Mindestumwandlungssatz, Deckungsgrad, technischer Zins – die Chiffren der beruflichen Vorsorge wirken auf den Normalversicherten geheimnisvoll bis unverständlich. Wer sich nicht professionell mit Altersvorsorge befasst, verliert schnell die Übersicht, obwohl ihn diese Chiffren ganz konkret betreffen. Und vielleicht verliert er auch das Interesse. Es wird schon gut kommen, sagt sich der durchschnittliche Versicherte. Oder besser: sagte er sich bis vor kurzem.

Des Schweizers Vertrauen in seine Altersvorsorge ist zwar immer noch gross, aber im Schwinden begriffen, gerade unter jüngeren Beitragszahlern. In parlamentarischen und öffentlichen Debatten werden allerlei verschiedene Zahlen herumgeboten. Der Versicherte ist hellhörig geworden und misstraut politischen Versprechungen, für die, so mutmasst er, letztlich niemand geradezustehen hat als er selbst. Er fragt sich: Kann die Politik einen Umwandlungssatz garantieren, wenn am Ende das Kapital der Pensionskassen gar nicht ausreicht? Wer soll das eines Tages bezahlen? Werden hier die älteren gegen die jüngeren Generationen ausgespielt?

Den Versicherten wird zugetraut, ihr privates und berufliches Leben selber zu gestalten, aber für die finanzielle Sicherung ihres Alters wird ihnen diese Befähigung weitgehend abgesprochen. Das mag für Versicherte so lange ein akzeptabler Deal sein, wie die er­haltenen Leistungen stimmen. Doch Rentenversprechen wackeln seit geraumer Zeit unter dem Druck steigender Lebenszeit und gesunkener Zinsen. Dass sich die geführte Diskussion hauptsächlich darum dreht, ob der Mindestumwandlungssatz 6,9 oder 6,4 Prozent beträgt, mag angesichts der sich abzeichnenden Finanzierungslücken realitätsfremd anmuten. Werden hier Pseudodebatten geführt, die die wahren Ungleichgewichte verdecken?

Statt politischer Grabenkämpfe bedarf die berufliche Vorsorge einer Basis von Versicherten, die Rechenschaft darüber einfordern, wie es wirklich um ihre Altersguthaben steht. Als mündige und aufgeklärte Versicherte verhindern sie, dass Transparenz und Effizienz zu leeren Floskeln verkommen – und sorgen stattdessen dafür, dass sich diese Forderungen im Versicherungsausweis ihrer Pensionskasse spiegeln.

Aufklärung über die zweite Säule ist das Gebot der Stunde. Und genau das ist es, was der mündige Versicherte und Leser auf den folgenden Seiten erwarten kann!