Schweizer Monat
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Von Florian Rittmeyer
Den Zeitgeist kritisch zu hinterfragen, ohne sich von ihm treiben zu lassen: so lautet einer unserer publizistischen Grundsätze. Dies ist in ruhigen Zeiten einfacher als während des medialen Ausnahmezustands. Rund zehn Stunden nachdem wir das «Gut zum Druck» der April-Ausgabe gegeben hatten, sind in der Abflughalle des Flughafens Brüssel-Zaventem zwei Sprengsätze explodiert. Damit erhielt die Titelgeschichte mit Yuval Harari eine tragische Aktualität. Der... » Mehr
Von Redaktion

Norbert Bischof, photographiert von Florian Rittmeyer.


Wie Moral entsteht

Er gehört zu jenen intellektuellen Grössen, die das Rampenlicht nie gesucht haben. Als Norbert Bischof in ein Gespräch eingewilligt hatte, fragte Florian Rittmeyer seinen Stiefvater, ob dieser ihn begleiten würde. Denn von ihm kam die Buchempfehlung für Bischofs Monumentalwerk «Moral». Gespannt klingelten die beiden fünf Wochen später an Bischofs Haus in der Nähe von München. Nach einem herzlichen Empfang...
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Von Florian Rittmeyer
Im Jahr 2013 trat der Ökonom Sam Hinkie an, das Basketballteam der Philadelphia 76ers aus der sportlichen Misere zu holen. Hinkie galt als brillanter Analyst, und die Investoren des Sportclubs machten sich berechtigte Hoffnungen, dass sich die Kunst seiner Zahlenakrobatik auch in einer Siegesserie ihres Clubs niederschlagen würde. Sie lagen falsch. Hinkie musste seinen Posten als Geschäftsführer räumen. In einem vierzigtausend Zeichen langen Abschiedsbrief analysierte er... » Mehr
Von Andrea Franc
Seit der Finanzkrise von 2007 begiessen die amerikanische Fed und die europäische Zentralbank (EZB) die Märkte mit Liquidität. Die Fehler der Grossen Depression der 1930er Jahre, als die Fed es versäumte, den Märkten genügend Geld zur Verfügung zu stellen, sollten nicht wiederholt werden. «Monetarismus» wird diese Lehre genannt. Und sie beruht auf dem Monumentalwerk der Ökonomen Milton Friedman und Anna Jacobson Schwartz. In vielen... » Mehr
Von Christian P. Hoffmann
Die Schweiz stimmt ab, worüber andere bloss diskutieren: das bedingungslose Grundeinkommen. Das «BGE», so das Kürzel, trifft auf viel Gegenliebe unter Künstlern, Intellektuellen und Freigeistern. Also inszenieren sie eine bunte und unkonventionelle Abstimmungskampagne. Kürzlich verteilten die BGE-Jünger etwa Bargeld in Zürich, einfach so. Sympathisch wirkt es, wenn Querdenker solche «Denkanstösse» liefern und Utopien aufzeigen.... » Mehr

Warum viele Politiker tote Ideen lieben – und allen anderen damit das Leben schwer machen.
Von Moisés Naím

Moisés Naím, photographiert von Gianluca Battista.

Wir alle kennen solche Menschen: eine Freundin, die sich immer in den falschen Mann verliebt, oder einen talentierten Kollegen, der dauernd den Job wechselt, weil er nicht mit Autoritäten umgehen kann. Sigmund Freud prägte dafür den Begriff «Wiederholungszwang» – ein psychologisches Verhaltensmuster, bei dem Menschen schädliche Handlungen ständig wiederholen müssen, obwohl sie sich der negativen Konsequenzen bewusst sind.
Dieses Phänomen...
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Der Fussballclub Basel steckt im selben Dilemma wie viele Schweizer Unternehmen: er will in der globalen Spitzenliga mitspielen und muss lokale Demut zeigen. Über den Spagat zwischen VIP-Lounge und Muttenzerkurve.
Von Bruno Affentranger, Bernhard Heusler

Bernhard Heusler, photographiert von Giorgio von Arb.

Herr Heusler, ein Bierbrauer hat sich bei mir beklagt, dass er nicht wie seine Geschäftsfreunde von der Wasserquelle wegziehen könne. Die Mobilität seines Geschäftes und damit die Erschliessung neuer Märkte sei stark eingeschränkt. Sind Sie traurig, dass Sie mit Ihrem Unternehmen nicht einfach in eine grosse europäische Stadt und Liga weiterziehen können?
Ein spannendes Gedankenspiel: in einer Stadt, wo Hunger und Freude gross sind. Aber Tatsache ist, wir...
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Der Psychologe Norbert Bischof über die Identität des Menschen, das Leben in Gruppen und die Angst vor Fremden – ein Gespräch in drei Teilen.
Von Florian Rittmeyer, Norbert Bischof, René Bucher

Norbert Bischof, photographiert von Florian Rittmeyer.

Teil 1: ICH

Herr Bischof, Sie beschreiben in Ihren Büchern, was den Menschen vom Affen unterscheidet: eine «permanente Identität». Was ist das?
Eine Fähigkeit, die man Motivmanagement nennen könnte. Sie ist offenbar spezifisch menschlich und entwickelt sich beim Kind erst mit vier Jahren.
Beginnen wir am Anfang. Wie entsteht Identität?
Die einfachste Form der Identität ist das, was wir «diachrone Identität» nennen. Das bedeutet:...
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Wortwechsel
Von Karen Horn
Das Wort «neoliberal» hat eine scharfe Bedeutungsumkehr erlebt. Im allgemeinen Verständnis bezeichnet es heute eine marktwirtschaftliche Ideologie, der besondere Stringenz und Staatsferne eigen sind. Wer schon Panik schiebt, wenn von Privatisierung und Deregulierung die Rede ist, nutzt es zudem gern als Allerweltsschimpfwort, das Hartherzigkeit und Dogmatismus antönen soll – wie in Strahms Vorwurf. Dabei ging es im Neoliberalismus ursprünglich gerade nicht... » Mehr
Short Story von Richard Lange
Von Christina Baeriswyl, Richard Lange, Jan Schönherr
Nachdem wir die Bank übernommen und den Wachmann kaltgestellt haben, behalte ich die Kunden im Auge, während Moriarty sich über den Tresen schwingt und die Kassen ausräumt. Keine Ahnung, wieso ausgerechnet mir dieser Job zufiel. Auch nach all der Zeit bin ich nicht gerade der überzeugendste Bösewicht. Meine Pose hab ich vorm Spiegel geprobt, böse Blicke und nervöses Zucken eingeübt, aber ich fürchte noch immer, dass mich einer durchschaut.
Meine...
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Über Richard Langes «Bank of America»
Von Michael Wiederstein
Die USA verstehen sich als Land der «Middle Class». Damit bezeichnet ist im Ideal der allergrösste Teil, bis gegen 70 Prozent, der US-Bevölkerung. Die «Middle Class» soll die vergemeinschaftende Macht im Staate sein: ihr zugehörig fühlen sollen sich von Kurierfahrern über High-School-Lehrerinnen zu Politikern oder Unternehmern alle, die nicht nur für ihr Auskommen sorgen, sondern mehr, aber subjektiv weder «zu viel» noch «zu... » Mehr
Von Redaktion
Bereiten Sie sich vor, liebe Leser, auf eine Reise ins Unbekannte. Noch wissen wir nicht, wo sie die Menschheit hinführen wird. Aber was zurzeit in der Informationstechnologie vor sich geht, ist so fundamental, dass sich unser aller Leben unvermeidlich verändern wird. Bei den Erkundungstouren, die Forscher und Tüftler auf der ganzen Welt gerade unternehmen, geht es nämlich nicht um Computer, oder nur auf den ersten Blick. Es geht um das, was den Menschen zum Menschen macht:... » Mehr
Lebenshilfe durch Automation – die Fortschritte in der Informationstechnologie haben unser Leben in den letzten 100 Jahren erheblich erleichtert. Doch von wie viel intellektueller Arbeit sollen Computer uns eigentlich «befreien»? Eine kritische Würdigung.
Von Juraj Hromkovic

Knechtschaft der Wiederholung: unzählige Buchhalter des US-Finanzministeriums berechnen um 1930 die jeweiligen Boni der Veteranen des 1. Weltkrieges. Bild: Library of Congress.

Informatik war immer schon da. Kommunikation und Informationsverarbeitung sind ein essentieller Teil der menschlichen Kreativität. Jahrhunderte lang war das so selbstverständlich, dass wir uns gar nicht gross darum zu kümmern brauchten. Heute aber ist die Informatik so mächtig geworden, dass sie die Gesellschaften auf tiefgreifende Art verändert. Wir kommen gar nicht darum herum, uns mit ihr auseinanderzusetzen. Um besser zu verstehen, was gerade passiert, müssen...
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ca. 780 – 850
Von Serena Jung
Persischer Mathematiker, Astronom und Geograph, forschte im «Haus der Weisheit» in Bagdad unter dem und für den Kalifen al-Ma'mūn. Al-Chwarizmi verdanken wir nicht nur unser heutiges Zahlensystem, sondern auch den Begriff «Algorithmus», der aus seinem Namen abgeleitet wurde.
Um das Jahr 825 veröffentlichte al-Chwarizmi seine Studie zur indischen Zahlenschrift. Er führte die Dezimalzahlen – die Ziffern 1 bis 9, inklusive der bisher unbekannten Ziffer...
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1815 – 1852
Von Serena Jung
Britische Mathematikerin, Tochter des Dichters Lord Byron. Sie veröffentlichte als junge Frau unter anderem einen Algorithmus zur Berechnung einer Abfolge von Bernoulli-Zahlen, der heute als das erste Computerprogramm gilt.
Im Alter von 12 Jahren zeichnete Ada Lovelace Pläne für ein Flugobjekt, so gross wie ein Pferd, mit Flügeln und Dampfantrieb. Als 17-Jährige lernte sie den Mathematiker Charles Babbage kennen, der die Entwicklung von Rechenmaschinen erheblich...
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Was ist künstliche Intelligenz? Und warum kann sie einem durchaus Angst einjagen? Ein Laborbesuch im Silicon Valley, wo neue Maschinenbabys sorgfältig gezüchtet werden.
Von Sarah Pines

Prototyp Google Car © Google Inc.

Der ruhig leuchtende Touchscreen des Tesla zeigt hinter verdunkelten Scheiben den Selbstfahrmodus an. Auf der 90 Stundenkilometer schnellen Fahrt über den Highway liegen meine Hände im Schoss; mit zaghaft kleinem Ruckeln reguliert der Wagen Abstände zu anderen Autos und Leitplanken. Die Route: Arastradero-Naturpark, Eukalyptusbaumgeruch beim kurzen Herunterfahren der Fenster, dann Junipero Serra Freeway, Sand Hill Road, irgendwann die Kurve zum Palm Drive, der mit Palmen...
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1912 – 1954
Von Serena Jung
Britischer Logiker, Mathematiker, Kryptoanalytiker und bis heute einer der bedeutendsten Denker der theoretischen Informatik. Bereits als Jugendlicher begann Turing sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was Denken sei und wie es funktioniere. 1937 veröffentlichte er seinen Aufsatz «On Computable Numbers, With an Application to the Entscheidungsproblem». Darin beschrieb er eine Maschine, die als «Turingmaschine» in die Geschichte eingehen sollte und die,...
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Ein Informatiker unter Biologen: was Big Data mit der Krebsforschung zu tun hat.
Von Olivia Kühni, Thomas Thurnherr

DNA-58Sequenz. Bild: All Mauritius Images / Science Photo Library.

Leben zu retten, braucht es manchmal auch einen Computer. Wir sitzen in Basel unweit der Messe in einem nüchternen Zimmer mit Linoleumboden. Es gibt in diesem Gebäude hunderte solcher Räume, angeordnet entlang schmaler Gänge. Junge Frauen und Männer aus allen Ecken der Welt, ohne oder mit Make-up, Kopftuch, Laborkittel, eilen freundlich lächelnd vorbei. Dieser Campus hier ist ein typischer Ort der sogenannten A-Schweiz, ein internationaler Forschungsbrennpunkt, eine...
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GPS macht unser Leben leichter und komfortabler. Aber: wer nie wissen muss, wo er ist, verliert mehr als nur die Orientierung. Eine Fallstudie.
Von Florian Oegerli, Nicholas Carr

Nicholas Carr, photographiert von Merrick Chase.

Einige tausend Meilen nördlich von Harvard, im Nunavut-Gebiet des kanadischen Nordens, liegt eine kleine arktische Insel mit dem Namen Iglulik. Im Winter ist sie ein ausserordentlich unwirtlicher Ort: Die Temperatur beträgt meist um die zwanzig Grad unter null, eine dicke Eisschicht bedeckt das Meer rundherum, es bleibt den ganzen Tag über dunkel.
Ungeachtet dieser schwierigen Bedingungen wagen sich die dort lebenden Inuit seit 4000 Jahren aus ihren Behausungen und kämpfen...
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1906 – 1992
Von Serena Jung
Amerikanische Mathematikerin, Computerwissenschafterin und Admiral der US-Navy-Reserve. Eine der ersten Entwickler von Computern und Programmiersprachen.Angesichts des Zweiten Weltkriegs gab Hopper 1943 ihre Mathematikprofessur am Vassar College auf und meldete sich als Freiwillige bei der Reservemarine. Sie wurde 1944 dem «Bureau of Ships Computing Project» an der Harvard University zugeteilt, das im selben Jahr begann, mit IBMs «Mark I»-Computer, einem der ersten...
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(*1953)
Von Olivia Kühni
Britischer Physiker und Informatiker. Berners-Lee entwickelte während seiner Zeit am Genfer Kernforschungsinstitut Cern die Internetsprache HTML, das Konzept der Seitenadressen (URL), einen ersten Browser und somit ganz generell die Grundlagen des heutigen Internets.
Berners-Lee wurde als Sohn eines Mathematikerpaars in London geboren, studierte Physik in Oxford und arbeitete zunächst als Softwareentwickler und Ingenieur, bevor er in den 1980ern für das Genfer Cern zu forschen...
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Das Schreckensszenario einer digitalen Wahlbeeinflussung – und was wir dagegen tun können.
Von Jonathan Zittrain

Jonathan Zittrain, photographiert von Martha Stewart.

Am 2. November 2010 sind die amerikanischen Nutzer von Facebook einem ehrgeizigen Social-Engineering-Experiment unterworfen worden: War es möglich, Wahlfaule in den USA mit Hilfe von Social Media dazu zu bekommen, bei den Halbzeitwahlen am selben Tag ihre Stimme abzugeben? Die Antwort lautete: Ja. 
Der Trick, um die Leute in die Wahlkabinen zu lotsen, war denkbar schlicht. Er bestand aus einer Grafik, die einen Link enthielt, mit Hilfe dessen sich Wahllokale ausfindig machen liessen,...
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(*1973) und (*1973)
Von Olivia Kühni
Informatiker und später Gründer von Google, heute CTO (Brin) und CEO (Page) der Google-Muttergesellschaft Alphabet Inc. Prägten mit dem Google zugrunde liegenden Algorithmus massiv die Art und Weise, wie wir heute Informationen speichern, abrufen und verwenden.
Brin wurde in Moskau als Sohn eines Mathematikers geboren und wuchs ab dem 5. Lebensjahr in Maryland, USA, auf. Page, Sohn eines Informatikprofessors und einer Datenspezialistin, lebte als Kind in Michigan. Die beiden...
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Von Serena Jung, Christian Gamp

GDS.FM-Gründer Christian Gamp, photographiert von Serena Jung.

Das Leben ist keine Pralinenschachtel. Es spielt nicht immer dieselbe Tonfolge zu einer Feder, die im Sonnenlicht tanzt. Und auf der Bank neben mir sitzt auch nicht Forrest, sondern Christian Gamp. Obwohl, wir stehen unter der Brücke, die das Parkhaus mit der Talstation in Surlej verbindet, und drehen unter deren Obdach unsere Zigaretten, denn es regnet – und die Bank ist nass. Es ist eines der letzten Wochenenden der Wintersaison 2015/16 und das Skigebiet Corvatsch hat beinahe...
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