Schweizer Monat
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Gesamtschule statt Gymnasium, Grossbildschirm statt Bibliothek, Denkverbot statt Debatte – Bürgertum ade, klagt Thomas Hürlimann. Die einst fortschrittliche und mächtige Gesellschaftsschicht, so der Schriftsteller, wurde von einem Kleinbürgertum abgelöst, das den Gleichheitsmief kultiviert. So erklärt sich der Triumph des Bauchgefühls an der Urne, der Qualitätsverlust in den Medien und nicht zuletzt so mancher Shitstorm gegen Intellektuelle. Gespräch mit einem, der glücklich darüber ist, aus der Zeit gefallen zu sein.
Von Thomas Hürlimann, Michael Wiederstein

Thomas Hürlimann, photographiert von Jannis Keil.

Herr Hürlimann, Sie haben kürzlich Ihren mehrjährigen Kampf gegen den Krebs gewonnen – zunächst: Herzliche Glückwünsche dazu! Wie geht es Ihnen?
Danke, mir geht es gut. Mein Immunsystem ist noch etwas angeschlagen, aber ich fühle mich fit.
Sie haben – trotz Krankheit – in den vergangenen Jahren neben der literarischen Arbeit auch viele Essays veröffentlicht, sich vermehrt mit den politischen Entwicklungen in der Schweiz...
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Der Populist ist nicht der Vertreter der Frustrierten. Und er ist nicht ein Bewirtschafter diffuser Ängste. Er ist vielmehr derjenige, der selbst dann das Volk zu vertreten laubt, wenn ihm die Mehrheit der Bürger nicht folgt. Ein Definitionsversuch.
Von Jan-Werner Müller

Jan-Werner Müller, photographiert von Tor Birk Trads.

Wer muss sich heutzutage nicht alles Populist schimpfen lassen? Die griechische Syriza-Partei (nominell links und demokratisch), der französische Front National (definitiv rechts, nominell demokratisch), Vladimir Putin (vielleicht weder rechts noch links, aber ganz sicher nicht demokratisch) und sogar Angela Merkel (in den Augen ihrer konservativen Kritiker wohl inzwischen viel zu weit links, aber ganz sicher demokratisch). Haben diese Parteien und Politiker wirklich etwas gemeinsam? Und...
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Seit Jahrzehnten verwehrt der Westen Afrika den Marktzugang. Die afrikanischen Volkswirtschaften wurden durch subventionierte westliche Landwirtschaftsüberschüsse zerstört. So entscheiden sich junge Afrikaner für die Emigration. Was tun? Weniger Ausgrenzung, mehr Freihandel!
Von Andrea Franc

Andrea Franc, zvg.

Die afrikanischen Bootsmigranten, die wir heute fast täglich in den Nachrichten sehen, sind meist junge gesunde Männer auf der Suche nach Arbeit. Sie kommen in friedlicher Absicht und mit einem offensichtlich grenzenlosen Glauben an Kapitalismus und Demokratie. Der britische Afrikaökonom und Autor des Buches «Exodus», Paul Collier, hat deshalb recht, wenn er sagt: Diese Männer werden in ihren Herkunftsländern bitter gebraucht und müssen am Auswandern...
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Warum erreicht die illegale Migration über das Mittelmeer nach Europa zurzeit Höchststände? Warum ebbte sie in den letzten Jahren zuerst ab und schwoll dann wieder an? Wer Antworten haben will, muss sie auf dem Kontinent suchen – und in Syrien.
Von Doug Saunders

Schiffsfriedhof auf Lampedusa, Mai 2014, photographiert von Massimo Sestini / Dukas.

Ich traf Marlon, einen Sudanesen, der durch ausgedehnte Wüstengebiete nach Libyen gewandert war, am Rand von Tripolis, wo er sich auf den Weg zu einem abgelegenen Strand machte, um dort hart erarbeitete 2000 Dollar für die Passage nach Italien in einem überfüllten, seeuntüchtigen Boot auszugeben. Er wusste, dass er sich in Lebensgefahr begab, und war darauf bedacht, sein Boot sorgfältig auszuwählen, um nicht jene Art Schicksal zu erleiden, wie es gerade...
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Zahlen und Gedanken zum Erfolg eines Zerrbildes
Von Gerhard Schwarz, Marco Salvi
Vor 20 Jahren richtete das Weissbuch «Mut zum Aufbruch» einen knapp 80seitigen marktwirtschaftlichen Weckruf an die von Wachstumsschwäche und Lethargie gezeichnete Schweiz. Die Unterzeichner des Manifests, Wirtschaftsführer, aber auch einige Professoren (und einer der beiden Autoren dieses Aufsatzes), wurden als Sozialabbaumillionäre an den Pranger gestellt. Die Medien gaben sich alle Mühe, die Ideen als radikal und unsozial zu diskreditieren. In den Folgejahren... » Mehr
Was hätte er an der Spitze der SNB entschieden? Welches wären seine Forderungen als Premier Griechenlands? Und wäre er gerne Präsident der EZB? Ein Gespräch mit Hans-Werner Sinn über gigantische Geldflüsse. Ihre Hintergründe. Ihre Folgen. Und seine innere Ruhe trotz allem.
Von René Scheu, Hans-Werner Sinn

Hans-Werner Sinn, photographiert von Thomas Burla. 67

Herr Sinn, die politische Lage in der Eurozone ist seit Wochen, seit Monaten, ja seit Jahren unübersichtlich und immer unübersichtlicher geworden. Sie gehören zu jenen, die wenigstens auf intellektueller Ebene Ordnung zu schaffen versuchen. Schlafen Sie gut?
Ab und zu schlafe ich schlecht. Wenn überall die Emotionen hochkochen, dann nagt das auch an meinen Nerven. Denn die von Ihnen richtig geschilderte Situation wird durch die Emotionalisierung der Verhältnisse noch...
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Ein EU-kompatibler und umsetzbarer Vorschlag für weniger Zuwanderung
Von Reiner Eichenberger
Gemäss der vom Volk angenommenen Masseneinwanderungsinitiative muss künftig die Zuwanderung gesenkt werden. Die Politik sucht nun immer verzweifelter nach Konzepten für Kontingente und Mengensteuerung. Die ökonomische Vernunft hingegen spricht für eine Preissteuerung der Zuwanderung. Ich schlage deshalb vor, von allen Einwohnern eine angemessene Grundgebühr für Staatsleistungen zu erheben und die Erträge aus dem über Jahrzehnte angesparten...
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Von Florian Oegerli

Money Boy, photographiert von Florian Oegerli.

Wir stehen in einer schlecht beleuchteten Industriehalle, da taucht plötzlich ein Kerl mit Skimaske vor uns auf und bewirft uns mit Dollarnoten. «Hat von euch schon einmal jemand eine Gun gefeuert?», fragt er. Die jungen Menschen neben mir recken Wasserpistolen in die Luft. Leergefeuert. Denn der grosse Star des Abends hätte bereits vor einer Stunde auftreten sollen. Doch er sei heute nicht in Feierlaune, erklärt der Maskierte, der für ihn die Stimmung anheizen...
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Ist die Zeit reif für eine neue Landeshymne? Oder zumindest ein neues patriotisches Lied? Um diese Fragen zu beantworten, holt sich Philosoph Elmar Holenstein Inspiration bei Bertolt Brecht.
Von Elmar Holenstein

Foto von Wikmedia Commons.

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Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft schrieb 2013 einen Wettbewerb für eine neue Landeshymne aus.1 Innerhalb eines Jahres wurden über 200 Bewerbungen eingereicht. Sechs der Eingaben sind Ende März 2015 zur landesweiten Diskussion veröffentlicht worden. Die in Umfragen oben aufschwingende Version soll, sobald sie in der Bevölkerung genügend verbreitet und beliebt ist, den...
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... Aber schlaue französische Füchse aus dem Mittelalter können helfen, sich die republikanische Trias der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu vergegenwärtigen.
Von André Glucksmann

Holzschnitt aus «Von Reyneken Vosse dem Olden», Frankfurt am Main, 1550.

In der Europäischen Union verschlechtert sich alles, und allem voran in Frankreich. Die Statistiken häufen sich, die Umfragen bestätigen es, die Ökonomen erstellen dunkle Bilanzen, die Ökologen beschwören apokalyptische Gefahren, die Politiker hängen einer vermeintlich glorreichen Vergangenheit nach, beklagen die Gegenwart und fürchten die Zukunft, dem demographisch schwachen alten Kontinent drohen im Osten wie im Süden Invasionen, wir überleben...
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