mit ihren Forschungs-ergebnissen offensiv für eine Bildschirmdiät – die sie offenbar auch selbst pflegt. Es dauerte mehrere Wochen, bis unser Chefredaktor Michael Wiederstein auf seine Kontaktaufnahme hin eine... » Mehr
«Die Menschheit tritt gerade in ein neues Stadium ein. Wir merken es, aber wir wollen es nicht wahrhaben. Noch nicht.» – Slavoj Žižek1
Von Michael Wiederstein
Im Juni kontaktierte ich Jürgen Schmidhuber für ein Gespräch zum Thema künstliche Intelligenz (KI). Die positive Rückmeldung des KI-Pioniers per Mail kam prompt, samt einem etwas wunderlich anmutenden Textkonvolut und der Bitte, dieses vor unserem Austausch zu studieren: eine knapp 15seitige Sammlung aus Hunderten von Links zu Lernplattformen, Science-Fiction-Kunstprojekten, internationalen Presseartikeln, privaten Blogs, von KI geschriebenen Drehbüchern... » Mehr
RES PUBLICA
Von Nadine Jürgensen
Fünfzigtausend Akademikerinnen am Herd! So lautete einmal die Schlagzeile einer Pendlerzeitung. Die Entrüstung über das brachliegende volkswirtschaftliche Potenzial war gross. All diese Juristinnen, Kunsthistorikerinnen und sowieso, diese Ärztinnen! Alle sind sie bestens und teuer ausgebildet, aber kaum sind die Kinder auf der Welt, verschwinden sie vom Arbeitsmarkt und tauchen erst Jahre später in der Statistik wieder auf. Wie unerhört. Dabei sollte sich... » Mehr
FREIE SICHT
Von Christian P. Hoffmann
Vor wenigen Wochen veröffentlichte Amy Wax, Professorin für Recht an der University of Pennsylvania, in einer lokalen Zeitschrift einen Meinungsbeitrag zu den Ursachen von Armut in den USA. Darin nennt sie den Verfall bürgerlicher Werte, insbesondere den Zerfall traditioneller Familienstrukturen, als eine wesentliche Ursache von Armut. Weil Wax von Kultur spricht, und ethnische Minderheiten besonders stark von Armut betroffen sind, folgte die Reaktion studentischer Organisationen... » Mehr
Von Niko Stoifberg, Christina Baeriswyl
Im Rückblick ist es mir ein Rätsel, wie ich es 10 Stunden lang mit Robert aushalten konnte....
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Viele Menschen sind überzeugt: Die Aufklärung verdanken wir der Reformation. Stimmt nicht, sagt Historiker Bernd Roeck. Das ist eine wichtige Erkenntnis für aktuelle politische Kämpfe.
Von Bernd Roeck, Olivia Kühni

Bernd Roeck, photographiert von Michael Wiederstein.

Herr Roeck, Sie hinterfragen die Ansicht, dass Europa Aufklärung und Wissenschaft der Reformation verdanke. Warum?Ich sehe das sehr skeptisch, ja. Sie hat durchaus dazu beigetragen, aber anders, als man oft denkt. Wir verdanken in Europa die Trennung von Kirche und Staat nicht zuletzt den Schrecken des 30jährigen Krieges. Die Erfahrung des Krieges trug dazu bei, dass sich nach 1648 die Einsicht durchsetzte, es gelte Religion fortan von der Politik fernzuhalten. Das war eine –...
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Das Internet stürzt auch den Islam in eine Krise. Wenn er überleben will, muss er sich reformieren.
Von Kacem El Ghazzali

Kacem El Ghazzali, photographiert von Michael Wiederstein.

Die Forderung nach einer Reform des Islams ist inzwischen universal geworden. Es ist fast so, als würde sich alle Welt an die Muslime wenden und sagen: Bitte reformiert eure Religion, damit wir in Frieden leben können. Angesichts des islamistischen Terrors, der mittlerweile viel Tod und Leid auf den Strassen Europas verursacht hat, ist dies eine legitime Forderung.
Sicherheitspolitisch ist zudem inzwischen klar geworden, dass der Sieg über Bewegungen wie Al-Qaida, Boko Haram und...
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Ein Versuch.
Von Rafael Ferber

Immer schön auf dem Boden bleiben. «Himmelsleiter» an der Wand des Klosters Sucevita, photographiert von Gustav Neuschwander / ETH-Bibliothek Zürich / Dia_298-05560 / CC BY-SA 4.0.

Der ursprüngliche Titel dieses Essays1 lautete: Was ist eine gute Religion? Da aber Religion offensichtlich ein polarisierendes Reizwort ist und ich als Philosoph nicht den Eindruck erwecken möchte, ein religiöses Bekenntnis abzugeben, habe ich den umfassenderen Begriff «Weltanschauung» gewählt. Zu Weltanschauungen gehören alle irgendwie synthetischen, also mehrere Elemente unter einer Leitidee zu einem Ganzen verbindenden Stellungnahmen zur Welt. Dazu...
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Die US-amerikanische Demokratie sei kaputt, sagt der Politikwissenschafter Parag Khanna. Er schlägt als Alternative eine «direkte Technokratie» vor. Eines seiner Vorbilder: die Schweiz.
Von Lukas Leuzinger, Parag Khanna

Parag Khanna, photographiert von Peter Boer / Visum.

Herr Khanna, Ihr jüngstes Buch trägt den Titel «Jenseits von Demokratie». Haben Sie die Absicht, sich Feinde zu machen?(Lacht) Nein. Ich habe das Manuskript des Buches vor zwei Jahren abgeschlossen, es ist also weder durch die Brexit-Abstimmung noch durch die Wahl von Donald Trump beeinflusst. Das Buch ist auch nicht parteipolitisch oder ideologisch motiviert, sondern allein von der Frage geleitet, wie Regierungen mit den veränderten Bedingungen unserer heutigen Welt...
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Wissenschafter und Universitäten warnen lauter als andere vor einem Bruch mit der EU. Das hat gute Gründe.
Von Andrea Degen

Andrea Degen, photographiert von Simon Hallström.

Forschung ist längst nicht mehr, was sie mal war. Innerhalb weniger Jahrzehnte haben sich die Arbeitsbedingungen von Wissenschaftern so stark verändert, dass sich eine Marie Curie oder ein Albert Einstein wundern würden. Auch viele heutige Bürger würden bei einem Besuch wohl staunen: Noch immer stellen sich viele vor, Forscher würden sich tagelang einsam in einem Labor und hinter Büchern abkapseln, auf Eingebungen warten und anschliessend systematisch und...
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H.G. Hildebrandt, Gründer von Gents GmbH
Von Olivia Kühni

Illustration: Matthias Wyler / Studio Sirup.

Hans Georg Hildebrandt isst und trinkt gerne, mag Design und die Verführungskraft frischer Ideen. Er verbringt ausserdem viel Zeit in Spanien. Dort beobachtete er vor Jahren, wie der Gin die Bars Barcelonas oder Madrids zu erobern begann und die Herzen der Nachtmenschen: immer mehr Variationen des Wacholderschnapses in immer schöneren Fläschchen schmückten die Theken der Lokale. In England, fiel Hildebrandt auf, stiegen die Absätze des jahrhundertealten Plymouth Gin...
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Wortwechsel
Von Karen Horn
«Schon wieder werden unschuldige Menschen Opfer von Terror und Gewalt.» 
Kardinal Reinhard MarxVorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, am 18. August 2017 in einem Kondolenzschreiben an den Erzbischof von Barcelona nach den Terroranschlägen in Katalonien
Die Wendung ist geläufig und ihr Zweck eindeutig. Wer «unschuldige Opfer» beklagt, will seine tiefe Erschütterung und sein Mitgefühl zum Ausdruck bringen. Trotzdem macht der Ausdruck... » Mehr
Kurzgeschichte von Stuart Evers.
Aus dem Englischen übersetzt von Anna-Christin Kramer.
Mit Illustrationen von Johan Keslassy.
Von Stuart Evers
Die dritte Hotelsuite des Tages überblickte den Hafen im Westen. Das Panoramafenster gab den Blick frei auf die Boote und Yachten in der Marina, im Hintergrund ragten die Minarette und Telefonmasten der Altstadt auf. Keine Vorhänge oder Jalousien, stattdessen ein in die Wand eingelassenes Bedienfeld. Routh tippte ein Icon an, und die Boote und Kuppeln verschwanden. Er tippte noch einmal darauf, und Minarette und Telefonmasten kamen wieder zum Vorschein. Da, weg, ein langsam blinzelndes...
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Big Data, KI und ich
Von Redaktion
«Neubau des Turms zu Babel: Bereits in fünf Jahren werden wir über hocheffiziente Übersetzungs-maschinen – mit Miniaturhörgerätchen in unserem Ohr – mehrsprachige Konversationen in Echtzeit über die ganze Welt hinweg führen können. Die Sprachgrenzen werden verschwinden, und das ist nur eine von sehr vielen gesellschaftlichen Implikationen des technologischen Fortschritts. Wie gehen wir damit um?» Konrad Hummler,... » Mehr
Erkenne dich selbst – das war einmal. Im Datenzeitalter werden unsere Probleme von Algorithmen gelöst.
Von Yuval Noah Harari

Yuval Noah Harari, photographiert von Bram Budel / Visum.

Über Jahrtausende hinweg glaubte der Mensch, alle Autorität komme von den Göttern; in der Neuzeit dann sorgte der Humanismus für eine allmähliche Verlagerung der Autorität weg von den Göttern hin zu uns Menschen selbst. Jean-Jacques Rousseau resümierte diese Revolution 1762 in seinem pädagogischen Traktat «Émile oder Über die Erziehung». Auf der Suche nach den Verhaltensregeln für das eigene Leben fand Rousseau diese...
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Der bekannteste KI-Forscher der Schweiz glaubt: Künstliche Intelligenzen werden in nicht allzu ferner Zeit das Universum kolonisieren und uns, ihre Schöpfer, hinter sich lassen.
Von Michael Wiederstein, Jürgen Schmidhuber

Jürgen Schmidhuber, photographiert von Eleana Hegerich / Wort und Bild Verlag.

Herr Schmidhuber, zur Vorbereitung dieses Interviews habe ich mir viele ihrer Wortmeldungen und Publikationen angeschaut: Sie geben sich alle Mühe, auch dem Laien zu erklären, was künstliche Intelligenz (KI) alles kann – und können wird. Eine Frage hat mich nach der stundenlangen Recherche deshalb besonders umgetrieben: Wann nimmt mir eine KI diese Arbeit im Vorfeld von Begegnungen mit Wissenschaftern, deren Tätigkeit mir bisher rein gar nichts sagte, ab?Das...
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Künstliche Intelligenzen werden aktuell entweder als Abbildung des menschlichen Bewusstseins in der Maschine vergöttlicht oder als radikaler Antihumanismus verteufelt. Beides ist falsch. Ein Einwurf aus der Praxis.
Von Jobst Landgrebe
Es lassen sich derzeit drei prominente Bewertungsmuster hinsichtlich der Fähigkeiten und Gefahren künstlicher Intelligenzen (KI) unterscheiden. Da sind zunächst die geisteswissenschaftlichen Radikalkritiker wie Éric Sadin: Der Philosoph und seinesgleichen gehen davon aus, dass Maschinen selbstlernend und vor allem mit Entscheidungsfähigkeit und Urteilskraft versehen sind. Sie leiten daraus bedrohlich wirkende Thesen ab, etwa die, dass ganze Lebensbereiche durch KI... » Mehr
Koordination, grosse Datenmengen und intelligente Maschinen: Gedanken zur Gesamtarchitektur einer vernetzten Welt.
Von Heinz Zimmermann
Ein Freitagnachmittag in Zürich: trotz vielzitierter protestantischer Arbeitsethik staut sich der Feierabendverkehr bereits um halb fünf rund um den See, auf der Hardbrücke – und an den meisten Orten dazwischen. Trotz vorbildlicher und vielgepriesener Verkehrsleitsysteme steht am Central zu solchen Stosszeiten weiterhin ein Verkehrspolizist in einer Kanzel und regelt den Verkehr. Er winkt den Strom nach hier und dort, hält ihn an, reagiert auf den Bus, der Vorfahrt hat.... » Mehr
Selbstlernende Roboter und Algorithmen stellen das Zivil- und Strafrecht vor neue Herausforderungen. Eine gezielte Anpassung der Gesetze wäre sinnvoll.
Von Eric Hilgendorf

Eric Hilgendorf, zvg.

Waren Roboter noch vor 20 Jahren im wesentlichen auf den Einsatz in den Fabrikhallen beschränkt, wo sie, eingeschlossen in Käfige, schwere Lasten wuchteten und die Montage unterstützten, dringen sie heute in fast alle Bereiche des menschlichen Lebens vor, von der Freizeitgestaltung und Haushaltsführung bis hin zur Medizin und Pflege. Besonders weitgehend sind die Veränderungen im Arbeitsleben: Unter dem Schlagwort «Industrie 4.0» wird das Leitbild einer durch...
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Die neuste Medizintechnik wird von vier Entwicklungen vorangetrieben: Personalisierung, Automatisierung, Datenspeicherung und Mobilität. Das macht jeden Bürger zum Dauerpatienten.
Von Jürgen Holm
Elisabeth Brönnimann-Bertholet ist als junggebliebene Achtzigjährige, mit Ausnahme ihrer häufiger werdenden Hüftschmerzen, noch ganz gut unterwegs, «und statistisch gesehen habe ich ja auch noch mehr als 12 Jahre zu erwarten», sagte sie an ihrem 80. Geburtstag mit liebevoll ironischem Blick auf ihre Erben. Heute sitzt sie in ihrer Wohnstube und ihr Tisch fragt höflich nach, ob sie einen «Wochencheck» haben möchte.
Sie hatte sich vor drei... » Mehr
Zur Befreiung aus der digitalen Leibeigenschaft.
Von Ernst Hafen, Mathis Brauchbar

30 Meter unter Stockholms Innenstadt liegt das Rechenzentrum «Pionen White Mountains»: ein ehemaliger Nuklearbunker, betrieben von der Firma «Bahnhof», die dank hoher Sicherheitsstandards – analog und digital – seit 2010 auch Wikileaks zu ihren Kunden zählt, photographiert von Åke E:son Lindman.

Weshalb sind wir bereit, für einen Kaffee vier bis fünf Franken zu bezahlen, erwarten jedoch, dass E-Mail-Konten, Smartphone-Apps, Auskünfte bei Wikipedia oder Speicherplatz für Bilder gratis sind? In Wirklichkeit sind diese Dienste natürlich nicht kostenlos: Statt mit Geld bezahlen wir sie mit unseren persönlichen Daten, die wir den Anbietern überlassen. Dank Cookies werden unsere Bewegungen auf Webseiten genau aufgezeichnet; jede Suche im Internet wird mit...
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Die digitalen Annehmlichkeiten der Moderne halten uns von unliebsamen Menschen und Ideen fern, rauben uns den Fokus und gaukeln die Möglichkeit eines Lebens ohne echte Konflikte vor. Das Ergebnis: wir stumpfen ab. Plädoyer gegen das unmündige Leben in seichter Harmonie.
Von Sherry Turkle

Sherry Turkle, photographiert von Joe Tabacca / Polaris / laif.

Als ich 1976 ans MIT kam, als Doktor der Soziologie, eine Humanistin unter Hackern, fand ich mich hineingezogen in die Geschichte einer Generation und der sie kennzeichnenden Technologie. Es faszinierte mich zu erleben, wie Technologie nicht nur unser Tun, sondern vielmehr auch unser Sein verändert. Ich ging dieser Geschichte nach: von den ersten PC bis zum Aufkommen von Social Media und Sociable Robots. Diese so unterschiedlichen Technologien – quasi die Kronjuwelen der digitalen...
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Die Verteidigung der Gedankenfreiheit ist nicht nur ein Fall für den Eidgenössischen Datenschützer. Gefordert sind auch die Wirtschaft, die Behörden und jeder einzelne.
Von Adrian Lobsiger
Sie machen uns und unser Leben bequemer, fast niemand möchte sie mehr missen: die Rede ist von Sensoren, die im öffentlichen und privaten Raum Bewegungen, Gesichter und Stimmen erfassen, sei dies über Smartphones, Gesundheitsarmbänder oder die Bordelektronik von Autos. Unsere neuen digitalen Assistenten ermöglichen eine Vielzahl von nützlichen Diensten wie die Spracherkennung, den standortbezogenen Fahrplan oder die Navigation in Städten und entlegenen... » Mehr
Redaktionsretraite auf der Capanna dʼEfra
Von Michael Wiederstein

Rasiva, Monte Zucchero und Corona di Redorta im Gegenlicht des Sonnenuntergangs über der Capanna d’Efra, photographiert von Michael Wiederstein.

Steine. Flechten. Noch mehr Steine. Trockenes Gras. Kraut. Weiter unten das Glitzern eines Bergsees, etwas Wind. Als am frühen Nachmittag das Flattern der Fahne, die wir schon während des mehrstündigen Aufstiegs vom Talboden aus sehen konnten, endlich auch zu hören ist, haben wir die Capanna dʼEfra beinahe erreicht. Mehrere Stunden, einige Wasserfallbecken, viele Schweisstropfen weiter unten sind wir in Frasco aus dem Postbus gestiegen, um für einige Tage unseren...
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