Schweizer Monat
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Von Florian Rittmeyer
Endlich Sommerferien, endlich Zeit zu lesen – wobei wir von der Lektüre der meisten Managementratgeber abraten. Denn in puncto Managementtechniken gab es seit den römischen Sklavenhaltern kaum Innovationen. Behauptet jedenfalls der Altertumswissenschafter Jerry Toner. Ja, stimmt ihm Raymond Hofmann zu, allerdings orientieren sich in unseren volatilen Zeiten auch nur noch wirklich schlechte Manager an der Zuckerbrot-und-Peitsche-Methode. Mehr im Schwerpunkt ab S.... » Mehr
Von Redaktion

Hans Ulrich Gumbrecht, photographiert von Rodrigo López Porcile.

In Bewegung
Um sich in einer unübersichtlichen Welt zurechtzufinden, hilft nur eines: immer wieder ausprobieren, konzentriert nachdenken, in Bewegung bleiben. Unser Autor Hans Ulrich Gumbrecht lebt das vor. Er meldet sich per Mail aus unterschiedlichen Ecken der Welt, verwebt in seinen Texten Analyse, Poesie und Kritik – und wirkt darum vital. In seinem Essay für unser «Dossier» ruft er denn auch dazu auf, sie zu nutzen: die «persönliche Kraft...
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Von Florian Rittmeyer
Kaum eine Debatte, kaum eine Politikerrede, in der sie nicht als Wurzel allen Übels identifiziert wird: die ökonomische Unsicherheit. Wäre sie flächendeckend beseitigt, ginge es uns allen besser: Banker vergäben wieder Kredite an die «Realwirtschaft», Industrielle tätigten endlich wieder verschleppte Investitionen und Konsumenten kauften endlich wieder Autos. Klingt alles einleuchtend, ist aber tatsächlich: Wohlstandsgeschwätz.
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Von Andrea Franc
Die an Universitäten gelehrte Ökonomie sei «absurd», «zerstörerisch», eine «Religion», die auf dem falschen Menschenbild des «Homo oeconomicus» beruhe, und die meisten Ökonomen seien «neoliberale Ideologen» – so steht das in manch wortgewaltigem Leitartikel, so denken entsprechend viele Zeitgenossen. Aber: das war nicht immer so.
Der jüngere Siegeszug derart pauschaler wie populärer Verachtung der... » Mehr
Von Christian P. Hoffmann
Politische Gemeinschaften haben einen gewissen Charme, keine Frage. In der Gemeinschaft fühlt man sich stark. Nach aussen wird ein selbstbewusstes Auftreten möglich – schliesslich sind auch andere Gemeinschaften gross und da will man auf Augenhöhe spielen. Gemeinsame Regeln erleichtern den Austausch – von Waren, Kapital und Bürgern. Gemeinsame Währungen erleichtern das Umrechnen. Gemeinsame Regierungsinstitutionen reduzieren die Wahrscheinlichkeit... » Mehr

Erfolg hat immer auch mit Zufall zu tun. Wer das weiss, ist ein zufriedenerer Mensch.
Von Robert H. Frank

Bild: fotolia.

Wie wichtig ist Zufall? An kaum einer Frage scheiden sich in den USA konservative von liberalen Geistern so sehr wie an dieser. Wie die Konservativen richtig bemerken, sind Menschen, denen es gelingt, grosse Vermögen anzuhäufen, fast immer überaus talentiert und arbeitsam. Aber, geben die Liberalen zurück – und ebenfalls zu Recht –, ungezählte andere Menschen haben dieselben Qualitäten und schaffen es dennoch nicht nach oben.
In jüngster Zeit haben...
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Über die Rolle des Zufalls im Leben eines Nobelpreisträgers
Von Vernon L. Smith

Vernon L. Smith, zvg.

Ich glaube, dass wir alle von externen Ereignissen geformt werden, über die wir keine Kontrolle haben. In diesem Sinne sind wir alle Produkte des Zufalls. Das bedeutet allerdings nicht, dass unsere Leben völlig durch Glück bestimmt sind. Frank Sinatra sang einst: «I Did It My Way». Das Lied wurde sehr beliebt, weil Leute gerne glauben, dass sie die Kontrolle über ihr Leben haben. Dabei handelt es sich sicherlich um eine gesunde Annahme, denn ein gesundes...
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Eine unvollständige Liste glücklicher Zufälle und scharfer Beobachter
Von Redaktion

1987 berichtete eine Patientin ihrer Ärztin Jean Carruthers, dass die Behandlung ihres nervösen Augenzuckens mit dem Nervengift Botulinumtoxin (Botox) dazu führe, dass ihre Falten verschwänden. Carruthers forschte zusammen mit ihrem Mann, unter anderem an ihrer Empfangsdame als Testobjekt, bis sie 1992 ihre Ergebnisse präsentierten. Legal ist die Straffung von Hautfalten per Giftinjektion seit 2002.

Saccharin wurde 1879 von einem Studenten entdeckt, der sich nach... » Mehr
Erfindungen lassen sich nicht planen, sondern entwickeln sich oft aus Zufällen – und der Mensch rennt eher hinterher als voraus.
Von Matt Ridley

Matt Ridley, photographiert von Philipp Baer.

Innovation ist eine mysteriöse Angelegenheit. Technologien scheinen sich in einem kaum zu beeinflussenden, evolutionären Prozess fortzuentwickeln, den wir wahrscheinlich nicht bremsen können – und auch nicht wirklich beschleunigen. Er ist auch nicht unbedingt das Ergebnis von Wissenschaft. Die meisten technologischen Durchbrüche gelingen tüftelnden Technikern, nicht Wissenschaftern, die Hypothesen nachjagen. So unverschämt das klingen mag,...
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Sie ist eine der spannendsten Technologien der letzten Jahre – und hat enormes Umwälzungspotenzial. Es ist höchste Zeit, die Blockchain verstehen zu lernen.
Von Olivia Kühni
Denker und Libertäre fasziniert die Blockchain – oder allgemeiner die «Digital Ledger Technology» – schon lange. Sie schafft eine digitale Plattform, auf der jegliche Eigentumsrechte vermerkt und entsprechende Transaktionen abgewickelt werden können. Das kann schlicht Geldguthaben betreffen, aber auch Rechte an Grundstücken, CO2-Zertifikaten oder wunderschönen schneeweissen Rennpferden – alles, was je gehandelt wird. Man kann, das hat Laien die...
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Warum das heutige Finanzsystem so teuer und instabil ist – und wie die Blockchain es verändern wird.
Von Blythe Masters

Blythe Masters, photographiert von Mackenzie Stroh.

Die Blockchain ist eines der grössten Abenteuer unserer Zeit. Um die Macht dieser Technologie zu demonstrieren, muss ich erst kurz in der Geschichte zurückblicken. Wer, wie ich, auf fast dreissig Jahre Erfahrungen im Finanzsektor zurückblicken kann und die Finanzkrise hautnah miterlebt hat, der weiss, dass es vor acht Jahren vor allem ein Faktor war, der das globale Finanzsystem beinahe in die Knie gezwungen hätte: die Vernetzung zahlreicher Finanzdienstleister bei...
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Wie Blockchain funktioniert. Eine Einführung.
Von Benno Luthiger
Die Technologie der Blockchain ist Grundlage für Währungssysteme wie Bitcoin. Schon jetzt pflügt diese Technologie die Finanzwelt um. Dabei kann sie weit mehr. Wenn die Blockchain Alternativen zu Dienstleistungen wie etwa dem Grundbuchregister schafft, wird sie auch Staatswesen als solche verändern.
Als Bürger sollte man spätestens jetzt versuchen, die Blockchain zu verstehen. Dies ist das Ziel dieses Artikels. Er ist bewusst technisch anspruchsvoller als die... » Mehr
Moderne Managementtechniken als Erfindung des Industriezeitalters? Von wegen! Schon die alten Römer haben sich auf sie verlassen, um ihre Sklaven im Zaum zu halten. Was heutige Manager und antike Sklavenhalter gemeinsam haben.
Von Jerry Toner

Der altrömische Herd und die heutige Kaffeeküche: wo sich Chef und Angestellte treffen – oder eben Haussklave und Pater familias. Überreste eines Haushalts im antiken Laodikeia, heute Denizli, Türkei / fotolia.

Vedius Pollio, ein reicher Römer, lud einmal seinen Freund, den Kaiser Augustus, zum Abendessen ein. Sie unterhielten sich gerade angeregt, da zerbrach ein junger Sklave ein teures Kristallgefäss. Weil er Augustus mit seiner Härte beeindrucken wollte, befahl Vedius, dass der Sklave den riesigen Muränen in seinem Fischteich zum Frass vorgeworfen werde.
Leider war Augustus überhaupt nicht beeindruckt. Im Gegenteil: Vediusʼ Grausamkeit empörte ihn. Er wies ihn an,...
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Von modernem und von schlechtem Management
Von Raymond Hofmann
Es waren also die Römer. Vor über 2000 Jahren haben sie jene Managementtechniken entwickelt, auf die wir uns heute noch verlassen. Tatsächlich zeigt Jerry Toner (siehe S. 32) in seinem Essay erstaunliche Parallelen auf zwischen erfolgreicher Sklavenhaltung im alten Rom und dem, was moderne Lohnsklaven heute täglich bei der Arbeit erfahren.
Allein die Tatsache, dass die Analogie so erstaunlich gut funktioniert, zeigt, dass Jerry Toner recht hat. Die interessantere Frage... » Mehr
Welche Stärken der Schweiz dienen der künftigen Landesverteidigung? Früher war es die Unberechenbarkeit des Terrains. Heute der Erfindergeist. Wer über die Armee der Zukunft nachdenkt, sollte deshalb nach Kalifornien schauen. Und nach Dübendorf.
Von Moritz Zander

Der Atlas Unplugged Roboter, von Boston Dynamics im Auftrag der US-amerikanischen Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) entwickelt, ist batteriebetrieben und soll auf Katastrophenplätzen eingesetzt werden, die Menschen unzugänglich sind. Bild: Worcester Polytechnic Institute.

In Dübendorf soll Grosses entstehen. Nach über hundert Jahren Militäraviatik will die Gemeinde im Zürcher Glatttal das Gelände des ehemals grössten Armeeflugplatzes in einen Innovationspark umzonen. Es soll ein Nukleus für Forschung und Entwicklung in den Gebieten Life Sciences, Engineering & Environment und Digital Technologies entstehen. Kanton, ETH und Zürcher Kantonalbank übernehmen die Trägerschaft. Investieren und forschen sollen...
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Von Karen Horn
Sämtliche nichtlinken Parteien heften sich das Etikett «bürgerlich» an. Das klingt solid, liberal und harmlos; in vielen Fällen passt das auch. Nichtlinks sind indes auch die ganz und gar nicht harmlosen Agitatoren von Pegida, die sich als («besorgte») «bürgerliche Bewegung» sehen, und die «bürgerlich-konservative» AfD, die an der Grenze wieder auf Flüchtlinge schiessen lassen will. Der von derlei Rohheiten weit... » Mehr
What people do for money
Von Johannes M. Hedinger
Die Wanderbiennale Manifesta gilt inzwischen neben der Biennale in Venedig und der documenta in Kassel als eine der bedeutendsten europäischen Kunstveranstaltungen. Die elfte Durchführung macht diesen Sommer Zürich zum Zentrum der zeitgenössischen Kunst: Noch bis zum 18. September sind rund 250 Werke von 130 Künstlerinnen und Künstlern zu sehen, die thematisch um den Sinn und Stellenwert der Arbeit für unser Leben kreisen.
Johannes M. Hedinger hat die...
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Künstler beim Bestatter, Hundesalons in Galerien und ein Gruselopa in der Edelklinik – die Manifesta 11 machtʼs möglich. Aber: hat Zürich diese Art der künstlerischen Strukturförderung wirklich nötig? Einsichten aus dem Kuratorium und der Geschichte einer Wanderbiennale.
Von Jörg Scheller

Michel Houellebecq, photographiert von Livio Baumgartner / Manifesta 11.

Manifesta? Klingt nach einer Zeit, da obskure Avantgardekünstler Manifeste verfassten, in denen sie die Museen verfluchten oder sich in suprematistische Parallelwelten raunten. Aber: weit gefehlt. Mit der Ära der heroischen und radikalen Avantgarden um 1900 hat die seit 1996 existierende Ausstellungsreihe nichts zu tun. Nicht das Manifest, sondern dessen weitaus nüchternerer Wortstamm «manifestare», auf Deutsch: «sichtbar» oder «handgreiflich...
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Warum sie offen ist – und wie sie aussehen könnte
Von Redaktion
Wir leben in unübersichtlichen Zeiten. Freiheitliche und demokratische Gesellschaften wie die Schweiz sehen sich seit Anbruch des neuen Jahrtausends Herausforderungen gleich auf mehreren Ebenen gegenüber. Für ökonomische Verunsicherung sorgen Schuldenkrisen, zunehmende internationale Abhängigkeiten und Ungleichgewichte, demographische Umwälzungen und nicht zuletzt die disruptive Wirkung der Digitalisierung. Politisch sieht sich die Schweiz wie viele andere Staaten... » Mehr
Oder: Von der Freiheit
Von Hans Ulrich Gumbrecht

In Washington tanzen sie den Jitterbug, 1943, photographiert von Esther Bubley / Library of Congress.

Vor ein paar Tagen hörte ich eine junge und offensichtlich sehr intelligente junge Frau bei einer akademischen Feier von «der Befreiung meiner Generation» reden – und wusste wirklich überhaupt nicht, was sie wohl im Sinn haben könnte. «Freiheit» klingt heute wie ein ziemlich altmodisches Wort. Ein Wort, das vor allem in Nationalhymnen auftaucht und dessen immer etwas zu schweres Pathos man über sich ergehen lässt, weil es für Staatsakte...
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Ein schriftlicher Austausch mit dem langjährigen Diplomaten Jacques Pitteloud
Von Jacques Pitteloud
Die Schweiz ist ein kleines Land in einer weiten Welt. Welches sind aktuell die wichtigsten Herausforderungen, die diese uns stellt?
Natürlich ist unser Land von allen grossen geostrategischen Bewegungen – und Bedrohungen – mehr oder weniger direkt tangiert, aber eine Frage überschattet alle anderen: für die Schweiz ist der Elefant im Raum unsere Beziehung zur EU; wie wir diese Beziehungen gestalten wollen, das ist die Hauptfrage, die sich uns stellt. Terrorismus,... » Mehr
Ein historischer Annäherungsversuch
Von Oliver Zimmer

Oliver Zimmer, zvg.

Was ist das überhaupt: Freiheit? Auch wenn wir uns wohl darin einig sind, dass unser Leben ohne Freiheit nicht viel wert wäre – die Frage ist, so allgemein gestellt, kaum zu beantworten. Der Versuch, Freiheit im Stile einer Einkaufsliste zu definieren, muss scheitern. Weil die Freiheit an sich nur in der politischen Semantik existiert – oder in den Erlösungsversprechen totalitärer Gruppierungen –, machen solche blutleeren Definitionsversuche wenig...
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Johann Gevers bringt ein mobiles und von Banken unabhängiges Bezahlsystem auf den Markt.
Von Olivia Kühni, Johann Gevers

Blick von der Rigi aus auf Zug, aka «Crypto Valley», photographiert von Reinald Kirchner / CC BY-SA 2.0.

Sein bekanntestes Projekt war nichts weniger als ein Start-up-Staat: das libertäre «Future Cities Development» auf dem Boden von Honduras. Jetzt bringt Johann Gevers eine Technologie für mobile Bezahlsysteme in sechzehn afrikanische Staaten – und will damit «die globale Finanzlandschaft revolutionieren». Ein Gespräch über seine Zuger Firma Monetas und einen Traum von Freiheit.
Johann Gevers, die Stadt Zug akzeptiert ab Juli Bitcoin für...
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Vor mehr als 40 Jahren, inmitten des Vietnamkriegs, veröffentlichte Karl Popper in den «Schweizer Monatsheften» einen Essay, der der Frage nachging, wie sich verhindern lässt, dass die Wissenschaft von der Politik vereinnahmt wird. Er ist heute so zukunftsweisend wie damals.
Von Karl Popper

Sir Karl Popper, Bild: UPPA / Insight Media.

Man darf wohl sagen, dass das Problem der moralischen Verantwortlichkeit des Wissenschafters heute mehr als früher einen jeden von uns angeht; heutzutage sind nicht nur die Naturwissenschaften, sondern auch alle anderen Wissenschaften anwendbar. Es gab einmal eine Zeit – und sie liegt nur etwa vierzig Jahre zurück –, in der der reine Naturwissenschafter oder der reine Geisteswissenschafter nur eine moralische Verantwortung hatte, die hinausging über die...
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Von Michael Wiederstein

Frédéric Zwicker, photographiert von Michael Wiederstein.

Zum ersten Mal begegneten wir uns an einem verregneten Freitagabend vor etwa fünf Jahren, anlässlich einer Feierlichkeit, die Kollege Rittmeyer traditionell einmal jährlich in einem Appenzeller Bauernhaus abhält. Frédéric sass auf dem Türsims etwas abseits der tanzenden Menge und trank in Ruhe sein Bier. Als ich mich dazusetzte, stellte er sich als «Zwieback» vor. «Franz Zwieback». Frédéric ist ein Typ, dem man das...
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