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«Bürger, mach Schulden! Es kommt dich günstiger.»

Leserbrief in der NZZ vom 6. September 2012:

Es ist schon bemerkenswert. Hansueli Schöchli versucht, die «guten» Seiten eines offenkundig schlechten Steuerregimes mit Eigenmietwert herauszuarbeiten («Der Eigenmietwert ist besser als sein Ruf», NZZ 21. 8. 12). Dazu bemüht er den Verfassungsgrundsatz der Gleichbehandlung. Ihm ist vehement zu widersprechen: Bewohner von eigenen Wohnobjekten sind nicht per se deshalb zu besteuern, weil gleich leistungsfähige Mietobjektbewohner eine Miete zahlen müssen. Erstere haben nämlich zuvor bereits versteuertes Kapital investiert oder sich eine Kreditwürdigkeit erarbeitet. Es ist nicht die Aufgabe des Staates, hier eine vermeintliche «Gleichbehandlung» zwischen Wohneigentümern und Mietern nachträglich herzustellen. Der Staat garantiert Chancengleichheit, nicht Ergebnisgleichheit – und das tut er, indem er niemanden daran hindert, Wohneigentum zu erwerben. 

Viel störender an dem von Hansueli Schöchli in der NZZ gewürdigten Status quo ist freilich die oft kaum bedachte Konsequenz dieses Regimes. Wenn jemand ein eigenes Haus baut oder erwirbt und dieses bezahlt, ohne sich zu verschulden, ist er im gegenwärtigen System der Depp. Ab Tag eins des Bewohnens muss er den Eigenmietwert entrichten, ohne komplizierte Abzüge geltend machen zu können. Jene Hausbesitzer, die sich hierfür verschulden, können hingegen Treuhänder glücklich machen. Wenn Schöchli also in dieser Form für den Eigenmietwert und dessen Entrichtung, eine Kriegssteuer übrigens, plädiert, so reduziert sich seine Argumentation letztlich auf ein simples: «Bürger, mach Schulden! Es kommt dich günstiger.» Wenn das im Sinne des Gemeinwohls, unseres Staates und unserer Bürger ist, so verstehe ich die Welt nicht mehr.

René Scheu, Zürich

 

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